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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Stadtwerke haben genug vom Wassersparen
Zwischenüberschrift:
Verstopfte Abwasserleitungen, erhöhte Kosten - Naturschützer: "Hausgemachte Probleme"
Artikel:
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Originaltext:
OSNABRÜCK. Am Energiesparen geht kein Weg vorbei, wenn wir es noch eine Weile auf der Erde aushallen wollen. Aber Wasser sparen? In Ballungsräumen schon, bei uns lieber nicht, sagen die Stadtwerke. Der sinkende Wasserverbrauch verursache allerlei Probleme im Rohrnetz.

Jahrelang wurde auch in Osnabrück alles getan, um die Leute zu Wassersparern zu erziehen. Beim Zähneputzen den Hahn abstellen, den Toilettenspülkasten mit einer Spartaste versehen, das Regenwasser vom Dach auffangen. Wer eine Zisterne baute, bekam eine Zeitlang sogar 3000 Mark Zuschuss.

Die Appelle schlugen an. So ging der Trinkwasserverbrauch durch effizientere Nutzung spürbar zurück - in knapp 20 Jahren von 150 Litern auf 130 Liter pro Person und Tag. Ein Erfolg, über den sich die Stadtwerke nicht recht freuen mögen. Klar, die wollen ihr Wasser ja auch verkaufen, mögen Zweifler einwenden. Doch darum gehe es nicht, sagen Joachim Nolte und Jürgen Peters. Der eine ist für die Wasserversorgung verantwortlich, der andere für die Entwässerung. Wenn die Kunden auf jeden Tropfen achteten, müssten sie am Ende draufzahlen, lautet ihre Rechnung. Durch Wassermangel im Schmutzwasser kommt es auf flachen Gefällestrecken immer wieder zu unappetitlichen Ablagerungen in den Kanalroh-ren. Da hilft nur eine Druckreinigung. Die Jungs vom Klärwerk kennen die neuralgischen Punkte schon. Sieben Spülwagen sind im Auftrag der Stadtwerke regelmäßig auf Osnabrücks Straßen unterwegs, einige von ihnen mit Fettdüse. Damit werden auch die hart gewordenen Hinterlassenschaften aus Spülmaschinen gelöst, die an den Rohren kleben.

Das Spülen der Kanalrohre ist für Jürgen Peters zwar unverzichtbar, aber nicht ohne Risiko. Es sei nicht bekannt, ob es durch den hohen Druck zu Materialschäden komme, sorgt sich der Betriebsleiter Entwässerung.

Im Klärwerk stellt ihn die konzentrierte Brühe vor weitere Herausforderungen. " Wenn es dick kommt, nehmen wir zusätzliche Belüftungseinheiten in Betrieb", sagt Peters. Aber es kommt vor, dass eine Beckenstraße gerade abgeschaltet ist, weil Wartungsarbeiten anstehen.

Dann muss sie schnell wieder flottgemacht werden, denn die Speicher reichen nur für ein paar Stunden. Am einfachsten wäre es, wenn das Abwasser in einem kontinuierlichen Strom das Klärwerk erreichte. Aber die Schwankungen werden immer größer.

Schon ein Sturzregen kann die Wassermenge an einem Tag verdoppeln, weil Regenwasser durch die Gullydeckel in die Schmutzkanäle fließt. Diese Unwägbarkeiten, die den Betrieb erschwerten, würden durch allzu sparsames Haushalten mit Wasser noch verschärft, sagt Entwässerungsfachmann Peters.

Bleibt noch die Frage, ob Wassersparen der Natur nützt. In Hamburg und anderen Metropolen schon, in Osnabrück nicht, gibt Joachim Nolte zu bedenken. Er ist bei den Stadtwerken verantwortlich für die Wasserbereitstellung. In den Gewinnungsgebieten Thiene, Wittefeld und Düstrup seien die Grundwasserspeicher bei jährlichen Niederschlägen von 800 mm stets prall gefüllt. Die unterirdischen Reserven vergleicht Nolte mit einem Schwamm. Selbst bei anhaltender Trockenheit komme es allenfalls an der Oberfläche zu punktuellen Absenkungen. Daraus ergäben sich aber keine ökologischen Nachteile.

In Osnabrück kümmern sich 27 Mitarbeiter der Stadtwerke um das Trinkwasserversorgungsnetz, das mit seinen Verästelungen knapp 700 km lang ist. Dazu kommen noch 85 km Transportleitungen von den Wasserwerken Thiene und Wittefeld.

Sinkt der Verbrauch, dann bleibt das Wasser in den Endsträngen von Sackgassen schon mal zu lange stehen. Darüber freuen sich die Kolibakterien, die sich schon bei 20 Grad Wassertemperatur explosionsartig vermehren. Wenn so etwas passiert, wie vor zwei Jahren im Umfeld der Katharinenkirche, hilft nur eins: das Wasser so lange laufen lassen, bis keine Gefahr mehr droht. An einigen Straßen, wo seinerzeit " auf Zuwachs" geplant wurde, haben die Stadtwerke inzwischen Rohre mit kleineren Querschnitten eingebaut, zum Beispiel an der Pferdestraße und am Wilhelm-Mentrup-Weg.

Überdimensionierte Rohre und Kanäle sind nach Ansicht des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz) der springende Punkt, nicht der sinkende Wasserverbrauch. Sebastian Schönauer, der Sprecher des Arbeitskreises Wasser, spricht von " hausgemachten Problemen". Es sei aberwitzig, dass der größte Teil der Menschheit mit Süßwasserknappheit kämpfe, während bei uns zum fröhlichen Verschwenden aufgerufen werde.

Es sei unfair, die Kanalspülung über die Wasseruhr der Verbraucher zu fordern, wettert Schönauer, der 70 oder 80 Liter pro Person und Tag für ausreichend hält. Es werde zwar immer wieder behauptet, dass eine höhere Wasserentnahme der Natur nicht schade Aber das tue sie eben doch.

Bildunterschrift 1:

Die Schmutzkanäle müssen öfter gespült werden. Oliver Heinrich in Aktion.

Foto: Gert Westdörp

Sauberkeit Ist Trumpf: Die Membranfilteranlage im Wasserwerk Düstrup reinigt das Trinkwasser hochwirksam. Ist dieses Produkt nun für die Klospülung zu schade oder nicht?
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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