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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Gut fürs Brauchtum, schlecht für die Umwelt
Zwischenüberschrift:
Osterfeuer in der Region lassen die Feinstaubwerte in die Höhe schnellen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
jb OSNABRÜCK. Die Osterfeuer an diesem Wochenende werden einen bleibenden Eindruck hinterlassen - nicht nur bei den Besuchern, die sich über die heimelige Atmosphäre freuen, sondern auch in der Feinstaubbilanz der Stadt Osnabrück. Absehbar ist, dass die Grenzwerte erneut deutlich überschritten werden.

Bislang liegt die Stadt Osnabrück in Sachen Feinstaub gut im Rennen: In diesem Jahr registrierten die Experten des städtischen Umweltamts gerade einmal acht Überschreitungstage. " Wegen des milden Wetters haben die Leute weniger geheizt, und das merkt man", sagt Detlef Gerdts, Leiter des Fachbereichs Umwelt bei der Stadtverwaltung. Ein Überschreitungstag liegt vor, wenn die gemessenen Werte über der Grenzmarke von 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft liegen. Im vergangenen Jahr war in Osnabrück schon Ende April der 35. Überschreitungstag erreicht worden - was laut einer EU-Richtlinie zu viel ist.

Absehbar ist, dass über Ostern wenigstens zwei Überschreitungstage hinzukommen. So war es zumindest im vergangenen Jahr: Die beiden Osnabrücker Messstationen am Schlosswall und am Ziegenbrink registrierten am Ostermontag Feinstaubwerte von bis zu 111 Mikrogramm - mehr als der doppelte Grenzwert. In den Tagen vor dem Osterfest 2006 hatten die Werte etwa bei 27 Mikrogramm gelegen.

Die Feinstaubwerte hängen allerdings auch von der Wetterlage ab, beispielsweise von der Windstärke. Dennoch: " In der Regel erbringen allein die Osterfeuertage und Silvester etwa zehn Prozent der Überschreitungstage", so Detlef Gerdts.

Auch wissenschaftliche Untersuchungen, etwa vom Umweltbundesamt, kommen zum Ergebnis, dass Osterfeuer einen massiven Einfluss haben auf die Schadstoffbilanz.

Verantwortlich dafür ist, dass während des Abbrennens reichlich Schadstoffe in die Luft gepustet werden. " Oft werden frische Grünabfälle aus dem Garten verbrannt, und das erhöht die Belastung deutlich", erläutert Matthias Beckwermert vom Ökologischen Forum Bad Rothenfelde/ Dissen im Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Was also ist zu tun? Sollen Osterfeuer wegen der Feinstaubbelastung generell verboten werden, wie dies im österreichischen Graz der Fall ist? So weit möchte Matthias Beckwermert nicht gehen. Er fordert: Einige wenige größere Osterfeuer im Ort, zu denen jeder hingehen kann, müssen genügen. " Nicht jeder muss in seinem Garten ein eigenes kleines Osterfeuer abbrennen. Gartenabfälle lassen sich auch bequem auf den Sammelplätzen für Grünabfall entsorgen." Nach Ansicht des BUND werden private Osterfeuer immer häufiger unter dem Deckmantel des Brauchtums dazu benutzt, illegal Abfälle zu verbrennen.

Nur mit Erlaubnis

In Deutschland müssen größere Osterfeuer genehmigt werden. In der Stadt Osnabrück sind nach Angaben der Verwaltung 55 größere Feuer geplant, anderswo sind es noch mehr: Die Gemeinde Hagen beispielsweise hat 100 Anmeldungen registriert. Die Stadt Osnabrück hat angekündigt, dass das aufgeschichtete Brennmaterial kontrolliert wird. Erlaubt ist nur, Schnittgut von Bäumen und Sträuchern zu verbrennen. Wer andere Abfälle auf den Haufen wirft und anzündet, begeht eine Straftat.

KOMMENTAR

Weniger ist mehr

Von Jens Buchkremer

Warum eigentlich nicht? Die Idee, nur noch einige wenige Osterfeuer abzubrennen, klingt zwar schwer nach Fantasien übereifriger Umweltschützer. Aber schlecht ist der Vorschlag darum nicht. Es muss nicht sein, dass in der Stadt gleichzeitig mehr als 50 größere Feuer brennen. Wenn es weniger Feuer sind, umgekehrt aber jeder kommen und zuschauen darf, tut das der Qualität des Brauchtums keinen Abbruch. Aber für die Umwelt ist es besser. Je mehr Tage mit überhöhten Feinstaubwerten registriert werden, desto schneller ist sie wieder da, die Debatte über Luftqualität und Fahrverbote. Sicher werden ein paar Osterfeuer mehr oder weniger die Probleme mit dem Feinstaub nicht vollständig lösen. Aber Tatsache ist, dass Umweltschutz im Kleinen beginnt. Weniger Osterfeuer wären ein Anfang.

j.buchkremer@ neue-oz.de

Sieht schön aus, verursacht aber Feinstaub: Wegen der Osterfeuer steigt die Belastung durch Schadstoffe.

Foto: Archiv
Autor:
jb


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