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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
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Überschrift:
Teufelszeug nicht bei uns
Zwischenüberschrift:
PFT: Experten geben Entwarnung für Osnabrück
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Von Rainer Lahmann-Lammert

OSNABRÜCK. PFT im Boden, in der Möhnetalsperre und Im Trinkwasser: Im benachbarten Nordrhein-Westfalen Oberschlagen sich die Medien mit solchen Alarmmeldungen. Kann das Teufelszeug, das bei der Herstellung von Teflon oder Gore-tex anfällt, auch nach Osnabrück gelangt sein? Detlef Geräts, der Leiter des Fachbereichs Grün und Umwelt, gibt Entwarnung.

Unter PFT verstehen Chemiker perfluorierte organische Tenside. Das sind giftige, krebsverdächtigc Substanzen, die sich nicht biologisch abbauen lassen, aber schon weltweit im menschlichen Gewebe, im Blut und in der Muttermilch nachgewiesen werden. Im Möhnesee sind extrem hohe PFT-Werte nachgewiesen worden.

Inzwischen ist bekannt, dass Abwasserklärschlämme aus Belgien von einer Paderborner Firma mit Kalk vermischt als Dünger an die Landwirtschaft abgegeben wurden. Der Geschäftsführer des Unternehmens sitzt in Untersuchungshaft. Und die verseuchten Äcker sollen nun ausgekoffert werden, damit das Gift nicht in tiefere Bodenschichten und ins Grundwasser einsickert. Mit großen Aktivkohlefiltern lassen sich die Chemikalien zwar aus dem Wasser filtern, allerdings unter einem sehr hohen Aufwand.

Theoretisch könnte solch problematischer Dünger auch nach Osnabrück gelangt sein. Praktisch eher nicht, meint Fachbereichsleiter Detlef Geräts, nachdem er bei den zuständigen Stellen recherchiert hat. Die Landwirtschaftskamrner hält es für unwahrscheinlich, dass Landwirte aus Stadt oder Landkreis Osnabrück den Dünger aus Paderborn bezogen haben. Schließlich gebe es hier einen solchen Gülleüberschuss, dass das Zeug in andere Regionen transportiert werde.

Der Landwirtschaftskammer ist aber auch bekannt, dass der Bruder des mittlerweile inhaftierten Geschäftsführers vor wenigen Jahren versucht haben soll, Düngekalk im Südkreis Osnabrück an Landwirte zu verkaufen. Nach einer Untersuchung im Hinblick auf die Düngeeigenschaften habe die Landwirtschaftskammer aber von der Verwendung abgeraten, erklärte Dr. Heinrich Miesner, der stellvertretende Leiter der Kammer, gegenüber unserer Zeitung.

Keine Gefahr sehen die Stadtwerke Osnabrück. Zum einen, weil das Trinkwasser hier im Gegensatz zu bestimmten Regionen in Nordrhein-Westfalen aus tieferen Bodenschichten gewonnen werde, sagt Pressesprecher Marco Hörmeyer. Selbst wenn es an der Oberfläche Verunreinigungen geben sollte, gelangten diese erst nach vielen Jahren in die tieferen Zonen. Zum anderen gebe es aber keinen einzigen Hinweis auf die Verwendung problematischer Düngerzusätze in den Trinkwassergewinnungsgebieten.

Marco Hörmeyer wartet mit einer weiteren beruhigenden Nachricht auf: Die Membranfilteranlage, die seit zwei Jahren im Wasserwerk Düstrup arbeitet, hält nicht nur Kalk zurück, sondern auch Giftstoffe wie PFT. Osnabrück kann also aufatmen und hoffen, dass die Region vom PFT-Alarm verschont bleibt. Am 22. März findet in Osnabrück eine Fachtagung statt, in der das Thema breit diskutiert werden soll. Das Thema heißt: " Wasser - nur H2O? Chemiecocktail im Trinkwasser".

Zur Sache: PFT

Perfluorierte Tenside gelten als langlebige organische Schadstoffe, da sie in der Natur nur minimal abgebaut werden. Chemikalien dieser Gruppe sind inzwischen weltweit verbreitet und wurden schon in Leberproben von Eisbären nachgewiesen. PFT-Verbindungen werden hauptsachlich in der Textilindustrie zur Herstellung atmungsaktiver Jacken und in der Papierindustrie verwendet. Auch in der Fotoindustrie, bei der Herstellung von Feuerlöschmitteln, für die Luftfahrt und die Verchromung werden perfluorierte Tenside verwendet. Diese Substanzen sind für Menschen und Tiere giftig. Im Körper lagern sie sich im Blut und im Organgewebe ab. Im Körper werden sie nur sehr langsam abgebaut (in 4, 5 Jahren etwa um die Hälfte).

Im März 2006 wurden bei einer Studie des Instituts für Hygiene und öffentliche Gesundheit in Bonn zum Vorkommen von PFT in unterschiedlichen Oberflächenwässern in Deutschland erhöhte Konzentrationen in der Ruhr und anschließend auch in der Mohne nachgewiesen. Im Stadtteil Arnsberg-Neheim wurde im Trinkwasser eine Konzentration von 0, 56 Mikrogramm pro Liter gefunden, die Trinkwasserkommission des Umweltbundesamts strebt einen Wert von 0.1 Mikrogramm pro Liter an. Verursacht wurde die Belastung durch Dünger, der mit Industrieabfällen angereichert war.

Fotountertitel

Eine Wasserprobe aus dem Möhnesee wird im Labor auf PFT untersucht. In Osnabrück und Umgebung ist das Gift bislang nicht aufgetaucht.

Foto: ddp
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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