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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
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Überschrift:
Der Winter ist schon 14 Tage kürzer
Zwischenüberschrift:
So zeigt sich der Klimawandel
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Von Rainer Lahmann-Lammert

OSNABRÜCK.

In Osnabrück ist der Winter schon 14 Tage kürzer geworden. Der Sommer kommt eine Woche früher als im langjährigen Schnitt. Alle sprechen vom Klimawandel, an den Pflanzen der Region lässt er sich ablesen. Helene Feldkamp aus Pye gehört zu den Beobachtern, die dem Deutschen Wetterdienst ihre Daten liefern.

Helene Feldkamp ist ehrenamtliche Phänologin. Jeden Tag fährt sie mit dem Rad ihre Route zwischen Pye und Lechtingen ab, um die Veränderungen in der Natur zu dokumentieren. Wann blüht der Huflattich, der Wiesen-Fuchsschwanz, die Hundsrose? Wann schiebt der Hafer seine Rispen, bildet die Sonnenblume ihre 5 Knospen, ist die Johannisbeere pflückreif? Wann entfalten sich die Blätter der Eberesche? Und wann beginnt sich das Laub der Stieleiche zu verfärben?

Der Meldebogen für den Wetterdienst listet 200 Wildpflanzen, Forst- und Ziergehölze, aber auch Obstbäume und Getreidesorten auf. Übrigens auch Zuckerrüben und verschiedene Weinsorten wie Scheurebe und Müller-Thurgau. Die gibt es nicht in Helene Feldkamps Bezirk. Aber der Bogen ist nun einmal überall gleich. Und wer weiß, vielleicht wird ja demnächst sogar Riesling am Piesberg angebaut. Die steigenden Temperaturen machen das gar nicht so unwahrscheinlich.

" Der Flieder hält tapfer dem Mai die Treue", Helene Feldkamp, Phänologin

Wenn die Phänologin aus Pye ihre Tagebücher vergleicht, fallen ihr keine spektakulären Brüche auf, aber viele Phasenverschiebungen, die auf leisen Sohlen daherkommen. Zum Beispiel die Wintergerste, die ihre Sprossen zwei Wochen früher als gewohnt zeigt. Oder der schwarze Holunder, der im Schnitt drei Wochen früher reif ist. Die Haselkätzchen haben in diesem Jahr sogar vier Wochen vor dem gewohnten Zeitpunkt zu blühen angefangen. Das kann eine Momentaufnahme sein, wie Helene Feldkamp meint, aber der Trend zur Verfrühung lässt sich nicht übersehen. Sehr deutlich zeigt das auch die Forsythienblüte, die sich vom März in den Februar vorgedrängelt hat um glatte drei Wochen.

Es gibt aber auch Pflanzen, die sich standhaft der allgemeinen Phasenverschiebung widersetzen. Da fällt Helene Feldkamp als Erstes der Flieder ein, der tapfer dem Mai die Treue hält. Unbeeindruckt vom globalen Klimawandel geben sich auch die Kiefer und die Fichte: Mit ihrem Mai trieb beginnen sie tatsächlich Anfang bis Mitte Mai und nicht etwa im April, wie die Phänologin beobachtet hat. Sie notiert akkurat, wann die feinen Häutchen über den Nadeln platzen.

Für ihre ehrenamtliche Aufgabe braucht Helene Feldkamp exzellente Pflanzenkenntnisse. Die hat sie von ihrem Vater Kurt Junemann geerbt, dem früheren Schulleiter in Lechtingen.

Und dir ehrenamtliche Aufgabe für den Wetterdienst gleich dazu. Schon 1962, vor ihrem Abitur, radelte sie Tag für Tag los, um auf einer festgelegten Runde die Veränderungen an Blüten, Ähren oder Beeren im phänologischen Tagebuch ihres Vaters zu notieren.

Vor 30 Jahren, da wohnte sie schon in Pye und unterrichtete dort selber an der Grundschule, übernahm Helene Feldkamp die Aufgabe offiziell. Jetzt ist sie 65 und gerade in Pension gegangen. In ihrem Revier wissen viele von ihrer Mission. Oft bekommt sie auch Hinweise auf einen blühenden Strauch oder auf die ersten Schmetterlinge, die unterwegs sind.

Darf jemand, der so ein festes Programm zu absolvieren hat, eigentlich in Urlaub fahren? Helene Feldkamp darf. Sie hat Unterstützung, wenn es darauf ankommt. Vor allem von einigen Landwirten, die sich in ihrer Anwesenheit als Hilfsphänologen betätigen.

Zur Sache: Phänologie

Die Phänologie befasst sich mit dem Jahresablauf periodisch wiederkehrender Naturerscheinungen. Für den Deutschen Wetterdienst arbeiten bundesweit etwafr 1600 Phänologen. Ihre Beobachtungen an den Pflanzen notieren sie in einem Tagebuch und in einem Meldebogen, der einmal im Jahr nach Offenbach geschickt und dort ausgewertet wird. Dabei wird der Beginn einer phänologischen Jahreszeit durch eine " Leitphase" fixiert. In einer Grafik lässt sich das Jahr in phänologische Phasen aufgliedern. Klimaforscher sprechen von einer " phänologischen Uhr". Durch eine doppelte Uhr lassen sich auch zeitliche Verschiebungen darstellen.

Vier Wochen früher als im langjährigen Schnitt: Die Haselkätzchen haben schon im Januar zu blühen angefangen. Helene Feldkamp notiert solche Beobachtungen in ihrem phänologischen Tagebuch. Foto: Michael Hehmann

Die phänologische Uhr für das Revier von Helene Feldkamp in Lechtingen. Hier handelt es sich um Durchschnittswerte, bezogen auf den Zeitraum von 1976 bis 2005.

Die Jahreszeiten verschieben sich: Das lässt dieser Vergleich für den Landkreis Osnabrück erkennen. Außen der Zeitraum 1961 bis 1990 (innen 1991 bis

2005. Grafik: Deutscher Wetterdienst
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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