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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Expedition ins Erdreich
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Mögliche Schadstoffbelastung am Richterskamp wird untersucht - "Keine Gefahr" // Altlasten: Ein Gesetz regelt, wann was zu prüfen ist
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Expedition ins Erdreich

Mögliche Schadstoffbelastung am Richterskamp wird untersucht - " Keine Gefahr"

Von Jens Buchkremer

OSNABRÜCK. Experten für Altlastenuntersuchungen nehmen in den kommenden Monaten das Wohngebiet am Richterskamp unter die Lupe. Erste Bohrungen haben ergeben, dass tiefe Erdschichten mit Schadstoffen belastet sind. Jetzt soll geklärt werden, ob auch im oberen Boden erhöhte Konzentrationen auftreten.

Die Stadtverwaltung geht nicht davon aus, dass die obere Bodenschicht belastet ist. Daher sagt Oberbürgermeister Boris Pistorius: " Es besteht nach jetzigem Stand der Dinge keine Gefahr für irgendjemanden." Letzte Gewissheit sollen bis zum Sommer dieses Jahres weitere Untersuchungen bringen.

Das erklärten der Oberbürgermeister und Mitarbeiter aus dem Fachbereich Umwelt auch den Eigentümern der rund 30 Grundstücke am Richterskamp gestern Abend bei einer Bürgerversammlung. Die Stadtverwaltung will mit dem Thema offen umgehen und das Prüfverfahren transparent gestalten - ähnlich dem Altlasten-Projekt in der Wüste. Der Richterskamp hat allerdings viel kleinere Dimensionen.

Seit Mitte der 90er Jahre nehmen die Experten aus der Stadtverwaltung die rund 125 Altablagerungen im Stadtgebiet nach und nach unter die Lupe und prüfen, ob die Gebiete saniert werden müssen. Rund zwei Drittel sind bislang nach einem gesetzlich vorgeschriebenen Schema untersucht worden. Auch für den Richterskamp wurden zunächst alte Karten und Luftbilder ausgewertet sowie Zeitzeugen befragt. Das Ergebnis: Zwischen den Straßen Mittagskamp, Ernst-Sievers-Straße und Kurt-Schumacher-Damm wurde auf rund zwei Hektar Fläche bis in die 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts Sand abgebaut. Im vierten Jahrzehnt wurde die Grube mit Asche, Schlacken, Bauschutt und Hausmüll aufgefüllt. Erste Probebohrungen in bis zu sieben Meter Tiefe ergaben, dass dort Schadstoffe in erhöhter Konzentration zu finden sind: Blei, Kupfer, Zink und auch das Krebs erregende Benzo-a-pyren. letzteres entsteht bei Verbrennungen und taucht auch in Zigaretten und verkohltem Fleisch auf.

Bei den Untersuchungen, die jetzt anstehen, geht es um die obere, rund 60 Zentimeter tiefe Erdschicht - also den Boden, in dem Kinder beim Spielen buddeln und in den Hobbygärtner ihre Pflanzen setzen. Aus dieser Schicht werden Proben genommen, und zwar auf den privaten Grundstücken, auf der Grünfläche am Richterskamp und auf dem Gelände der Rückert- und Elisabethschule. Die liegt zwar nicht über der ursprünglichen Sandgrube. " Wir wollen aber auch da absolute Sicherheit haben", erläutert Boris Pistorius. Die Kosten für die Bohrungen und die chemische Untersuchung trägt die Stadt, über die Ergebnisse informiert sie die Anwohner.

Dass wegen der Altlasten das Grundwasser belastet ist, hält Karsten Timmermann vom Fachbereich Umwelt " für ausgeschlossen".

Altlasten: Ein Gesetz regelt, wann was zu prüfen ist

Nahezu alles ist in Deutschland gesetzlich geregelt - der Umgang mit Altlasten macht da keine Ausnahme. Das Bundesbodenschutzgesetz und eine gleichnamige Verordnung regeln alles detailliert. Ehe überhaupt ein Bohrer ins Erdreich dringt, prüfen Experten erst einmal anhand alter Dokumente, ob ein Gelände möglicherweise eine Altlast ist. Kann nach dieser " historischen Recherche" der Verdacht nicht ausgeräumt werden, stehen " orientierende Untersuchungen" an. Liefern auch diese Anhaltspunkte für eine Belastung, kommt es zu einer Detailuntersuchung. Eben diese steht jetzt für den Richterskamp an. Am Ende ist eine Sanierung möglich, sofern die Belastung zu hoch ist.
Für die Altlast in der Wüste läuft eine solche Sanierung derzeit, sie dauert bis zum Frühjahr 2008. Von 218 Wohngrundstücken, die einzeln überprüft worden waren, stand letztlich auf 86 eine Sanierung bis hin zum Bodenaustausch an.

Was steckt drin in der Erde? Das will die Stadt für das Wohngebiet Richterskamp jetzt ganz genau wissen. Die obere Bodenschicht könnte mit Schadstoffen belastet sein. Wahrscheinlich ist sie das aber nicht.
Foto: Klaus Lindemann
Autor:
Jens Buchkremer


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