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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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4394 Wohnhäuser - die ganze Stadt
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Im November 1906 fiel die Entscheidung, welche Straßen gepflastert werden sollten
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Originaltext:
4394 Wohnhäuser - die ganze Stadt

Im November 1906 fiel die Entscheidung, welche Straßen gepflastert werden sollten

Von Christiana Keller

OSNABRÜCK. Die Stadt war im Aufbruch im November vor 100 Jahren, Überall wurde gebaut und gegraben. Fabriken und Anbauten aller Art entstanden, vor allem wurden Häuser errichtet, die der wachsenden Bevölkerung Wohnraum bieten sollten.

Auf einer Freifläche hinter der " Langewand" und dem Schlachthof bereiteten rege Geister vom Eislaufverein bereits im November die kommende Saison vor. Sie setzten die angemietete Fläche unter Wasser und hofften auf reichlich Frost. Die Lange Wand gibt es noch heute. Es handelt sich um die Kastanienallee, die von der Knollstraße in die Gartlage führt.

Die Volkszählung war nach fast einem Jahr so weit ausgezählt, dass sie auch mit ihren Details in der Tageszeitung Erwähnung fand. In Osnabrück gab es demnach 4394 bewohnte und 96 unbewohnte Häuser. 25 andere Haushaltungen galten statistisch als " sonstige bewohnte Baulichkeiten": Das waren Hütten, Zelte, Zirkuswagen und Schiffe.
11763 Haushaltungen wurden von zwei und mehr Personen bewohnt. Aber auch über die damaligen Singles gab die Zählung Auskunft. " Einzeln wohnende männliche Personen in eigenem Haushalt" gab es 236, demgegenüber lebten insgesamt 600 Frauen allein in ihren Wohnungen. Gasthöfe und Herbergen mit einlogierten Gästen schlugen mit 29 zu Buche, und das Schlusslicht der Wohnstätten in der Hasestadt bildeten 25 " Anstalten aller Art."

Neue Pflasterung
In einer Novembersitzung der städtischen Kollegien wurde festgelegt, welche Straßen im kommenden Jahr 1907 erstmalig eine Pflasterung bekommen sollten. Die Friedrichstraße mit einem ersten Abschnitt stand auf dem Plan, ebenso der Belfortplatz, die Parkstraße zwischen Jahnstraße und Schnatgang, die Klöntrupstraße und ein Teil der Meller Straße.

Durchgang kam später
Die damalige Mittelstraße verlief zwischen Iburger und Teutoburger Straße und sollte " offen gelegt werden", eine Enteignung der letzten sich weigernden Anlieger stand kurz bevor. 1906 konnte man noch nicht von der Iburger zur Meller Straße durchgehen oder - fahren. Später wurde diese Verbindung in der Neustadt dann in Miquelstraße umbenannt.

Vor 100 Jahren

Für die ärmere Bevölkerung der Stadt gab es seit Jahren Bildungs- und Vergnügungsabende. Im November lud der Trägerverein zu einem volkstümlichen Vortragszyklus von Ludwig Hoffmeyer ein, der über die Geschichte der Stadt Osnabrück referierte. Alle Plätze im Saal waren besetzt, so sehr interessierte sich das Publikum für das Thema, Hoffmeyer berichtete aus dem Mittelalter, von Gräben, Stadtmauer und Schutzmaßnahmen.

Abschied vom Mittelalter
Die Geschichte der so genannten " Entfestigung" der Stadt seit 1800 war ein weiterer Höhepunkt des Abends. Hoffmeyer brachte in Erinnerung, dass das Herrenteichstor 1801 abgerissen wurde, das Johannistor 1810, das Heger Tor 1816, welches durch die Stiftung Gülich als Triumphbogen wieder neu erstand. 1817 entfernte man das alte Tor am Neumarkt, das den beliebten " Janup" enthalten hatte, den man nun an das Hasetor versetzte. 1853 wurde auch dieses Tor abgebrochen, 1842 das Innere Johannistor, ebenso der Wall am Hasetor, 1854 musste die Bastion neben der Vitischanze der Eisenbahn Platz machen. Schließlich wurde 1872 bis 76 der Kaiservvall abgetragen.

Alte Kunst neu gemacht
Der Dürerbund veranstaltete eine Ausstellung über kirchliche Kunst der Gegenwart von 1906. Die Bildhauer Memken, Seling und Wulfertange waren mit zahlreichen Werken vertreten, die neuere Goldschmiedekunst durch Meister Dunstheimer, dessen Haupttätigkeit in der Schaffung von Repliken der " alten" Kunst bestand.
Auch zeitgenössische Paramente aus den klösterlichen Werkstätten der Stadt und des Umlandes präsentierte die Ausstellung. Das Fazit der Ausstellungsleitung lautete stolz: " Die heimische Kunst tut es dem Besten aus der Fremde gleich."

Das Kriegerwaisenhaus an der Knollstraße zeigt diese Ansichtskarte von 1908. Im Vordergrund die Langewand. In der Nähe setzte der Eislaufverein vor 100 Jahren eine Wiese unter Wasser und hoffte auf Frost. Aus dem Kriegerwaisenhaus wurden später die Karl-Luhmann-Heime für Hörgeschädigte.
Autor:
Christiana Keller


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