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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Gymnasium für die Zukunft
Zwischenüberschrift:
Oktober 1906: Das Ratsgymnasium am neuen Standort
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Von Christiana Keller

OSNABRÜCK. Vor 100 Jahren zog das Ratsgymnasium vom Domhof zum Kronprinzenwall. So hieß der heutige Schlosswall damals.

Im Osnabrücker Tageblatt widmete man dem Ratsgymnasium um den 30. Oktober herum viele Zeitungsspalten. Im alten Gebäude, wo heute das Theater steht, hatte das Gymnasium seit 1817 seinen Platz gehabt, nun zogen Schüler und Lehrer um. Am Umzugstag fand frühmorgens eine Begrüßung im Hotel Schaumburg statt, dann folgte ein festlicher Aufmarsch vom alten Schulhaus am Domhof zum neuen Gebäude an der Klubstraße. Den Honoratioren und Festteilnehmern voran schritt die Schülerkapelle des Ratsgymnasiums. Stadtbaurat Friedrich Lehmann, der Architekt der neuen Schule, überreichte Bürgermeister Rißmüller den symbolischen Schlüssel, der ihn an Direktor Knoke weitergab.

Lehmann hatte zu Ehren der Einweihung eine Festschrift verfasst, die einen kurzen Abriss der Geschichte der Schule enthielt, aber vor allem auch alle wissenswerten Daten und Fakten über den Neubau. Insgesamt schlug das Gebäude samt Grundstück mit 431300 Mark zu Buche

Auch aus Hannover und Berlin saßen Politiker im Festpublikum, dazu die Direktoren sämtlicher Osnabrücker Höheren Schulen beider Konfessionen. Nach den vielen Danksagungen und Reden folgte am Nachmittag ein festliches Mahl im Garten des Großen Klubs.

" Möge das Haus im Dienst edler Geistes- und Charakterbildung blühen und gedeihen"
Ein namentlich nicht genannter Festrednerers

Beim großen Komm für die ehemaligen Schüler und Freunde im Harnioniesaal lobten die Redner des Tages, dass sich das neue Ratsgymnasium nach außen ebenso stattlich wie würdig präsentiere, im Innern jedoch zeige es sich allen " Anforderungen der Neuzeit" gerecht. Keine Schule in Osnabrück war vor 100 Jahren " künstlerisch und ästhetisch so mustergültig eingerichtet".

" Bonis literis sacrum - möge das Haus im Dienst edler Geistes- und Charakterbildung auf lange Zeit blühen und gedeihen zum engeren und weiteren Nutzen des Vaterlandes", rief ein Festredner den vielen hundert Zuhörern zu.

Ab Oktober 1906 galten verschärfte Kontrollbestimmungen für alle Dienstboten in Stadt und Land: Sie hatten von diesem Zeitpunkt an ordentliche Dienstbücher zu führen, aus denen ihre Arbeitsstellen eindeutig hervorgingen. Wer Dienstboten anmietete, die kein Buch besaßen, machte sich strafbar und riskierte bei Zuwiderhandlungen bis zu drei Tage Gefängnis. Ausgabestelle der neuen Dienstbücher war die örtliche Polizeidirektion.

Vor 100 Jahren

Wie immer zum Winterhalbjahr boten Vereine und Verbände zahlreiche Vorträge und Fortbildungen an. Im Dürerbund rezitierte Detlev Freiherr von Liliencron aus seinen Werken. Der Dichter hatte in Osnabrück viele Bewunderer, das ließ sich an der ungewöhnlich hohen Besucherzahl ablesen.

Weitere sechs Vorträge für Herbst und Winter wurden schon jetzt annonciert, denn ihre Themen waren gesucht, und die Interessierten sollten sich schon früh Plätze sichern. Es handelte sich um wissenschaftliche Vorlesungen in Psychologie von Professor Geyser aus Münster, die im Vereinshaus stattfinden sollten. Der Professor dozierte über Bewusstsein und Seele, die Entwicklung des Seelenlebens und über Gefühl und Vorstellung.

Mit freiem Eintritt warb der Lehrerinnenverein um Besucherinnen, die in diesem Winter wieder Sonntagnachmittage gemeinsam verbringen wollten, " Unterhaltung für Frauen und Mädchen" nannten sich die Veranstaltungen in der Aula der Volksschule am Kronprinzenwall.

Die " Tentenburg vor dem Herrenteichsthore" wechselte im Oktober ihren Besitzer. Der neue Eigentümer Brockmann warb in der Tageszeitung um seine zukünftigen geneigten Gäste, die zahlreich zur frisch renovierten Traditionsgaststätte kommen sollten.

In neuem Licht erstrahlte auch St. Johann im Oktober 1906: Die Kirche bekam eine elektrische Lichtanlage mit 100 Glühbirnen.

Ende Oktober begann erneut der beliebte Herbstmarkt in Osnabrück. Zwischen Bramsche und Osnabrück wurden Sonderzüge bereitgestellt, um den Menschen aus dem Umland die Teilnahme zu ermöglichen. Karussells, Tunnelbahnen und Drehorgelspieler erfüllten die Stadt mit einem fröhlichen Lärmen.

Fotountertitel

Hauptsache modern: Das Ratsgymnasium verstand sich als fortschrittliche Schule. Vor 100 Jahren zog die Schule vom Domhof an den Kronprinzenwall. Modernität sollte auch das in die Ansichtskarte von 1913 retuschierte Auto vermitteln.
Autor:
Christiana Keller


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