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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
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Der fehlende Frost treibt seltsame Blüten
Zwischenüberschrift:
Das milde Winterwetter verwirrt die Pflanzenwelt
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Originaltext:
Der fehlende Frost treibt seltsame Blüten

Das milde Winterwetter verwirrt die Pflanzenwelt

Von Kerstin Wegener

OSNABRÜCK. Bäume und Pflanzen in Osnabrück verlieren langsam, aber sicher ihren tristen Anblick. Die Blüten treiben aus und erstrahlen in den schönsten Frühlingsfarben. Doch so angenehm dieser Anblick für das menschliche Auge ist, die Natur hat die Blüte nicht für den Wintermonat Januar eingeplant.

" Die Pflanzen sind verwirrt, sie denken, der Frühling hat bereits begonnen", erklärt Nikolai Friesen, Kurator beim Botanischen Garten der Universität Osnabrück, die momentan zu beobachtenden Phänomene der Blüten. Und genau darin besteht die Gefahr für die Pflanzen. Sie treiben schon jetzt aus.

Falls es dann in einigen Wochen noch einmal richtig kalt wird, " lässt der Spätfrost die jungen Blüten, beispielsweise von Forsythien, erfrieren, anschließend wird die Pflanze sich nur schwer wieder erholen", befürchtet Professor Herbert Hurka, Leiter des Botanischen Gartens. Die Pflanzen brauchen eine gewisse Kälte, entweder als lange Zeitspanne an sich oder als Frostzeit. Denn nur durch diese Phase vermehrt sich die Pflanze weiter, bildet Blüten und wächst.

" Die Pflanzen sind verwirrt Sie denken, der Frühling hat begonnen"

Nikolai Friesen, Botanischer Garten

So schädlich Väterchen Frost zum falschen Zeitpunkt für die Flora sein kann, unsere heimischen Pflanzen benötigen die knackig-kalten Temperaturen. " Ab Herbst bereiten sich Bäume und Blumen systematisch auf den Frost vor", so Hurka. Die im Sommer gesammelten Kräfte werden in der kalten Jahreszeit verbraucht. Besonders Gebirgspflanzen brauchen den Kälteschock, um später prächtige Blüten zu bilden. Falls es keinen Frost gibt, können nur wenige Pflanzen auf die veränderten Umstände reagieren, beispielsweise das Hirtentäschelkraut. Es fängt zwar immer noch an, Triebe zu bilden. " Aber durch den Frost wachsen die Pflanzen sehr viel schneller^, zeigt Hurka dieBedeutung des Frostes für die Pflanzenwelt auf.

Vor einigen Jahrzehnten mussten verschiedene Kohl-und Gemüsesorten wie Grün- und Rosenkohl die Frostphase noch durchleben. " Diese zieht die Bitterstoffe aus dem Gemüse und mobilisiert den Zuckergehalt", erläutert Burkhard Preckel von der Bioland-Regionalgruppe Osnabrück. Durch die Kälte wird der Pflanze Wasser entzogen, was ihr mehr Aroma verleiht. Optisch wirkt sie nicht mehr so frisch, schon fast schlapp, " aber Grünkohl isst man ja auch gekocht und nicht roh", so Preckel. Die Frostphase für Gemüse ist inzwischen nicht mehr notwendig, da das Ziel ein " vegetativer Spross" und nicht die Blüte sei. Dagegen brauchen Zwiebelgewächse wie Krokusse unbedingt die kalte Jahreszeit, damit sie sich weiter verbreiten können.

" Der Frost härtet die Pflanze ab, allerdings darf er nicht plötzlich kommen, sondern muss die Blume stufenweise auf die bevorstehende Kältephase vorbereiten", erklärt Nikolai Friesen. Er hofft darauf, dass in der nächsten Zeit die Temperaturen langsam zurückgehen.

Dieses Bild kennt man sonst nur aus dem Frühling: Der japanische Pfirsich steht im Botanischen Garten in voller Blüte.Fotos: Uwe Lewandowskl
Autor:
Kerstin Wegener


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