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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Das große Glück, einmal in die Röhre zu gucken
Zwischenüberschrift:
30 Leser stiegen gestern in den Tunnel unter der Lotter Straße
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück 140 wollten - 30 durften. Gestern stiegen die glücklichen Gewinner beim Exklusiv-Ortstermin in die Tiefe und besichtigten den Tunnel - sieben Meter unter der Lotter Straße. Begeistert kehrten sie 45 Minuten später zurück ans Tageslicht. Den Ortstermin hatte unsere Zeitung gemeinsam mit den Stadtwerken organisiert.

210 Meter haben die Bergleute von Echterhoff schon geschafft, 640 sollen es bis zum Sommer werden - von der Bergstraße bis zum Hans-Calmeyer-Platz. Durch den Stollen bauen die Stadtwerke die neuen Kanalrohre für Schmutz- und Regenwasser. Eine offene Baustelle hatte die Stadt abgelehnt, weil sie den Geschäften in der Lotter Straße und den Autofahrern die Unannehmlichkeiten einer Sperrung ersparen wollte. " Man hat viel von der Baustelle gehört, aber man sieht nichts. Da stellen sich viele Fragen", begründete Wilfried Schultz seine Neugierde. Er gehörte gestern zu den 15 Teilnehmern der Nachmittagsgruppe. Bauleiter Ansgar Joachimmeyer von den Stadtwerken beantwortete die vielen Fragen. Warum, zum Beispiel, soll der Tunnel nach Abschluss der Arbeiten Ende 2005 mit Leichtbeton verfüllt werden? Weil es sonst " ein bisschen gefährlich" werden könnte, wie der Bauleiter erklärte. Auf Dauer könne das Holz nachgeben, und dann könne es zu Absenkungen kommen. Mit dem Beton, der in alle Ritzen fließe, erspare man sich das. Im Übrigen lasse sich der leichte Beton auch später noch mit dem Spaten beiseite schaffen, wenn es mal sein müsse.

Die jeweils 15 Teilnehmer der beiden Führungen stiefelten munter bis zur Ortsbrust - so nennen die Bergleute das Ende des Stollens, das im Schnitt jede Woche um sieben Meter vorrückt. Am östlichen Ende, wo der Tunnel drei Meter hoch ist, wird mit einem kleinen Bagger gearbeitet, an der Westseite, wo die Röhre deutlich enger ist mit Schaufeln. Über ein Förderband und auf Loren gelangt der Abraum zum Schacht, wo die Fracht auf Lastwagen umgeladen wird.

Anke Grändorf, Anwohnerin der Herderstraße, erlebt das jeden Tag hautnah: " Der Bagger steht direkt unter meinem Fenster", sagt sie etwas genervt, " die arbeiten abends bis sieben Uhr und teilweise auch samstags." Gestern Morgen durfte sie in die Röhre gucken. Ein Einblick, der zum Verständnis beiträgt. Mit fachkundigem Blick sah sich ein anderer Teilnehmer im Stollen um: Karl John ist gelernter Bergmann. Von 1957 bis 1960 hat er im Ruhrgebiet unter Tage gearbeitet. Die bergmännische Baustelle unter der Lotter Straße zog den Zeitungsleser deshalb magisch an. Glück gehabt, Karl John wurde ausgelost.

Ebenso Marie-Luise Hackmann, die im Tunnel ihre Taschen mit Steinen füllte - " für meine Enkelkinder", die leider nicht mitdurften. Vor dem Abstieg über eine Senkrechte hatte sie ein bisschen Angst, aber am Ende war sie glücklich, dass sie dabei sein durfte. " Eine tolle Idee", strahlte Helga Schütte, als sie nach dem Trip in die Unterwelt wieder oben ankam. Sie wollte unbedingt wissen, wie Bergleute so arbeiten. " Toll, dass ich das mal gesehen habe", freute sich auch Eberhard Altemeyer am Ende der Tour. Und ein anderer Teilnehmer meinte zufrieden: " Man hat eine Perspektive gesehen, die außerhalb des alltäglichen Lebens liegt."

Warum ein Tunnel?

Weniger Sprit

3, 5 Millionen Euro kosten die Tiefbauarbeiten in der Lotter Straße. Ohne Tunnel wäre es nicht wesentlich billiger geworden, rechnet Bauleiter Ansgar Joachimmeyer von den Stadtwerken vor. Denn die volkswirtschaftlichen Kosten hätten sich sonst dramatisch erhöht. Zum einen die 56 Einzelhandelsgeschäfte: " Ich bin nicht sicher, dass jedes Geschäft eine Vollsperrung überlebt hätte", meint Joachimmeyer. Dann die Umleitung: Jede Fahrt drei km Umweg, macht bei täglich 17000 Fahrzeugen 18 Millionen km pro Jahr - und 1, 8 Millionen Liter Sprit. Dazu kommt noch, dass eine offene Baugrube den Abtransport von zusätzlichen 2200 Lkw-Ladungen Abraum erfordert hätte, wenn Joachimmeyers Rechnung stimmt.

WIE EIN El ist der Stollen geformt. Dieses Profil kann stärksten Belastungen standhalten und hat sich in der Natur bewährt. Fotos: Michael Hehmann

DIE TASCHEN im Tunnel mit Steinen gefüllt: Marie-Luise Hackmann.

DER BAGGER steht unter ihrem Fenster: Anke Grändorf kennt die Baustelle hautnah.

GROSS GENUG FÜR EINEN BAGGER ist die Röhre nur am östlichen Ende. An der anderen Seite wird mit der Hand gearbeitet.

DAS ENDE DER RÖHRE: Helga Schütte inspiziert die Erde in sieben Meter Tiefe unter der Lotter Straße.

GELERNTER BERGMANN: Karl John hat bis 1960 im Ruhrgebiet mter Tage gearbeitet.
Autor:
rll, tw


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