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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Hinter der hohen Mauer muhte die Klosterkuh
Zwischenüberschrift:
150 Jahre Benediktinerinnen in Osnabrück: Sie beten und arbeiten als Hostienbäckerinnen und Paramentenstickerinnen
Artikel:
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Originaltext:
Hinter der hohen Mauer muhte die Klosterkuh

150 Jahre Benediktinerinnen in Osnabrück: Sie beten und arbeiten als Hostienbäckerinnen und Paramentenstickerinnen

Osnabrück (swa)

Wer vom Erich-Maria-Remarque-Ring in den Hasetorwall einbiegt, übersieht leicht das zurückliegende Kloster Dort leben derzeit 16 Benediktinerinnen vom Heiligsten Sakrament. Vor 150 Jahren kam der Orden nach Osnabrück.

Am 8. Dezember 1854 wurde die erste Kapelle im Haus Kamp Nr. 5 eingeweiht. Als Benediktinerinnen sollten die Nonnen beten und arbeiten. Bis 1865 führten sie eine Mädchenschule mit Internat. Danach spezialisierten sie sich auf die Paramentenstickerei und Hostienbäckerei, die heute noch Haupteinnahmequellen des Klosters sind. Außerdem bauten sie Obst und Gemüse für den Eigenbedarf an. Bis in die 70er Jahre graste eine Kuh auf der Klosterwiese. Heute sind es noch ein paar Schafe eines Schäfers, die den Schwestern das Rasenmähen abnehmen.

Im so genannten Kulturkampf mussten die Osnabrücker Benediktinerinnen ihr Kloster am Neuen Graben Nr. 10 am 15. Oktober 1875 räumen. Sie gingen ins Exil ins holländische Oldenzaal. Der Kontakt nach Osnabrück bestand weiter. Erst über 20 Jahre später konnten sie nach dem Ende des Kulturkampfes 1898 zurückkehren. Am Kaiserwall (seit 1958 Hasetorwall) entstand auf der so genannten Nobbenburg das neue Klostergebäude nach den Bauplänen des Bildhauers Heinrich Seling. Er und die Geschwister Siebenbürgen stifteten den Baugrund.

Die wirtschaftlich schwierigen Jahre des Ersten Weltkriegs und der Weimarer Republik überstanden die Schwestern durch die materielle Unterstützung der Bevölkerung. Zu den Förderern gehörte unter anderen Maria Windthorst, Tochter des bekannten Zentrumspolitikers.

Aber auch das Kloster half, wo es konnte. So nahm es im Jahr der Ruhrbesetzung 1923 von dort vertriebene Familien auf. In der Zeit des Nationalsozialismus blieb auch die auf 62 Schwestern angewachsene Gemeinschaft nicht von den Repressalien des Staates gegen die Kirche verschont. Ebenso wie andere Klöster fürchteten die Benediktinerinnen um die Aufhebung ihres Klosters. Das verhinderte der damalige Standortpfarrer im Nebenamt, Dr. Christian Dolfen. Durch seine Vermittlung wurde im Kloster eine Verbandsmittelabteilung des Wehrkreis-Sanitätsparks VI eingerichtet. Die militärische Nutzung verhinderte den Zugriff der Gestapo. Das Klosterleben am Gärtnerwall, wie der Kaiserwall seit 1933 hieß, wurde fortgesetzt.

Schwestern starben bei Bombenangriff

Neue Gefahren brachten die Luftangriffe auf Osnabrück. Die Nähe des Klostergebäudes zur Eisenbahn verschärfte die Situation. Bei einem Fliegerangriff am 13. September 1944 stürzten Teile des Klosters ein. Drei Schwestern starben unter den Trümmern. Notdürftig teilte sich der Konvent die noch bewohnbaren Räume. Im April 1945 begannen die Aufräumarbeiten.

Im Mai 1946 wurde das während des Krieges geschlossene Noviziat wieder eröffnet und eine Bewerberin aufgenommen. Dennoch sank die Zahl der Mitglieder. Daran änderte auch die Aufbruchstimmung nichts, die das Zweite Vatikanische Konzil auslöste. Die Schwestern erneuerten ihre Lebensweise: Mehrere Frauen traten seitdem der Gemeinschaft bei. Das Kloster bietet zum Beispiel seit 1992 Frauen an, Tage der Einkehr im Kloster zu verbringen. Hier finden - unabhängig von der Konfession - vor allem Frauen einen Ansprechpartner, die sich mit religiösen Fragen auseinander setzen wollen.

Zudem griffen die Benediktinerinnen einen klösterlichen Brauch auf. An der Pforte versorgen sie Bedürftige mit Lebensmitteln. Die " Osnabrücker Tafel", eine Bäckerei und andere Helfer tragen dazu bei, dass keiner leer ausgeht.

Über die Geschichte des Klosters informiert das jüngst erschienene Buch " Frauen mit Geschichte. Die deutschsprachigen Klöster der Benediktinerinnen vom Heiligsten Sakrament, Marcel Albert, St. Ottilien EOS-Verlag, 2004". Außerdem zeigen die Schwestern eine kleine Ausstellung im Hause, geöffnet täglich 9 bis 13 Uhr und 14 bis 17 Uhr (an der Klosterpforte melden).

Drei Fragen

Offenheit

Osnabrück (swa)
Priorin Schwester Angelica Schmidt lebt seit 43 Jahren im Benediktinerinnenkloster in Osnabrück.

Wie hat sich das Klosterleben seit den 60er Jahren gewandelt?

Schwester Angelica: Das Leben im Kloster hat sich spürbar gewandelt. Der Umgang miteinander im klösterlichen Alltag und mit der Außenwelt ist offener geworden. So haben wir heute einen Gästetrakt, wo Frauen die Möglichkeit haben, an unserem Leben in Form von " Kloster auf Zeit" teilzunehmen. So etwas gab es früher nicht. Der Außenkontakt wird nun nicht mehr allein von den Pfortenschwestern besorgt, sondern bei Notwendigkeit von der betreffenden Schwester, um deren Bereich es sich handelt. Zum Beispiel geht die Ökonomin selbst zu den Ämtern. Wir verlassen allerdings auch heute das Kloster immer nur zu wichtigen Anlässen.

Was suchen die Frauen im " Kloster auf Zeit"? Schwester Angelica: Es kommen Frauen im Alter von 18 bis 50 Jahren aus allen Berufsgruppen. Sie suchen Stille und einen Raum, wo sie neu zu Gott und sich selbst finden können.

Wie entwickelt sich das Interesse junger Frauen, dem Orden beizutreten?
Schwester Angelica: Wir nehmen wachsendes Interesse wahr. Da jedoch bei vielen im Gegensatz zu früher die religiöse Grundlage fehlt, brauchen sie lange, um sich für diesen Weg zu entscheiden und auch durchzuhalten. Wie auch sonst in der Gesellschaft, so trifft man auch hier auf Bindungsangst.

Priorin Schwester Angelica

HEUERNTE IM KLOSTERGARTEN: Gartenbau und Viehwirtschaft zur Selbstversorgung gehörten bis in die 70er Jahre zum Klosterleben der Osnabrücker Benediktinerinnen. Außerdem bringt die Paramentenstickerei Geld in die Klosterkasse.

OBLATENBACKEN war immer eine wichtige Einnahmequelle für das Kloster. Heute nutzen die Nonnen modernere Technik.

SCHWERPUNKTARBEIT: Garten-Schwester Christina in den 60er Jahren. Sie weißelte in der kalten Jahreszeit regelmäßig die Räume, wenn es im Garten nichts zu tun gab.
Autor:
swa


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