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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Damit die Nette in ihrem schmalen Flussbett bleibt
Zwischenüberschrift:
Planungen für einen verbesserten Hochwasserschutz in Haste und Rulle beginnen - Überflutungen im Oktober 1998
Artikel:
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Originaltext:
Damit die Nette in ihrem schmalen Flussbett bleibt

Planungen für einen verbesserten Hochwasserschutz in Haste und Rulle beginnen - Überflutungen im Oktober 1998

Von Holger Jansing

Haste/ Rulle
Wer hätte das damals für möglich gehalten? Dass die Nette, die sonst so beschaulich durch die Landschaft plätschert, plötzlich zu einem reißenden Strom wird. Wetterexperten nennen das, was vor sieben Jahren und drei Monaten geschah, ein Jahrhundertereignis. Jetzt beginnen die Planungen für einen vorbeugenden Hochwasserschutz zwischen Haste und Rulle.

Rückblende: Oktober 1998. Seit Tagen hatte es immer wieder stark geregnet, die Gewässer waren randvoll. Dann, in der Nacht zum 28., gab es einen stundenlangen Wolkenbruch. Die Nette trat über die Ufer, überflutete Wiesen und Gärten. Zahlreiche Keller standen unter Wasser, Straßen waren unpassierbar. Es entstand hoher Sachschaden.

Der Kollaps der Flüsse und Bäche, der in dieser Form statistisch gesehen nur alle 100 Jahre stattfindet, sich theoretisch aber jederzeit ereignen kann, hat den Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz in Cloppenburg veranlasst, über bessere Schutzmaßnahmen in der Region nachzudenken. Die Hase ist bereits von der Quelle bis Quakenbrück abgearbeitet, jetzt ist als eines der Seitengewässer die Nette an der Reihe. Die Vermessungsarbeiten haben in dieser Woche begonnen. Ingenieure nehmen den Flusslauf auf einer Länge von rund zwölf Kilometern unter die Lupe, und zwar von der Einmündung in die Hase im Osnabrücker Stadtteil Hafen bis nach Rulle, wo die Nette aus dem Zusammenfluss mehrerer Bäche entsteht (unter anderem Bruchbach, Ruller Flut und Lechtinger Bach). Die Fachleute untersuchen die Fließgeschwindigkeit, ermitteln das genaue Gewässerprofil und schauen sich dabei vor allem die Nadelöhre an den Brücken und Mühlenwehren an. Letztlich wollen sie herausfinden, wie viel Wasser das schmale Flussbett maximal aufnehmen kann.

Mit Blick auf den Jahrhundertregen und die besonderen Umstände im Oktober 1998 steht schon jetzt fest, dass an verschiedenen Stellen etwas geschehen wird. Dafür gebe es keine Patentrezepte, sagt Georg Lucks von der Cloppenburger Wasserwirtschaftsbehörde. Dass Wiesen in Niederungen überflutet werden, sei kein Problem, im Gegenteil sogar wünschenswert. Aber Wohnhäuser und andere Bauwerke müssten geschützt werden. In Rulle grenzen Siedlungen direkt an die Nette. Denkbar sei es auf diesen Abschnitten kleine Deiche oder Wälle zu errichten oder neue Überschwemmungsflächen und Rückhaltebecken anzulegen. Erste Ergebnisse sollen im Frühjahr vorgestellt werden.

Für die Hase und ihre Nebenflüsse waren zum letzten Mal in den Jahren 1903 bis 1914 Überschwemmungsgebiete ausgewiesen worden. Seitdem hat sich auch zwischen Haste und Rulle viel verändert. Immer mehr Flächen wurden bebaut, dadurch versickert immer weniger Wasser an Ort und Stelle und läuft ungehindert in die Bäche und schließlich in die Nette. Auf dem letzten Stück vor der Einmündung in die Hase wurde sie 1937 rigoros begradigt und kanalisiert, das alte Bett zugeschüttet. Aus Sicht des Natur- und Hochwasserschutzes haben sich solche Flussregulierungen inzwischen als falsch herausgestellt. Auch die Nette wurde in den vergangenen Jahren entlang der Römereschstraße und in Haste an verschiedenen Stellen renaturiert. Entstanden ist eine Auenlandschaft mit Altarmen und kleinen Tümpeln.

NACH DEM UNWETTER: Am 28. Oktober 1998 war das Nettetal zwischen Haste und Rulle überflutet (wie hier am Östringer Weg, aufgenommen von der Klosterbrücke). Archiv-Foto: Martens

BESCHAULICHES PLÄTSCHERN: Normalerweise geht von der Nette keine Überschwemmungsgefahr aus (Blick ebenfalls von der Klosterbrücke Richtung Haste).
Foto: Michael Hehmann

LAND UNTER: In der historischen Mühle am Gasthaus Knollmeyer stand das Wasser nach den Wolkenbrüchen vor gut sieben Jahren eineinhalb Meter hoch. Archiv-Foto: Martens

NEUES BETT: An der Römereschstraße wurde die Nette 1937 begradigt (Blick Richtung Nordwesten). Für die Straßen im Hafengebiet wurden Betonbrücken errichtet. Archiv-Foto: Fricke
Autor:
Holger Jansing


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