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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Bekommt das Mausohr seine Schutzgebiete?
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Schock und Frohlocken im Landkreis
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Bekommt das Mausohr seine Schutzgebiete?

Schock und Frohlocken im Landkreis

Osnabrück ra

Die Grünen frohlocken, die Waldbesitzer sind schockiert: Große Freude, aber auch Skepsis bis hin zur Ankündigung juristischer Konsequenzen haben gestern im Osnabrücker Land den Tag vor der Entscheidung im Niedersächsischen Landeskabinett über die Nachmeldung neuer Schutzgebiete nach der EU-Richtlinie Flora Fauna Habitat (FFH) geprägt.

" Glückwunsch zum neuen Schatz", meinte beispielsweise der Wallenhorster Kreistagsabgeordnete Thomas Langhorst aus der Grünen-Fraktion. Er zeigte sich erfreut, dass " wertvolle Gebiete im Landkreis Osnabrück ein europäisches Gütesiegel bekommen könnten".

Mit einem FFH-Gebiet vor den Toren der Stadt Osnabrück werde das Naherholungsgebiet an der Nette weiter aufgewertet. Kein Verständnis zeigte Langhorst für die Möglichkeit, dass die derzeitige Landkreisspitze das FFH-Gebiet verhindern wolle. " Wer dieses Geschenk nicht annimmt, sondern im Gegenteil durch eine überflüssige Autobahn zerstören will, ist von allen guten Geistern verlassen", entrüstete sich der parteilose Abgeordnete.

Ganz anders reagierte Joachim Kellermann von Schele auf die mögliche Ausweisung neuer FFH-Schutzgebiete auch im Bereich von Bissendorf. " Wir sind aus allen Wolken gefallen", sagte der Vorsitzende der Waldschutzgenossenschaft Schledehausen, der erst am vergangenen Freitag von den Naturschutzplänen erfahren hat: " Wir hatten keinerlei Voranfrage und keine Eigentümerbeteiligung." Die Vereinigung von Forstwirten ist zuständig für rund 1100 Hektar Wald, von denen etwa 60 bis 70 Hektar wegen der Buchenwaldbestände und seltener Fledermausarten zum FFH-Gebiet erklärt werden könnten.

Obwohl Kellermann von Schele die genauen Nutzungseinschränkungen noch nicht bekannt sind, geht er von massiven Beeinträchtigungen für die Forstwirtschaft aus. Zu rechnen sei deshalb auch mit einer erheblichen finanziellen Abwertung der betroffenen Gebiete. Gegen die Anwendung der EU - Richtlinie sprechen nach Ansicht der Waldschutzgenossenschaft aber vor allem fachliche Gründe. Tatsächlich schutzwürdige Verhältnisse können die Waldbesitzer in ihren Revieren nach eigenen Angaben nämlich nicht erkennen. Die Landesregierung stütze sich bei ihrer für heute geplanten Entscheidung offenbar nicht auf die tatsächlich vorhandenen Verhältnisse. Juristische Konsequenzen gegen eine Ausweisung zum FFH-Gebiet sind für Kellermann von Schele quasi programmiert. Nur eins ist noch unklar: Ob sich die Klage gegen die EU-Kommission richtet oder das Land Niedersachsen.

Zur Sache: Die EU - Richtlinie " Flora Fauna Habitat"

Lebensraum für Fledermäuse im Osnabrücker Land

FFH steht für " Fauna-Flora-Habitat"- Richtlinie und dient dem Erhalt der biologischen Vielfalt und des europäischen Naturerbes. Um dieses Ziel zu erreichen, sollen bestimmte Lebensräume, die typisch für Europa sind, in einem zusammenhängenden Schutzgebietssystem verknüpft werden. Außerdem werden mehrere hundert Tier- und Pflanzenarten benannt, für die zum Teil ebenfalls Schutzgebiete ausgewiesen werden sollen. Die EU-Mitgliedstaaten waren durch die FFH-Richtlinie verpflichtet, bis Mitte 1995 eine Liste mit entsprechenden Gebieten an die EU-Kommission zu übermitteln, damit ein europaweites Schutzgebietssystem (" NATURA 2000") errichtet werden kann. Dieser Verpflichtung sind viele Staaten erst viel später nachgekommen. Auch die Bundesrepublik Deutschland muss unter Androhung immenser Geldstrafen in kürzester Frist eine ausreichende Zahl an Gebieten benennen. Im Osnabrücker Land sind zwei Bereiche auf dieser Vorschlagsliste: Der Fledermaus-Lebensraurn Wiehengebirge bei Osnabrück ist rund 1167 Hektar groß und wird im Westen durch die A 1 zwischen Wallenhorst und Engter begrenzt. Es umfasst die Wälder zwischen Engter und Evinghausen / Uptrup und folgt nach Osten dem Kamm des bewaldeten Wiehengebirges bis etwa in Höhe Icker. Hier sollen insbesondere die Lebensräume der Bechsteinfledermaus und des Großen Mausohres (Foto oben) geschützt werden. Daneben sind beispielsweise Auenwälder, Bruchwälder, Buchen- und Buchenhainbuchenwälder sowie bodensaure Eichenmischwälder von Bedeutung. Bei der künftigen forstwirtschaftlichen Nutzung geht das Niedersächsische Umweltministerium davon aus, dass die Forstwirtschaft den Zielen von FFH dient und daher mit keinen gravierenden Einschnitten zu rechnen ist.

Beim Mausohr-Jagdgebiet Belm handelt es sich um drei Waldgebiete zwischen Belm, Ostercappeln und Schledehausen in einer Größe von 293 Hektar: Dazu zählen der Halter Berg (südöstlich von Belm), der Wulfter- und Alt Schledehauser Berg (nordwestlich von Schledehausen) sowie das Waldgebiet zwischen Wulften und Oberhaaren. Hier sollen insbesondere Fledermaus-Lebensräume geschützt werden.

FFH - Gebiete

Zum Jagen getragen

Von Franz-Josef Raders

Was ist schützenswerter: Fledermäuse oder Menschen? Auf diese Frage wird sich künftig wohl die Diskussion um den Lückenschluss der A-33-Nord polemisch zuspitzen. Dass die Waldgebiete im Osnabrücker Land heute von der Niedersächsischen Landesregierung im Schweinsgalopp für den europäischen Naturschutz vorgeschlagen werden, ist schon wegen der drohenden Geldstrafen so gut wie sicher.

Die Pläne für den Lückenschluss werden deshalb nicht in den Papierkorb wandern. Das Große Mausohr kann die Trassenführung aber mitbestimmen: weiter weg von seinen bewaldeten Jagdrevieren und näher an das dichter besiedelte Rulle. Überraschen darf dies nicht. Deutschland und auch Niedersachsen werden von der EU-Kommission bei der Durchsetzung der FFH-Richtlinie nämlich buchstäblich zum Jagen getragen.

NICHT GERADE POSSIERUCH, ABER SELTEN: Die Fledermausart Großes Mausohr wird im Osnabrücker Land möglicherweise unter europäischen Naturschutz gestellt.
Autor:
ra


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