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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Gewaltiger Missbrauch mit gelben Säcken
Zwischenüberschrift:
Zwei von drei Tüten werden zweckentfremdet - 100 000 Euro Mehrkosten in Osnabrück
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Von Holger Jansing

Osnabrück
Diese Frage muss sich jeder gefallen lassen: Haben Sie im vorigen Jahr gelbe Säcke ausschließlich dafür verwendet, um Verpackungsmüll mit dem grünen Punkt zu entsorgen? Wenn ja, gehören Sie zur Minderheit. Denn knapp zwei Drittel der ausgegebenen Beutel sind nach Angaben der städtischen Verwertungsgesellschaft zweckentfremdet worden. Zusätzlichen Kosten: rund 100000 Euro.

Der Missbrauch ist bundesweit bekannt - Tendenz steigend. Das Problem ist, dass die Plastiktüten kostenlos, unkontrolliert und unbegrenzt erhältlich sind. Da greifen Verbraucher gern zu und lassen andere Beutel in den Supermarktregalen liegen.

In Osnabrück gibt es mehr als 70 Verteilstellen, überwiegend in Einkaufsmärkten, aber auch auf den Recyclinghöfen. Insgesamt 6, 5 Millionen gelbe Säcke sind von dort im vorigen Jahr mitgenommen worden. Vermutlich nur rund 2, 4 Millionen Stück hat die Müllabfuhr wieder eingesammelt, sagt Hildegard Meyer zu Vilsendorf, Geschäftsführerin der Verwertungsgesellschaft, die die Stadt für die Zusammenarbeit mit dem Dualen System Deutschland (DSD) gegründet hat. Macht unterm Strich einen Schwund von 4, 1 Millionen Beuteln.

Natürlich zählen die Müllmänner und - frauen nicht Stück für Stück, wie viele Säcke sie einsammeln. Einen Anhaltspunkt liefert aber die Menge. Statistisch wiegt ein gefüllter gelber Sack durchschnittlich zwei Kilogramm. Insgesamt 4800 Tonnen Verpackungsmüll aus Osnabrücker Haushalten wurden erfasst. Daraus ergibt sich der Rücklauf von nur 2, 4 Millionen Stück.

Der Missbrauch hat finanzielle Auswirkungen. 1000 Säcke liefert der Hersteller aus Oelde für gut 25 Euro. Bei einem Schwund von 4, 1 Millionen entstehen zusätzliche Kosten in Höhe von mehr als 100000 Euro. Da die Verträge mit dem DSD scharf kalkuliert sind, ist diese Mehrausgabe nicht gedeckt. Das Nachsehen hat letztlich die Stadt.

Auch andere Kommunen und Entsorgungsfirmen klagen über Missbrauch. So wurden in der ostwestfälischen Nachbarstadt Bielefeld im vergangenen Jahr von 8, 6 Millionen ausgegebenen gelben Säcken nur drei Millionen wieder eingesammelt. In Bonn wurden 2005 ebenfalls dreimal so viele Beutel verbraucht, wie eigentlich erforderlich gewesen wären.

Auch im Landkreis Osnabrück sei der Missbrauch gewaltig, sagt Dr. Andreas Grisar, Abteilungsleiter Logistik bei der Städtereinigung Holtmeyer in Georgsmarienhütte. Er beklagt die " grenzenlose Gedankenlosigkeit" und das " fehlende Unrechtsbewusstsein" der Bürger, die letztlich die Zeche zahlen müssten.

Aber wie kommt der immense Schwund zu Stande? Hildegard Meyer zu Vilsendorf hat nur vage Erklärungen. Zum Teil werde Gartenabfall in den gelben Säcken an den Containern abgeladen. Vielfach finden die Beutel offenbar auch für Bettzeug, Altkleider und Campingartikel, als Abdeckfolie und für Papier und Restmüll Verwendung. Ein Teil des Schwundes hängt möglicherweise auch damit zusammen, dass einige Bürger für eine Ladung Leichtverpackungen die nicht gerade sehr reißfesten Säcke doppelt und dreifach nehmen.

Die städtische Verwertungsgesellschaft hat es sich jedenfalls auf die Fahnen geschrieben, den Missbrauch einzudämmen. Es gibt verschiedene Modelle. So könnten die Abgabestellen verringert werden. Denkbar sei auch, pro Haushalt nur noch eine bestimmte Anzahl an gelben Säcken im Jahr zuzuteilen oder eigenes Personal in eine kontrollierte Verteilung mit einzubinden, sagt die Chefin der Verwertungs-GmbH.

Gelbe Tonnen werde es nicht geben, sie würden das Problem auch nicht lösen, sagt Hildegard Meyer zu Vilsendorf. Aus dem Landkreis, wo Holtmeyer die Behälter auf Wunsch bereitstellt, sei bekannt, dass gefüllte gelbe Säcke massenhaft in den gelben Tonnen landeten und der Schwund gleich groß geblieben sei. Außerdem verstärke sich ein anderes Problem die falsche Befüllung mit Müll, der nicht den grünen Punkt trägt, da Behälter schwerer zu kontrollieren seien als Beutel. Mit 27 Prozent ist die Quote in Osnabrück derzeit sehr niedrig. In Bielefeld liegen die so genannten Fehlwürfe bei 40 bis 45 Prozent. Dort gibt es Ärger mit dem DSD, das die Sammelmenge unter Androhung von Vertragsstrafen begrenzt hat. Osnabrück will in diese Situation nicht kommen.

6, 5 MILLIONEN GELBE SÄCKE sind 2005 in Osnabrück verteilt worden. Die Stadt kommt mit dem Nachschub kaum nach (hier Hermann Determann, Mitarbeiter des Abfallwirtschaftsbetriebs, am Lager an der Hafenringstraße). Fotos: Gert Westdörp

NUR VERPACKUNGEN mit dem grünen Punkt gehören in den gelben Sack. Wer ihn anderweitig nutzt, begeht (so sagt es der Aufdruck) Diebstahl.
Autor:
Holger Jansing


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