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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
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Strommasten rosten vor sich hin
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Ruinen ärgern die Anwohner
Artikel:
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Originaltext:
Strommasten rosten vor sich hin

Ruinen ärgern die Anwohner

Von Joachim Dierks

OSNABRÜCK. Damit der Strom auch weiterhin aus der Steckdose kommt, braucht es Infrastruktur. Das leuchtet jedermann ein. Auch Kurt Staperfeld. Aber warum rostende Strommasten, die schon seit zehn Jahren keine Leitungen mehr tragen, weiterhin die Landschaft verschandeln müssen, das versteht er nicht.

Kurt Staperfeld lebt am Bökenhagen, auf der kleinen Anhöhe an der Grenze zwischen Nahne und Sutthausen. Einer der überflüssigen Strommasten fußt in seinem Garten, keine 20 Meter von der Hausecke entfernt. Im Grundbuch sei keine Dienstbarkeit eingetragen, das Baurecht für den Mast oder Überleitungsrechte sind seines Wissens nicht zeitlich befristet.

" Als wir 1956 hier bauten, war das alles kein Thema. Da stand das Ding hier schon", berichtet der 78-jährige frühere Realschullehrer und jetzige Keramikkünstler. " Da ist jahrzehntelang keine Farbe drangekommen. Wir haben Angst, dass der Mast demnächst einknickt und uns aufs Dach fällt!"

Die stählernen Gitterkonstruktionen markieren ein Stück Industriegeschichte des Osnabrücker Landes: Insgesamt sind es zehn übrig gebliebene Masten, die den Verlauf der einstigen 30-Kilovolt-Leitung zwischen dem Kraftwerk auf der Georgsmarienhütte und dem Osnabrücker Stahlwerk markieren.

Irgendwann rechnete sich die konzerninterne Stromlieferung aber nicht mehr. Und noch vor der Schließung des Stahlwerks Osnabrück im Jahr 1985 übernahm die NIKE dessen Belieferung mit Strom. Als 1993 das " Management-buy-out" stattfand und Dr. Jürgen Großmann die Georgsmarienhütte mit allen Liegenschaften vom Klöckner-Konzern übernahm, wurde seine GmbH auch Eigentümerin der hinfällig gewordenen Stromleitung. Die Leitungskabel wurden vor etwa zehn Jahren abgenommen.

Doch mehr passierte nicht. Staperfeld rief mehrere Male im Werk an. Zunächst zeigte man sich bereit, den Mast in seinem Garten einschließlich des Fundamentsockels bis in einen Meter Tiefe zu entfernen. Dann folgten wieder nur Vertröstungen.

Auf die Frage unserer Zeitung bejahte die Georgsmarienhütte ihre Eigentumsrechte und die grundsätzlich damit verbundene Verkehrssicherungspflicht. Dr. Beate-Maria Zimmermann, Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit: " Derzeit wird an einem Konzept mit dem Ziel gearbeitet zu untersuchen, inwieweit die Masten einer weiteren Nutzung zugeführt werden können."

Worin eine weitere Nutzung bestehen könnte, ob sie womöglich als Mobilfunksendemasten umgenutzt werden sollen, wie einige Anlieger schon befürchten, darüber schweigt sich die Konzernleitung aus.

Kurt Staperfeld fällt noch eine weitere Nutzung ein: " Der Elektro-Ofen auf Hütte hat ja einen Riesen-Appetit auf Schrott, wie man immer wieder liest. Und Schrott ist doch knapp und teuer. Warum haben sie die Masten nicht längst in handliche Stücke zerlegt und in den Ofen geschoben?"

Noch hat Kurt Staperfeld die Zuversicht, dass die überflüssigen Strommasten bald verschwinden.
Foto: Thomas Osterfeld
Autor:
Joachim Dierks


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