User Online: 1 | Timeout: 06:50Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
"Gefällte Bäume finden wir nicht gut!"
Zwischenüberschrift:
Denkmalschutz zum Nachteil der Natur: Zwei Grundschüler schreiben Protestbrief an die Zeitung
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Kinder sehen die Welt manchmal mit anderen Augen. Wo ein Erwachsener auf komplexe Zusammenhänge und Güterabwägung verweist, vielleicht auch bloß mit einem Schulterzucken reagiert, kann bei Heranwachsenden Unverständnis und Wut vorherrschen. So waren auch die Grundschüler Paul und Dominik aus Pye kompromisslos und verstanden plötzlich die Welt nicht mehr. Mit einem Brief wandten sie sich an die Neue OZ.

" Hallo Zeitung. Bei unserer Bude arbeiten ganz oft Arbeiter und zerstören die Natur. Das finden wir nicht gut, weil da seltene Tiere leben. Jetzt kann man da gar nicht mehr spielen", heißt es in dem Schreiben der Grundschüler.

Paul wohnt am Süberweg in Pye. Wer sich auf den Weg dorthin macht, den Brief der beiden Jungen im Kopf hat und selbst die Welt nicht mehr durch Kinderaugen sieht, gerät dennoch ins Grübeln. Raus aus der Innenstadt, die Natruper Straße entlang vorbei an Autohäuser und Discount-Supermärkten, die sich direkt nebeneinander ansiedeln, über den Kanal führt der Weg. Möwen schwirren in weiten Kreisen über den Dächern eines Entsorgungsunternehmens, einige Meter weiter ist der Hyde Park. Links geht es in den Süberweg.

Paul lebt am Piesberg. Es ist eine Landschaft voller Widersprüche: Den mit Bäumen üppig bewachsenen Hängen des Berges ist eine Mondlandschaft vorgelagert - Steinberge. Oberhalb liegt das Museum für Industriekultur. Direkt am Hang ein altes Gebäude aus Backsteinen, das alte Brecherwerk. Die Fenster sind eingeschlagen, gearbeitet wird hier schon lange nicht mehr.

Hier, am Fuß des Piesberges, haben Paul und Dominik einen Abenteuerspielplatz für sich entdeckt. Sie haben ein kleines Rinnsaal, das durch das Tal fließt, aufgestaut und sich eine Bretterbude gezimmert. Aber nicht nur die beiden Grundschüler waren hier aktiv: Immer wieder mussten Paul und Dominik ansehen, wie Arbeiter mit Motorsägen Bäume in der Nähe ihrer Holzbude entfernten. Natürlich geschah dies mit allen notwendigen Genehmigungen. Eine Mauer, die in unmittelbarer Nähe des Abhangs an einem alten Gleis entlang verläuft, das von den dort ansässigen Dampflokfreunden genutzt wird, sollte geschützt werden. Alles hatte also seine Richtigkeit. Ein paar abgeholzte Bäume zum Schutz einer Mauer mögen vielen wohl nicht als Drama erscheinen. Sind die jungen Naturschützer also auf dem Holzweg?

" Der Schutz der Natur ist unendlich wichtig", sagt Rolf Spilker, Leiter des Museums für Industriekultur am Piesberg. " Manchmal gilt es aber auch abzuwägen. Auch ein Denkmal, eine historische Mauer ist schützenswert." Auch Albert Merseburger, Vorsitzender der Dampflokfreunde, findet das Engagement von Paul und Dominik " sehr löblich". Aber er sagt, dass man sich entscheiden muss. " Entweder man erhält etwas, oder es verfällt." Am Piesberg stand Umweltschutz gegen Denkmalschutz. Die Verantwortlichen haben sich dafür entschieden, wild wachsende Bäume zu entfernen und dafür ein historisches Mauerwerk zu erhalten. " Bäume machen Luft, eine Mauer steht nur da", sagt Paul noch Wochen nach dem Vorfall. Es ist nicht leicht, hierauf eine Antwort zu geben, aber sowohl Dampflokfreunde als auch Museumsleitung stimmen zu, dass es richtig ist, wenn sich Kinder für den Naturschutz engagieren. " Trotzdem muss man lernen, wofür es sich lohnt, auf die Hinterbeine zu gehen", sagt Spilker mit Verweis auf die Kanalerweiterung in Osnabrück, wo derzeit Hunderte Großbäume abgeholzt werden.

Der Ort des " Verbrechens": Noch Wochen später sind die beiden kleinen Umweltschützer Paul (links) und Dominik empört über die gefällten Bäume am Piesberg. Foto: Jörn Petring
Autor:
Jörn Petring


Anfang der Liste Ende der Liste