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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Power für Osnabrücks Steckdosen
Zwischenüberschrift:
Stadtwerke am Gaskraftwerk in Hamm-Uentrop beteiligt - Strom ab 2007
Artikel:
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Originaltext:
Kleines 1x1 zum GuD-Kraftwerk

Strom selbst machen - warum? Eine Hitzewelle in Südeuropa genügte, und der Strompreis schnellte im Sommer 2005 in die Höhe. Ein halbes Jahr später war es nur die Befürchtung, dass Wladimir Putin Westeuropa den Gashahn zudrehen könnte. Selbst Gerüchte lassen den Index an den Strombörsen nach oben oder unten ausschlagen. Die Stadtwerke Osnabrück beziehen 87 Prozent ihres Stroms vom Großhandelsmarkt. Da liegt es nahe, sich von solchen Unwägbarkeiten ein Stück weit unabhängig zu machen. Die Stadtwerke setzen auf selbst erzeugten Strom, um sich bei ihren Kunden mit stabilen Preisen empfehlen zu können. Mit den Windgeneratoren auf dem Piesberg wurde der Anfang gemacht, mit dem Kraftwerk in Hamm-Uentrop setzen sie dieses Unabhängigkeitsstreben fort,

Für wie viele Haushalte reicht' s denn? Das GuD- (Gas- und Dampfturbinen)- Kraftwerk in Hamm-Uentrop produziert das Sechsfache des Osnabrücker Strombedarfs. Für die Stadtwerke Osnabrück sind 20 Megawatt reserviert. Das reicht rechnerisch für 30 000 Haushalte.

Warum Hamm-Uentrop und nicht Osnabrück? Die Stadtwerke sind nur zu 2, 5 Prozent an der Kraftwerksgesellschaft beteiligt. Bei der Frage nach dem Standort ging es nicht um regionale Vorlieben, sondern um eine gute Anbindung an das Stromnetz, um Zugang zum Kühlwasser, die Nähe zu einer Gasfernleitung nd um eingenehmi gungsfähiges Grundstück, das auch verfügbar ist. Der Standort Hamm-Uentrop habe die besten Voraussetzungen geboten, sagen die Stadtwerke. Technische Daten: Das GuD-Kraftwerk besteht aus zwei Blöcken mit zusammen 800 Megawatt, der Wirkungsgrad beträgt 57, 5 Prozent, als voraussichtliche Stromerzeugung werden 4, 6 Milliarden kWh pro Jahr angegeben. Bis zu 8000 Be-triebsstunden pro Jahr sollen möglich sein, unter wirtschaftlichen Aspekten sind jedoch 5000 bis 5500 Betriebsstunden sinnvoll. Das Kraftwerk wird voraussichtlich 32 Beschäftigte haben. Was wird überflüssig? Neue Kraftwerke machen alte Anlagen überflüssig. Das werden voraussichtlich Gaskraftwerke mit einem Wirkungsgrad von nur 40 Prozent sein, die vielleicht noch eine Weile in Betrieb bleiben, um die Spitzenlast abzudecken.

Internet: www.Trianel.com !

Das könnte auch ein Raketantriebwerk sein: Im Diffuser wird das heiße Rauchgas aus der Gasturbine verwirbelt, damit die Wärme an den Dampfkessel abgegeben wird.

Fotos. Jörn Martens

^^

Stadtwerke am Gaskraftwerk in Hamm-Uentrop beteiligt - Strom ab 2007

OSNABRÜCK. Auf Rapsfelder In der Nachbarschaft reagiert Martin Buschmeier allergisch. Nicht, dass er Asthmatiker wäre. Aber die Rapspollen setzen sich auf die Schaufeln der Gasturbine, und dann bekommt Osnabrück weniger Strom. Tendenziell jedenfalls.

Martin Buschmeier ist der Chef des neuen Gaskraftwerks in Hamm-Uentrop. Das gehört den Osnabrücker Stadtwerken zu einem Vierzigste!. Zusammen mit 27 anderen Stadtwerken und Regi-onalversorgungsunterneh-men wollen sie Strom produzieren und den vier großen Kraftwerksbetreibern Paroli bieten.

David gegen Goliath also. Der liberalisierte Markt in Europa hat den Weg frei gemacht für die ungewöhnliche Kooperation zwischen deutschen, niederländischen und österreichischen Partnern. Ihr gemeinsames Anliegen ist es, den " Saft" unabhängig vom nervösen Auf und Ab der Strombörsen zu stabilen Preisen anbieten zu können.

Aufregend ist eigentlich schon, dass sich so unterschiedlich gestrickte Partner überhaupt gefunden haben. Das Überlandwerk Fulda Seite an Seite mit den Stadtwerken Schwäbisch Hall und dem Teutoburger Energienetzwerk, die Salzburg AG als südöstlicher Ausleger, die Co-gas Facilitair BV aus Almelo als nordwestliches Gegengewicht Und mittendrin die Stadtwerkc Osnabrück. " Ein Sack Flöhe", wie Martin Busch meier eher respektvoll als despektierlich vermerkt.

Respektvoll, weil es dieser bunte Haufen geschafft hat, in kurzer Zeit die 440-Millionen-Euro-Investition für das Gas- und Dampfturbinenkraftwerk zu stemmen. Inzwischen gibt es eine ganze Reihe von Bewerbern, die liebend gern mit einsteigen würden. Aber die Trianel PowerGmbH & Co. KG ist komplett. Im April 2007 soll die Gasturbine erstmals zünden. Spätestens im Herbst will Trianel mit den beiden 400-MW-Blöcken ans Netz.

20 Megawattdavonsindfür die Steckdosen in Osnabrück reserviert. Die Stadtwerke sitzen mit zehn Millionen Euro im TVianel-Boot. Rechnerisch reicht das für 30 000 Haushalte, macht für den gesamten Stromabsatz in Osnabrück aber nur elf Prozent aus.

Kaufmännisch gesehen wird das Kraftwerk in 28 Teilkraftwerke zerlegt, wie Marco Bergmann vorrechnet, der bei den Stadtwerken für Energieeinkauf und Logistik zuständig ist. Wenn aus Osnabrück die Order kommt, " wir brauchen morgen zwischen 10 und 12 Uhr Strom, dann kriegen wir den", erklärt der Kaufmann, Allerdings lohnt es sich nicht, die mächtige Tlirbine für weniger als 200 Megawatt anzufahren. Bei kleineren Mengen ist es für Trianel Power günstiger, den Strom von der Konkurrenz einzukaufen.

Dabei gehört das Kraftwerk mit einem Wirkungsgrad von knapp 58 Prozent zu den effizientesten seiner Art. Um die Energie optimal auszuschöpfen, wird die Kraft an zwei Stellen auf die Antriebswelle gebracht. An der einen Seite eine Gasturbine, die etwa zwei Drittel der Leistung erbringt. An der anderen die Dampfturbine, die aus der überschüssigen Wärme gespeist wird. In diesem Tandem-Effekt steckt die Überlegenheit gegenüber der konventionellen Gasturbine.

Wer noch effizienter arbeiten will, müsste auch die Abwärme nutzen, statt sie in die Kühltürme zu jagen. Doch dafür gibt es in Hamm-Uentrop keine Abnehmer. Die nächsten Wohnsiedlungcn sind weit, und die benachbarte Chemiefabrik Dupont hat keinen Bedarf.

600 Bauarbeiter kommen jeden Tag auf das Kraftwerksgelände. Die Technik wird von der Siemens AG schlüsselfertig aufgestellt. Nicht zum ersten Mal übrigens. Baugleiche Anlagen haben sich schon seit Jahren bewährt. Gleichwohl ist der Aufwand beträchtlich. Das zeigt sich schon an dem fest eingebauten 370-Tonnen-Kran in der Turbinenhalle. Kraftwerks-Chef Martin Buschmeier schätzt, dass dieses Schwergewicht in seinem ganzen Leben vielleicht drei oder viermal gebraucht wird, wenn der Generator aus seiner Verankerung gehoben werden muss, " diese graue lange Wurst", wie er abfällig sagt.

Was ihn viel stärker fasziniert, sind die Prozesse in der Gasturbine bei einer Verbrennungstemperatur von 1230 Grad. Dass auf jede einzelne TUrbinenschaufcl die Kraft von 20 Porsche-Motoren wirkt. Dass zwischen diesen Schaufeln und den keramischen Kacheln in der Brennkammer immer ein win/ ig kleiner Spalt bleiben muss, weil es sonst Bruch gibt. Und dass selbst die superteuren Luftfilter nicht die Rapspollen zurückhalten können, die sich auf den Turbinenschaufeln ablagern. Martin Buschmeier ist froh, dass es rings um das Kraftwerk viel Grün gibt, aber keine gelbe Rapsblüte.

60 Meter hoch sind die Schlote des neuen Gaskraftwerke in Hamm-Uentrop. Zwei Blöcke leisten jeweils 400 Megawatt. Links sind die Abhitzekessel zu sehen, in der Mitte die Turbinenhallen, ganz rechts die Zellenkühltürme und vorne das Umspannwerk.
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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