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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Osnabrücker Technik seit je begehrt
Zwischenüberschrift:
150 Jahre Eisenbahn in Osnabrück: Die Zulieferer
 
Rawie liefert seit über 100 Jahren in alle Welt: Innovationskraft als Erfolgsrezept
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Originaltext:
150 Jahre Eisenbahn in Osnabrück: Die Zulieferer

Osnabrücker Technik seit je begehrt

Rawie liefert seit über 100 Jahren in alle Welt: Innovationskraft als Erfolgsrezept

Von Michael Schwager

Osnabrück
Mit der Eisenbahn kam auch die Eisenbahntechnik nach Osnabrück. In der Fabrik von Carl Stahmer in Georgsmarienhütte stellten um 1900 rund 300 Arbeiter Signal- und Weichenstellwerke sowie Schranken her. Das 1868 gegründete Stahlwerk in Osnabrück produzierte Eisenbahnschienen, komplette Weichen, Räder und Radreifen. Die Osnabrücker Metallwerke Kampschulte (Osmeka), später Presswerk Ackermann, an der Hansastraße, stellte Karbidlampen für die Bahn her.

Die rasante Entwicklung der Eisenbahn in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hat auch aus der Schmiede von Rudolph Bernhardt Rawie in wenigen Jahren Franz Rawies Fabrik für Eisenbahnbedarf gemacht. Was war das Erfolgsrezept der Unternehmensgründer?
Fründ: Der große Bedarf an Eisenbahnmaterial und Zubehör wurde in der damaligen Unternehmerschaft als große Herausforderung an deren Erfindergeist und Schaffenskraft angenommen. Ideenreichtum und persönlicher Einsatz, Verantwortungsbewusstsein gegenüber Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten sowie Risikobereitschaft begründeten den Erfolg der aufstrebenden Unternehmen.

Die Liste der Patente ihrer Firma ist lang. Was war die bedeutendste Erfindung?
Fründ: Die für unser Unternehmen wichtigste Erfindung, die patentiert und so vor dem Zugriff anderer Unternehmen geschützt war, beinhaltet eine mechanische Bremseinrichtung an Fahrgleisen, die Personen- und Güterzüge kontrolliert zum Stehen bringen, wenn die Fahrzeugbremsen versagen oder durch Fehlverhalten des Bedienungspersonals, Reisezüge, zum Beispiel in Kopfbahnhöfen, nicht rechtzeitig zum Stillstand gebracht werden. Diese Bremsvorrichtungen wurden im Laufe der Jahre technisch weiterentwickelt und finden inzwischen weltweit Anwendung, insbesondere bei den modernen Nahverkehrsträgern wie Metros und Straßenbahnsystemen.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung des Schienenverkehrs in Deutschland und damit die Absatzchancen für ihre Produkte?
Fründ: Im Zuge der " Privatisierung" der Deutschen Bundesbahn ist Bewegung zumindest im Bereich des Personenverkehrs geraten. Strecken, die inzwischen von privaten Unternehmen betrieben werden, werden in vielen Landesteilen reaktiviert, wie das Beispiel der Nord-West Bahn zeigt, und geben Impulse für Zulieferbetriebe wie Rawie. Auch der Ausbau der Hochgeschwindigkeitsstrecken in Deutschland und in den angrenzenden Ländern hat einen positiven Einfluss auf den Absatz unserer Produkte. Leider gilt dieses nicht in gleichem Maße für den Güterverkehr, der zum Teil systembedingt von der Schiene in seit Jahren zunehmendem Maße auf die Straße verlegt wird. Hier spielen auch die strukturellen Veränderungen unserer Industrielandschaft in Deutschland eine Rolle wie das Beispiel Kohle- und Stahl im Ruhrgebiet zeigt. Es fehlen Massentransporte für die die Bahn im Güterverkehr prädestiniert ist.

Rawie liefert in aller Herren Länder. Was macht deutsche Eisenbahn-Produkte international konkurrenzfähig?
Fründ: Als mittelständisches Unternehmen können wir weltweit nur erfolgreich sein durch unsere Innovationskraft, unsere Flexibilität und die hervorragende Qualität unserer Produkte. Dazu gehört unser qualifizierter Mitarbeiterstamm, ein straffes Qualitätssicherungsmanagement und die Präsenz auf den Märkten der Welt, zum Teil durch unsere Vertretungen vor Ort, aber auch durch beste persönliche Kontakte zu den Entscheidungsträgern bei den Verkehrsorganisationen von Kanada bis Australien. Die seit Jahrzehnten anhaltende Weiterentwicklung deutscher Eisenbahnprodukte im Bereich der Fahrzeuge oder des Fahrwegs sind wegen ihrer großen Zuverlässigkeit und hohen technischen Standards weltweit begehrt.

Wie sicher sind Ihre Arbeitsplätze am Standort Osnabrück?
Fründ: Die dringende Notwendigkeit, in den Ballungsräumen der Großstädte neue Nahverkehrssysteme zu errichten und bereits vorhandene zu erweitern um die Mobilität der Bevölkerung zu er halten, sowie das steigende Sicherheitsbedürfnis der Betreiber der Bahnsysteme nach technisch hochwertigen Produkten, lässt uns Zuversichtlich in die Zukunft blicken.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung des Eisenbahnstandortes Osnabrück in der jüngsten Vergangenheit?
Fründ: Leider sind durch die Verlagerung der Bahn- und Oberbauaktivitäten insbesondere der Klöckner-Georgsmarienwerke, wo Schienen, Rippenplatten und andere oberbautechnische Produkte hergestellt wurden, und durch den Abbau des Stahlwerks im Schinkel, in dem jahrelang ein Weichenbau betrieben wurde und Radsätze geschmiedet wurden, sowie durch die Aufgabe der Produktion kleinerer Firmen, zum Beispiel der Firma Ackermann, die gebrauchte Stahlschwellen aufarbeitete, zahlreiche Arbeitsplätze verloren gegangen, andererseits beweist die Existenz der NWB, dass der Standort Osnabrück noch seine eisenbahntechnische Bedeutung behält.

PRELLBOCK FRÜHER: Das Bauteil sieht unspektakulär aus, war aber in den 30er Jahren neuester Stand der Technik.

PRELLBOCK HEUTE: Das Design ist fast futuristisch, auf das im Prellbock steckende Know-how fahren Kunden in aller Welt ab.

JOST FRÜND, Geschäftsführer der A. Rawie GmbH & Co. KG.
Autor:
Michael Schwager


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