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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Staub und Asche - die beiden Männer auf der Dampflok
 
So funktionierte die Bahn früher
 
Zeitschiene
Zwischenüberschrift:
Über 50 Jahre unterwegs: Ein Eisenbahner "mit Leib und Seele" erzählt
 
Ausstellung im Industriemuseum
Artikel:
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Originaltext:
Staub und Asche - die beiden Männer auf der Dampflok

Über 50 Jahre unterwegs: Ein Eisenbahner " mit Leib und Seele" erzählt

Von Birte Tost

Osnabrück
Seine Lokomotiven bringt Theodor Asche heute nicht mehr ins Ausbesserungswerk, sondern zum Modelleisenbahnhandel zur Wartung. 50 Jahre und 11 Monate war der ehemalige Lokführer bei der Bahn beschäftigt. Doch auch als Pensionär dreht sich für ihn alles um die Eisenbahn.

Zwischen Salat, Grünkohl und rankenden Gurken schlängelt sich eine pfeifende Dampflok durch den Garten von Theodor Asche. Jetzt habe ich Zeit für solche Dinge", sagt er und reguliert geschickt an seinem " Führerstand'' das Tempo des Zuges, der gerade in einen Tunnel einfährt. Zu seinen aktiven Zeiten als Lokführer sei das anders gewesen. " Wir waren viel unterwegs, hatten lange Schichten und mussten oft in anderen Städten übernachten", erzählt der 76-Jährige. Aber ein Eisenbahner mit Leib und Seele nehme solche Dienstzeiten eben in Kauf.

Sein Traumberuf war Lokführer, als er 1943 als 13-Jähriger eine Schlosserlehre im Betriebswerk Gronau begann. " Früher mussten Lokführer gelernte Metallhandwerker sein. Das änderte sich mit der Umstellung von Dampfloks auf Diesel- und Elektroloks", erklärt Asche.

Nach seiner Gesellenprüfung kam er 1951 als Lokomotivschlosser und Heizer zum Betriebswerk nach Osnabrück. Ob Zufall oder nicht, Theodor Asche wurde ausgerechnet dem Lokführer Karl Staub zugeteilt, der ihn für den Lokführerdienst ausbildete. Einige Jahre fuhren sie mit ihrer Dampflok nach Köln und Hamburg und waren als " Staub und Asche" auf ihren Strecken zwischen Hamburg, Osnabrück und Köln bekannt.

" Heizer und Lokführer standen damals stundenlang im engen Führerstand zusammen, da musste die Chemie schon stimmen", soder Eisenbahner. " Zumal die Heizer von den Lokführern manchmal ganz schön getriezt wurden", fügt Asche lächelnd hinzu. Zu den Aufgaben des Heizers gehörte nicht nur das Schaufeln von Kohle. " Heizer mussten vor Fahrtbeginn alles ölen, Ordnung halten, putzen und den Lokführer unterstützen", zählt Theodor Asche auf. " Durch diese harte Schule musste man gehen ehe man von der linken Seite des Führerstandes auf die rechte Seite wechseln durfte." Rechts befanden sich auf der Dampflok jene Hebel, die nur der Lokführer bedienen durfte.

Am 1. Mai 1955 wurde Theodor Asche endlich als Lokführer eingesetzt. Die kommenden Jahren seien die schönsten seiner Eisenbahnerzeit gewesen, sagt er und dreht die Lokführermütze in seinen Händen. " Man hatte als Herr der Lok wunderbare Freiheiten." Die Mütze habe er aber nie getragen. " Meine Dienstkleidung war meine schwarze Baskenmütze. Sehen Sie, hier auf dem Foto trage ich sie auch", erklärt er und zeigt sein Album. " Meine Eisenhahn! Rückschau auf ein gutes Stück Leben" steht auf der ersten Seite des Fotoalbums. Prall gefüllt ist es mit Erinnerungen und Momenten aus seinen Jahren bei der Bahn.

Als einer der ersten Lokführer wurde Theodor Asche 1963 auf einer Elektrolok ausgebildet. Trotz der Erleichterungen, die der technische Fortschritt mit sich brachte, sei er lieber mit einer Dampflok gefahren. Die " Musik" habe ihm auf der leisen Elektrolok gefehlt, und dass man nun alleine fahren musste, sei eine große Umstellung gewesen.

Bis 1993 war Asche als Ausbildungslokführer tätig und fuhr im Sonderdienst. Seine letzte Fahrt absolvierte er im September 1993: " Glücklicherweise mit einer Dampflokomotive. Das war eine Sonderfahrt mit einer Museumseisenbahn nach Löhne", erinnert er sich

AUF DER LOK: Lokführer Theodor Asche (rechts) und sein Heizer. Foto: privat

EISENBAHNER aus Leidenschaft: Theodor Asche mit seiner Garteneisenbahn Foto: Jörn Martens

So funktionierte die Bahn früher

Ausstellung im Industriemuseum

Osnabrück tos
In Osnabrück begann das Eisenbahnzeitalter vor 150 Jahren. Zu diesem Jubiläum präsentiert das Museum Industriekultur die Sonderausstellung " Vorsicht an der Bahnsteigkante, der Zug fährt ab''.

Die Ausstellung vermittelt einen historischen Überblick über die Entwicklung der Eisenbahn in Osnabrück. Sie lässt aber vor allem hinter die Kulissen des Bahnbetriebs blicken: Was musste alles passieren, ehe ein Zug fahrbereit am Bahnsteig stand? Welche Arbeiten mussten der Dampflokführer und sein Heizer verrichten? Welche Aufgabe hatten Wagenmeister und Fahrdienstleiter? Wer arbeitete auf dem Güterbahnhof? Um mehr aus dem Arbeitsalltag der Menschen bei der Bahn zu erfahren, haben Museumsdirektor Rolf Spilker und die Volontärin Susanne Häring zwanzig ehemalige Eisenbahner befragt. " Die Geschichte und Geschichten dieser Menschen haben dazu beigetragen, die Ausstellung zu entwickeln", sagt Spilker.

Mehrere hundert Exponate, meist aus Privatbesitz, und Inszenierungen veranschaulichen das " Stück Leben", das die Menschen bei der Eisenbahn verbracht haben. Die Ausstellung ist in drei Abschnitte unterteilt: vor der Fahrt, nach der Fahrt und auf der Fahrt. Eine nachgebaute Lokomotive und Bahnabteile illustrieren Arbeitsbereiche im Zug, verschiedene Werkzeuge und Modelle dokumentieren Arbeitsabläufe aus 150 Jahren Eisenbahn.

Die eindrucksvollsten Exponate der Ausstellung sind die 5, 80 Meter große Modellbahnanlage, die den Ablaufberg an der Osnabrücker Schellenbergbrücke im Betriebszustand am Ende der 1960er Jahre zeigt, und der etwa sechs Meter hoher Wasserkran aus den 1930er Jahren. Jahrelang stand der Kran wie ein Denkmal auf dem Gelände des ehemaligen Bahnbetriebswerk " Kamerun". Da die Deutsche-Bahn-Tochter Railion das Gelände künftig nicht mehr im vollem Umfang nutzen wird, musste ohnehin ein neuer Standort für den sechs Meter hohen Kran gefunden werden. Als Leihgabe ist der Wasserkran vorerst für die Dauer der Sonderausstellung neben dem Eingang zum Haseschachtgebäude zu sehen.

Ausstellung

Die Ausstellung wird morgen um 11 Uhr im Haseschachtgebäude, Fürstenauer Weg 171, eröffnet. Der Eintritt am Eröffnungstag ist bis 14 Uhr frei. Die Ausstellung ist bis zum 2. April 2006 zu sehen. Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag 10 bis 18 Uhr. Gruppenführungen können unter Tel. 054l/ 9127845, an Wochenenden unter 0541/ 122447, vereinbart werden. Eintrittspreise: Erwachsene: 3, 50 Euro, ermäßigt: 2 Euro, Familienkarte: 6, 50 Euro. Führungen: für Schulen: 11 Euro (pro Schüler 1 Euro), für Gruppen: 36 Euro (pro Person 2 Euro). Ab Oktober sind besondere Führungen für Schülergruppen geplant. Der Katalog zur Ausstellung kann im Museum zum Preis von 22 Euro erworben werden.

ER HOLTE DEN KRAN zum Piesberg: Helmut Ostermann. Foto: Hermann Pentermann

MIT PFEIFE UND KELLE: Ein alter Eisenbahner wirbt mit seinen Arbeitsutensilien für die Ausstellung im Industriemuseum.

Zeitschiene

1835
Mit der Eröffnung der Strecke Nürnberg - Fürth beginnt am 7, Dezember das Eisenbahnzeitalter in Deutschland.

1855
Am 21. November wird der " Hannoversche Bahnhof", der erste Personenbahnhof in Osnabrück, eröffnet. Die Königliche Hannoversche Eisenbahn - Direction nimmt den Streckenabschnitt zwischen Osnabrück und Löhne in Betrieb. In unmittelbarer Nähe des Bahnhofes wird ein Bahnbetriebswerk eingerichtet.

1856
Am 19. / 20. Juni wird die komplette Westbahn von Hannover bis Emden in Betrieb genommen.

1857
Am 1. September wird der Bahnanschluss zum Piesberg in Betrieb genommen.

1870 bis 1872
Eröffnung der Hamburg - Venlo-Bahn: Der Teilabschnitt Osnabrück - Hasbergen kann ab August befahren werden. Am 1. September werden die Strecke nach Münster und der " Bremer Bahnhof" am Klushügel eingeweiht. Am 1. April wird am heutigen Standort des Betriebswerkes Osnabrück eine Werkstatt für die Ausbesserung von Zügen eingerichtet.

1873
Am 16. August wird der Streckenabschnitt Osnabrück bis Bremen in Betrieb genommen.

1874
Im Mai ist die Strecke bis Hamburg befahrbar.

1876
Mit der Strecke Osnabrück - Oldenburg erreicht eine weitere Bahnlinie die Stadt.

1895
Der neue Hauptbahnhof ist fertig und übernimmt zwischen dem 24. April und 1. Mai den Personenverkehr des Hannoverschen und des Bremer Bahnhofs.

1896
Einrichtung der Haltestelle Hasetor.

1911
Die auf Straßenniveau verlaufenden Gleise, der " eiserne Ring", wird höher gelegt. Bahnübergänge werden durch Unterführungen ersetzt.

1913
Am 1. März wird der zentrale Güterbahnhof im Fledder eröffnet. In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg waren etwa 2000 Menschen bei der Bahn beschäftigt.

1925
Mitte der 1920er Jahre arbeiten etwa 4700 Menschen bei der Bahn in Osnabrück.

1966
Am 12. September ist die Elektrifizierung der Strecke Osnabrück - Münster abgeschlossen. Der erste elektrisch betriebene Zug verlässt den Osnabrücker Hauptbahnhof.

1983
Im Dezember wird der Wasserturm im Betriebswerk an der Bremer Straße gesprengt

1997
Am 31. Juli wird die Güterabfertigung geschlossen.

1999r
Die " Nord West Bahn" GmbH wird gegründet.

2004
Tankzug schrammt im Hauptbahnhof knapp an einer Katastrophe vorbei.

2005
Der " Haller Willem" wird reaktiviert. Insgesamt halten täglich 510 Züge am Hauptbahnhof. Die Deutsche Bahn AG beschäftigt noch 150 Mitarbeiter in Osnabrück.

Autor:
Birte Tost


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