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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Können Demonstranten die alte Kastanie retten?
Zwischenüberschrift:
Rodung in der Rolandstraße verschoben - Anwohner halten dagegen: Der Baum nimmt uns zu viel Licht
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Weststadt Noch steht die alte Kastanie auf einem Grundstück In der Rolandstraße fest verwurzelt auf ihrem Grund. Die friedlichen Proteste einiger Anwohner und der Grünen haben die Sägeaktion fürs Erste verhindert.

Gestern in der Früh sollte die über 100 Jahre alte Kastanie gefällt werden. Pünktlich um sieben standen deshalb Anwohner und Vertreter der Grünen friedlich wartend vor dem Grundstück, um ihren Unwillen über die Entscheidung der Eigentümergemeinschaft zum Ausdruck zu bringen.

" Solche Bäume machen die Wohnqualität dieser Gegend aus", sagte Christa Feldkamp, deren Familie seit drei Generationen in einem Haus nahe der Rolandstraße lebt. Dass der Baum zum Straßenbild gehöre, befand auch Birgit Strangmann von den Grünen. " Seit die Baumschutzsatzung abgeschafft wurde, werden zu viele Bäume gefällt", beklagte sie. Die Grüne betonte, wie wichtig Bäume als Luftfilter für das Stadtklima seien. Die Demonstranten fragten sich, warum die Kastanie nicht beschnitten werde, wenn sie den Bewohnern des Hauses das Licht raube.

Eine Stunde verharrten die Demonstranten vor dem Grundstück. Doch von Gärtnern mit Motorsägen gab es weit und breit keine Spur. Das hatte seinen Grund, wie später beim Stephanswerk, welches das betreffende Haus verwaltet, zu erfahren war. Das zum Baumfällen beauftragte Unternehmen hatte von Gerüchten gehört, dass Demonstranten sich an der Kastanie festketten wollten. Deshalb sollten erst Maßnahmen zur Absicherung der Arbeiter getroffen werden. Die Sägeaktion sei auf unbestimmt verschoben, so Hans-Jürgen Wittland, Geschäftsführer des Stephanswerks. Über die Gründe, warum die Kastanie weichen muss, gab es verschiedene Auskünfte. Ihre Feuchtigkeit beschädige das Mauerwerk, gab ein Hausbewohner zu Protokoll. Dagegen wies Hans-Jürgen Wittland darauf hin, den Bewohnern werde durch die Baumkrone das Licht geraubt. Zurückschneiden sei nicht möglich, ergänzte Wittland.
Dadurch werde die Standsicherheit der Kastanie gefährdet und der Baum zum Unfallrisiko. Außerdem verfaule der Stamm. Beides bezweifelt Detlef Gerdts, Fachbereichsleiter Grün und Umwelt der Stadt. Er bietet den Eigentümern eine Beratung an, wie die Krone beschnitten werden kann, ohne Schaden zu nehmen. Das würde auch diejenigen freuen, die sich für den Schutz der Kastanie eingesetzt haben. Dabei hatten die Demonstranten durchaus Verständnis für die Anwohner. Friedrich Feldkamp drückt das so aus: " Ich hoffe, dass ein Kompromiss für alle gefunden wird und der Baum nicht gefällt werden muss."

Jeder darf sägen

Schutz oder Bürokratie?

Da staunen wir: Das Schicksal einer Kastanie bewegt ein ganzes Viertel. Selbst Leuten, die noch vor wenigen Jahren Unterschriften für die Abschaffung der Baumschutzsatzung gesammelt haben, kommen beim Gedanken an kreischende Motorsägen auf einmal die Tränen.

Es war nur eine Frage der Zeit, wann der Verzicht auf die als so bürokratisch geschmähte Baumschutzsatzung wehtun würde. Die Ratsmehrheit von CDU und FDP hat die Satzung nach der Kommunalwahl abgeschafft, unterstützt von vielen Bürgern und Bürgervereinen. Welcher Baum gefällt wird und welcher stehen bleiben darf, entscheidet seit drei Jahren der Grundstückseigentümer und nicht mehr die Stadt.

Jetzt stellt sich die Frage,. ob damals nicht das Kind mit dem Bade ausgeschüttet wurde. Wenigstens für Bäume, die das Bild einer Straße oder eines Viertels prägen, sollte es doch einen amtlichen Schutz geben, der nicht gleich in Bürokratie ausartet. Mal drüber nachdenken, liebe Politiker!

EMPÖRT: Die Demonstranten setzten sich für den Erhalt der Kastanie ein. Schließlich sei der Baum ein Luftfilter für das Stadtklima und sorge für eine gute Wohnqualität im Katharinenviertel.
Foto: Elvira Parton
Autor:
rei, R.Lahmann-Lammert


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