User Online: 2 | Timeout: 06:39Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Der Traum von der eigenen Mühle
Zwischenüberschrift:
Es gibt sie noch: Die Ausbildung zum Müller
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Von Jörn Petring

OSNABRÜCK- " Glück ab", grüßte Kurt Weinkauf seine Kameraden noch vor einigen Jahren vor dem Sprung. Heute grüßt er mit " Glück zu". Kurt Weinkauf war Berufssoldat, diente bei der Luftwaffe als Fallschirmspringer. Heute ist er Rentner und macht eine Ausbildung zum Müller. Sein Traum: Irgendwann eine eigene Mühle besitzen.

An die Grußformel der Müller hat sich der 58-Jährige bis heute noch nicht gewöhnt, alles andere ist auf dem besten Wege. Zusammen mit fünf Kursteilnehmern, auch seine Frau Gunhild ist mit von der Partie, lernt Weinkauf derzeit das Müllerhandwerk. Angeboten wird die ehrenamtliche Belehrung für freiwillige Müller von der Niedersächsischen Mühlenvereinigung, die sich dem Erhalt und der Pflege historischer Mühlen verschrieben hat.

Angehende Hobby Müller Kurt Weinkauf (links) und van Schie füllen Getreide ein,

In einem zwölfteiligen Kurs, der über mehrere Monate verteilt stattfindet, sollen die Kursteilnehmer die Grundlagen der traditionellen Müllerei kennen lernen. Auch im Osnabrücker Land gibt es viele Mühlen, die zwar nicht mehr auf dem neuesten Stand der Technik sind, aber auch heute noch ganze Stadtteile mit Mehl versorgen könnten.

Eine besondere Mühle, die auch heute noch regelmäßig genutzt wird, ist die Wassermühle im Nettetal, in deren Funktionsweise Kursleiter Rolf Wessel und Mühlenpächter Martin Läer die Teilnehmer einwiesen.

Die Motive der angehenden Müller sind ähnlich. Alle sind technikbegeistert und haben in ihrer unmittelbaren Nähe mit Mühlen zu tun. Sie verbindet die Leidenschaft zu einem nostalgischen Hobby' Der große Traum des Kurt Weinkauf ist für den Informationselektroniker Sebastian Everding schon seit einiger Zeit Realität: " Mein Vater hat schon im Februar an einem Müllerkurs teilgenommen, zusammen wollen wir unsere eigene Mühle wieder in Schuss bringen", erzählt der 23-Jährige. Seit 1954 wurde mit der Windmühle im Familienbesitz kein Mehl mehr produziert Das soll sich bald, wenn auch Sebastian über alle Geheimnisse der Müllerei aufgeklärt ist, ändern.

Blick ins Innenleben der Mühle: Rolf Wessel. Sebastian Everding und Martin Laer (von links) überprüfen bei einem Rundgang das Raderwerk.Fotos: Jörn Prtring

Unter den Teilnehmern ist auch Wim van Schie, Museumspädagoge in Cloppenburg. Dort, im Museumsdorf, gibt es eine Windmühle und Rossmühlen, die von Pferdegespannen angetrieben werden. Durch den Kurs hofft van Schie nun, die Mühlen auf dem Gelände besser in seine Arbeit einbinden zu können. Dass die Ausbildung an diesem Samstag nun an einer Wassermühle und nicht in einer Windmühle stattfindet, stört nur wenig.

" Das Prinzip ist immer das gleiche", erklärt Mühlenbau-techniker Wessel. So wurden Mühlen früher in mehr als 160 Handwerksbereichen eingesetzt, um mithilfe der Wind- und der Wasserkraft den Menschen die tägliche Arbeit zu erleichtern. Sie dienten der Getreidevermah lung, schöpften Wasser, schlugen Öl oder bearbeiteten Tuch.

Kursleiter Rolf Wessel der heute noch in einer Industrie-Gewürz-Mühle in Dissen arbeitet, betont, dass es sich beim Müllerkurs lediglich um einen " Crashkurs" handele und nicht um eine fundierte Ausbildung. Tatsächlich ist der Müllerberuf heute nicht völlig ausgestorben. Vorteilhaft ist, dass Müller praktisch nicht arbeitslos sind, auch wenn die Branche mit Problemen zu kämpfen hat. Lediglich 70 neue Lehrlinge ließen sich bundesweit im vergangenen Jahr für den aus der Mode geratenen Job gewinnen. Der heißt heute nicht mehr nur Müller, sondern " Verfahrenstechnologe in der Mühlen- und Futtermittelwirtschaft".
Autor:
Jörn Petring


Anfang der Liste Ende der Liste