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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Schweine, Rinder und Bullen am Rande der Stadt
Zwischenüberschrift:
Traditionell: Die Bauerschaft Düstrup
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Schweine, Rinder und Bullen am Rande der Stadt

Traditionell: Die Bauerschaft Düstrup

Voxtrup (rei)
Landwirtschaft in der Stadt? Das klingt widersprüchlich, ist es aber nicht. Allein im Stadtteil Voxtrup gibt es die drei Bauerschaften Voxtrup, Hickingen und Düstrup. Sie alle haben eine lange Geschichte. Ahnen der Familien in der Bauerschaft Düstrup lassen sich bis zum Jahr 600 zurückverfolgen.

In den vergangenen Monaten haben wir mehrere Dörfer in der Stadt vorgestellt. Ländliches Leben in der Stadt muss sich aber nicht auf Einfamilienhaus mit Garten beschränken. Es gibt in der Stadt auch das ureigenste Merkmal ländlichen Lebens: die Landwirtschaft.

Josef Westermann ist einer von denen, die einen Bauernhof am Rande der Stadt haben. Selbst die Mäuse und Ratten zählt er scherzhaft mit auf, als gefragt wird, welche Tiere er in seinem Betrieb hat. Wirtschaften lässt sich natürlich nur mit den Schweinen, Rindern und Bullen. Der 73-jährige Westermann und seine Frau haben sich inzwischen auf ihr Altenteil zurückgezogen und den Hof ihrem Sohn überlassen.

Josef Westermann selbst hat den Hof Ende der fünfziger Jahre von seiner Mutter übernommen. Die Höfe werden von Generation zu Generation weitergegeben. Die Stammbäume einiger Familien in der Bauerschaft sind länger als die Ahnentafel manch adliger Familie. Nachweislich elf Generationen haben schon auf dem Hof der Westermanns gelebt. Schon im 7. Jahrhundert siedelten sich in Düstrup die ersten Familien an, darunter auch die Urahnen der Familie Brand, die bis heute ihren Hof hier führt.

Allein im letzten Jahrhundert hat sich viel in dieser Landschaft verändert, besonders nach dem Zweiten Weltkrieg. Im Krieg ist das Elternhaus von Josef Westermann wie vier der fünf Häuser schwer beschädigt worden. Nur das Haus der Familie Mönstermann hat den Krieg unbeschadet überstanden. Aber auch die Landwirtschaft selbst hat sich geändert. " Landwirtschaft ist Bürokratie", beschreibt Westermann die heutige Situation. Die Zukunft gehöre den großen Betrieben, stellt er fest. " Das kann ein Landwirt allein nicht schaffen." Westermanns Nachbar Ferdinand Budde führt seinen Betrieb, der seit sieben Generationen im Besitz seiner Familie ist, nur noch im Nebenerwerb. Dokumente über die Tätigkeiten seiner Vorfahren hat er aber noch zu Hause, etwa ein uraltes Steuerbuch oder Geldscheine, die aus der Zeit vor der Währungsreform in den zwanziger Jahren stammen.

Auch die Rituale in der Bauerschaft haben sich gewandelt. Früher kamen die Nachbarn mit Weißbrot und Salz, wenn ein Kind geboren worden war. Und zwar jede Familie einzeln. Jetzt werden alle zusammen eingeladen", erklärt Agnes Westermann, die Frau von Josef Westermann. Es ist eben etwas ruhiger geworden. Aber das ist für Josef Westermann kein Grund zur Flucht: In der Stadt sei er das letzte Mal im vergangenen Jahr gewesen, als er ins Krankenhaus musste. " Was soll ich da?", fragt er und zuckt mit den Schultern.

WAS SOLL ICH IN DER STADT? Die Bewohner der Bauerschaft Düstrup fühlen sich wohl in ihrer kleinen Gemeinschaft. Jeder neue Nachbar wird sofort begrüßt. Foto: Thomas Osterfeld
Autor:
rei


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