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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Unter der Lotter Straße schaffen die Bergleute
 
Baustelle unter die Erde verlegt
 
Früher haben sie Uran abgebaut
Zwischenüberschrift:
Der Erfolg: 10 Kubikmeter Erde pro Tag
 
Bergleute leisten schwere Arbeit auf der Baustelle unter der Lotter Straße
Artikel:
Kleinbild
 
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Originaltext:
Weststadt Viel Staub, viel Lärm und ein zäher Verkehrsfluss - das sind in der Regel die Folgen einer Straßenbaustelle. Anders in der Lotter Straße: Dort wird die Kanalisation auf einer unterirdischen Baustelle erneuert. Bevor sie die neuen Wasserleitungen und Schmutzwasserkanäle verlegen, müssen die Bauarbeiter einen Tunnel bauen.

Sieben Meter in die Tiefe geht es für Werkspolier Wolfgang Keller und seine Kollegen jeden Morgen, Über die schmalen Stufen einer Eisenleiter steigen sie zu ihrem Arbeitsplatz unter der Lotter Straße hinunter. Dort heißt es für sie: ranklotzen. In Schwerstarbeit heben die zwölf Männer einen Tunnel aus.

660 Meter lang wird der Stollen sein, wenn er fertig ist. Derzeit existieren noch drei voneinander getrennte Abschnitte. Die Felswände sind mit Brettern verkleidet worden und werden durch Stahlbögen geschützt. Längs über den Boden des Stollens ziehen sich Schienen, über die die Kübel mit dem Abraum - Erde und Gestein - fahren.

Im mittleren Tunnel sind Frank Schreier und Markus Winkler am Werk. Schaufel für Schaufel packt Schreier die lehmige Erde auf ein Förderband, das sein Kollege bedient. Per Handarbeit gehe es natürlich etwas langsamer, sagt Baustellenleiter Ansgar Joachimmeyer von den Stadtwerken.

Aber an manchen Stellen lässt sich nur der kleine Bagger einsetzen, und der kann die ausgehobene Erde nicht direkt auf das Band befördern. Das müssen statt seiner die Arbeiter erledigen.

Zehn Kubikmeter Erde pro Tag schaffen sie, schätzen die Arbeiter. Bei leichterem Boden könnten es auch 20 Kubikmeter werden. Wenn der Tunnel fertig ist, werden die Bergleute 6000 Kubikmeter - oder 6 Millionen Liter - Erde aus dem Boden geholt haben Das entspricht 500 Lkw-Ladungen oder dem Volumen, das für 15 durchschnittliche Einfamilienhäuser ausgehoben wird.

Stollen mit flüssigem Beton verfüllt

Rund 2500 Lkw-Ladungen mehr wären das gewesen, wenn die Arbeiter die Straße aufgerissen und die Erde von oben ausgehoben hätten, schätzt Baustellenleiter Joachimmeyer. Er wartet schon ungeduldig darauf, dass der mittlere und der stadteinwärts gelegene Tunnel aufeinander treffen. " Das ist etwas Besonderes für uns", freut er sich auf den ersten Durchstich.

Die ersten Leitungen können allerdings erst verlegt werden, wenn der innen gelegene Tunnel Anschluss an die bereits erneuerte Kanalisation in der Bergsttaße gefunden hat.

Wenn das so weit ist, werden zuerst die Schmutzwasserleitungen verlegt. Ansgar Joachimmeyer kann das auf einer der vielen Skizzen im Baustellencamp an der Moltkestraße verdeutlichen. In einem Querschnitt des Stollens sind die Schmutzwasserrohre blau gekennzeichnet. Sind die verlegt, wird der Boden um einige Zentimeter mit einem flüssigen Beton aufgefüllt. Darauf können die Bauarbeiter stehen, um dann die Regenwasserleitungen zu verlegen. Erst danach werden die Mischwasserleitungen, die bisher das Abwasser in der Lotter Straße aufnehmen, vom Tunnel aus durchbohrt. Denn die liegen ein Stück außerhalb des Schachts.

Zum Schluss wird der gesamte Tunnel mit dem flüssigen Beton aufgefüllt. Erst danach wird das Leben über dem Asphalt kurzfristig gestört - wenn von oben die Schächte zu den Leitungen gebohrt werden.

Zur Sache
Baustelle unter die Erde verlegt

Seit Jahrzehnten wird in Osnabrück das alte Mischwassersystem systematisch gegen getrennte Regen- und Schmutzwasserleitungen ausgetauscht. Fast immer wird in einer offenen Baugrube gearbeitet. In der Lotter Straße ist das anders: Seit Juni 2004 hebt die Firma Echterhoff im Auftrag der Stadtwerke Osnabrück einen 660 Meter langen Stollen unter der Straße aus. So wollte es der Stadtrat. Denn der Verkehr zwischen Bergstraße und Hans-Calmeyer-PIatz verläuft zweispurig. Eine oberirdische Baustelle hätte eine einjährige Vollsperrung der Straße mit sich gebracht. Damit wäre eine wichtige Zufahrtsstraße für die Stadt ausgefallen, außerdem hätten die ansässigen Geschäftsleute Verluste erlitten. 3, 5 Milliarden Euro kostet die unterirdische Baustelle. Das ist teurer als eine oberirdische Verlegung der Leitungen. Möglich sind unterirdische Baustellen an Orten mit festem Gestein und niedrigem Grundwasserstand. DerTunnel wird in drei Abschnitten gebaut, die Eingänge liegen an der Herderstraße, der Moltkestraße und dem Hans-Calmeyer-PIatz. In den nächsten Wochen soll es zum ersten Durchstich kommen. Ab Juni wollen die Stadtwerke dann die Schmutzwasserleitungen verlegen. Stadtauswärts wird es übrigens etwas enger im Tunnel: Dort ist der Stollen zwei Meter breit und zweieinhalb Meter hoch. An der Bergstraße liegen 2, 25 Meter zwischen den Wänden, die Decke ist drei Meter hoch, (rei)

Osnabrück Gelernte Zimmerleute, Maurer und Klempner arbeiten im Stollen unter der Lotter Straße. Ausgebildete Bauarbeiter gibt es keine. Werkspolier Wolfgang Keller hat seine Lehrjahre im Wismuter Bergbau verbracht.

" Eine gewisse bergmännische Erfahrung braucht man", sagt Wolfgang Keller über seine Arbeit, 15 Jahre hat er im Uranbergbau auf der Hütte Wismut gearbeitet. Nach der Wende wurde die Hütte geschlossen. Seitdem bringt Wolfgang Keller seine Erfahrungen im Straßenbau ein. Essen, Krefeld, Hamburg, Koblenz - seine Einsatzorte liegen quer durch Deutschland verstreut. Und immer ist Kellers Arbeitsort unterirdisch. " Teilweise mitarbeiten, teilweise anweisen", beschreibt Keller seine Arbeit als Werkspolier. In dieser Position ist er der Assistent des Poliers Andreas Schreier - auch ein gelernter Bergmann.

Mehrere Arbeiter von der Baustelle Lotter Straße waren früher im Bergbau tätig. Gelernt haben die meisten etwas anderes. Steffen Grunewald aus Zeits etwa ist eigentlich Maurer. Die Arbeit auf den unterirdischen Baustellen hat er sich durch Zugucken angeeignet. Jetzt ist er vier Tage in der Woche von Frau und Tochter getrennt. " Am Anfang war das schwierig", sagt er.

Doch inzwischen freut sich seine neunjährige Tochter, wenn er am Wochenende nach Hause kommt. Zwölf Stunden täglich verbringen Grunewald und seine Kollegen auf der Baustelle, nur zwei halbe Stunden Pause sind darin enthalten. Eine schwere Arbeit, wie alle trocken bemerken. Das Wochenende beginnt für die Kumpel dafür schon am Donnerstagabend. Das sei nicht auf jeder Baustelle so, berichten die Arbeiter. Anderswo müssten sie auch freitags ran. " Es gibt unter den Kollegen schon mal Stress auf so engem Raum", gesteht Grunewald. Doch im Grunde herrsche ein freundschaftliches Miteinander. Das sei nötig, sagt Wolfgang Keller: " Man muss sich auf die anderen verlassen können."

MIT VEREINTEN KRÄFTEN: Frank Schreier schaufelt Erde auf das Förderband, das Markus Winkler bedient.
Fotos: Gert Westdörp

NACHHELFEN müssen die Arbeiter, wenn ein Kübel Erde über die Schienen ans Tageslicht gebracht wird. Sechs bis sieben Meter in der Woche graben sich die Arbeiter unter der Lotter Straße weiter.

VERANTWORTLICH, dass alles glatt läuft: Baustellenleiter Ansgar Joachimmeyer von den Osnabrücker Stadtwerken vor einer Schnittzeichnung des Tunnels.

WOLFGANG KELLER hat sein Handwerk im Uranbergbau der DDR gelernt.
Autor:
Anne Reinert


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