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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Zum Sedantag ein patriotisches Volksfest und "Kriegsfestspiele"
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September 1902: Wachsende Einwohnerzahlen und neue Stadtviertel
Artikel:
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Originaltext:
Zum Sedantag ein patriotisches Volksfest und " Kriegsfestspiele"

September 1902: Wachsende Einwohnerzahlen und neue Stadtviertel

Von Christiana Keller
32 Jahre nach dem Sieg über die Franzosen in der Schlacht bei Sedan sahen die Deutschen noch immer einen Grund zum Feiern. Am 2. September, dem Sedantag, gab es zwar nicht mehr schulfrei, dafür aber ein patriotisches Volksfest, bei dem die Kriegervereine den Ton angaben. Fiel der Sedantag auf einen Sonntag, wie 1902, feierte man auch in Osnabrück mit Kinderbelustigung und Preisschießen. " Damit unsere Jugend den Tag in ebensolch freudiger Frinnerung behält, wie.wir", schrieb das Festkomitee in einer Anzeige der Osnabrücker Zeitung.

Manöver, Manöver und kein anderes Thema. Das Waffengerassel und die Militärbegeisterung drängten fast alle anderen Themen in den Zeitungen der Stadt an den Rand. Man konnte glauben, der Krieg sei ausgebrochen: Alles drehte sich um Einquartierung, Verpflegung und Truppenbewegung. Die Stadt erwartete vor dem Herrenteichstor reges militärisches Treiben. Das Hauptmanövergeschehen befand sich in Belm und dicht vor der Stadt, östlich vom Klushügel hatte man eine hölzerne Baracke aufgestellt, in der die etwa 8000 Mann des 7. Armeecorps täglich verpflegt wurden. Zu allem Überfluss schickte sich der Kriegerverband an, so genannte " Kriegsfestspiele" aufzuführen.

Noch immer befanden sich deutsche Marinesoldaten in Ostasien, unter ihnen auch einige Osnabrücker. Bereits im September wurden die Angehörigen aufgefordert, ihre Weihnachtspräsente bis zum Monatsende den abgehenden Schiffen nach China mitzugeben, damit sie rechtzeitig vor dem Fest auf der anderen Seite der Erdkugel ankommen konnten. Die Post beförderte diese Pakete kostenlos über eine Bremer Spedition. Ein " Konkurrenz- und Schaupflügen" veranstaltete der Landwirtschaftliche Hauptverein auf der Muesenburg. Damit war eine Maschinen- und Geräteausstellung für landwirtschaftliche Zwecke verbunden

Die Zeitungen füllten sich wieder mit den " Vorboten" der kalten Jahreszeit: Annoncen für Federboas und Boas aus Marabufedern fehlten an keinem Tag im Anzeigenteil. Auch die Kürschner hatten Hochsaison, Pelze aller Art zum Wärmen oder Repräsentieren für Damen, Herren und Kinder, füllten die Lager. Frisch in den Geschäften eingetroffen waren Massen von Mittelmeerschwämmen aller Größen. Auch Bettfedern und Daunen standen hoch im Kurs.

Kanal aus Beton und Piesberger Steinschlag

Wachsende Einwohnerzahlen drängten den Magistrat, sich der Abwasserklärung anzunehmen. 200 Meter lang war schon der neue Sammelkanal für Fäkalien und Abwässer, der in der Nähe vom Hasetor begann und die unerwünschte Brühe bis zu den Klärteichen schwemmen sollte. Stolz wurde in den Zeitungen berichtet, dass der Kanal aus dem modernen Baustoff Beton bestand, den man in Osnabrück aus " Cement vermischt mit Piesberger Steinschlag" herstellte. Der Kanal maß 1, 80 mal 1, 40 Meter und sollte drei Kilometer lang werden. Verschiedene Grundstücke aufdem Weg zu den Teichen sollten dafür enteignet werden.

Immer mehr Menschen zogen nach Osnabrück, doch es fehlte an günstigen Wohnungen. Vor dem Johannistor hatte der Gemeinnützige Bauverein mehrere Bauten begonnen, und innerhalb kurzer Zeit bot sich dem staunenden Publikum ein völlig neuer Anblick. Ein ganzes Stadtviertel entstand. Rege Bautätigkeit veränderte auch die Sutthauser Straße, die Brinkstraße und die Clarastraße.

Wegweisend und erfreulich wohnen

Der Bauverein hatte es sich zur Aufgabe gemacht, besonders Arbeiterfamilien " billige, gesunde und gut eingerichtete, das Familienleben fördernde Wohnungen" zu beschaffen. Zwanzig Einfamilienhauser waren bereits bezugsfähig, Zweifamilienhäuser sollten noch folgen. Für alle Neugierigen und Interesssierten bot eine Musterwohnung interessante Einblicke. Ein Tischler hatte die Möbel gefertigt und viele umliegende Geschäfte stellten die Ausstattung der Musterwohnung zur Verfügung. Die Reporter waren begeistert und lobten die Lage der Zimmer und die Zweckmäßigkeit der Raumaufteilung: " wegweisend und erfreulich zu besehen".

BEIM EXERZIEREN: Angehörige des Regiments 62 vor der Artilleriekaserne. Das Foto entstand 1904 (aus " Alt-Osnabrück", Band 3, erschienen im Verlag H. Th. Wenner).
Autor:
Christiana Keller


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