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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Köhlerhandwerk: Wo Rauch ist, darf kein Feuer sein
 
Köhlerfest: Programm erweitert
Zwischenüberschrift:
Ist der Qualm weiß, ist der Holzkohlenmeiler gesund
Artikel:
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Originaltext:
Köhlerhandwerk: Wo Rauch ist, darf kein Feuer sein

Ist der Qualm weiß, ist der Holzkohlenmeiler gesund

" Wie heißt denn der Beruf, den Sie hier üben, äh ausüben?" Timo (9) wollte es gestern ganz genau wissen. Er und seine Freunde löcherten Köhler Günter Birkelbach im Heger Holz mit Fragen.

Im Moment kommt der Köhler aus Fleckenberg im Sauerland kaum zur Ruhe. Mitten im Wald führt er noch bis Sonntag anlässlich des Köhlerfestes der Heger Laischaft ein recht öffentliches Leben. Zumal er sein Lager, eine selbst gezimmerte Holzhütte, direkt neben dem Meiler aufgeschlagen hat. Ein Feldbett ist das Prunkstück der ansonsten mehr als kargen Ausstattung. Hier lebt Birkelbach, bis seine Mission erledigt ist.

" Ruhig wird es erst nach Einbruch der Dunkelheit", sagt er. Und dabei ist die Nacht für den Sauerländer kurz. " Ich stehe auf, sobald es hell wird". Das ist derzeit gegen 5.45 Uhr, wenn die Dämmerung einsetzt. Allerdings hat der Köhler aus Leidenschaft dann keinen ununterbrochenen Nachtschlaf hinter sich. Im Durchschnitt alle drei Stunden muss Birkelbach hoch, um nach seinem Meiler zu sehen.

Ist der Rauch, der aus dem mit Heu und Erde abgedeckten Meiler steigt, weiß, ist alles in Ordnung. Kommt blauer Qualm aus den Luftlöchern, muss Birkelbach die betroffene Öffnung schließen, um den Brennprozess zu verlangsamen. " Man muss das im Gefühl haben", meint der gemeinsam mit seinem Bruder Hubertus wohl letzte Spross einer alten sauerländischen Köhlerdynastie. Denn sehen kann man nicht, was in dem Meiler passiert.

Das Köhlern muss man im Blut haben

Aber es gibt Zeichen: Die Erde ist an verschiedenen Stellen unterschiedlich trocken, Farbe und Intensität des Rauchs ändern sich, und viele kleine Hinweise mehr zeigen Birkelbach, wie es " seinem" Meiler gerade geht. Dem Meiler im Heger Holz geht es sehr gut. Wieder, denn am Wochenende hatte Birkelbach einen kleinen Unfall. " Nichts Schlimmes", wehrt er ab, trotzdem fiel er ein paar Tage aus, der Meiler erlosch. Doch Hilfe war schnell organisiert Hubertus Birkelbach, der jüngere Bruder, sprang ein, brachte den Meiler wieder in Schwung, und so konnte Günter sein dampfendes Schätzchen gestern wieder mit guter Betriebstemperatur übernehmen.

Also ist Günter Birkelbach wieder da, wo er am liebsten ist - im Wald. 30 Jahre hat er als gelernter Forstwirt in den Wäldern des Sauerlandes verbracht. Die Köhlerei liegt den Birkelbachs im Blut. Urgroßvater, Großvater, Vater und die Söhne - sie haben das uralte Köhlerhandwerk über die Zeit gerettet. Jetzt aber sieht es düster aus. Sowohl Günter als auch Hubertus haben Töchter, die die Köhlertradition nicht fortsetzen wollen. Wie geht es weiter? " Tja, ein paar Neffen zeigen schon Interesse. Aber es ist schwer, das Handwerk zu lernen, wenn wir nur ein oder zwei Mal im Jahr einen Meiler brennen", sagt Birkelbach. Er selber ist schon im zarten Alter von fünf fahren auf Köhlertour gegangen. " Am Anfang lernt man das Schichten, dann das Abdecken. Irgendwann durfte ich zum ersten Mal den Meiler anstecken, aber das alles hat gedauert." Birkelbach ist sich sicher, dass nur auf diese Art der Erfahrungsschatz erworben werden kann, der nötig ist, um einen Kohlenmeiler abzubrennen. Für die Birkelbach' sche Köhlertradition aber sieht er schwarz: " Ich glaube, mein Bruder und ich werden die Letzten sein." Aber bis dahin werden die beiden wohl noch so manchen Meiler abbrennen. (dk)

WEISSER ODER BLAUER RAUCH? Köhler Günter Birkelbach erkennt die " Stimmung" seines Meilers am Qualm.

SELBST GEZIMMERTE BANK vor selbst gezimmerter Hütte: Das Köhlerdasein sieht nach Romantik aus.
Fotos: Klaus Lindemann

Zur Sache: Vom Holz zur Kohle

Die Herstellung von Holzkohle und damit der Beruf des Köhlers ist eines der ältesten Handwerke der Menschheit. Selbst die alten Römer heizten ihre Thermen bereits mit Holzkohle. Holzkohle wurde aber auch zur Gewinnung von Eisen, Stahl und anderen Metallen benötigt sowie zum Salzsieden. Das Verfahren zur Gewinnung der Holzkohle hat sich seit den Anfängen der Köhlerei bis zur heutigen industriellen Herstellung von Holzkohle nicht wesentlich geändert: Unter dosierter Luftzufuhr wird in einem dicht gestapelten Holzstoß, der mit Erde, Grasnarben oder Moos abgedeckt wurde, ein Feuer entzündet. Wenn eine Temperatur von etwa 270 Grad Celsius erreicht ist, fängt der Meiler an zu rauchen. Es tritt die exotherme Verkohlungsreaktion ein, das heißt, bei dieser Temperatur beginnt eine Reaktion, bei der Wärme frei wird. Diese Wärme sorgt für den Prozess der Verkohlung. Dabei werden Temperaturen von 400 bis 600 Grad erreicht. Die Steuerung dieses Vorgangs wird durch Luftzufuhr geregelt, indem an bestimmten Stellen Löcher in den Meiler gestochen werden.

Köhlerfest: Programm erweitert

Die Atmosphäre ist super, das Wetter spielt mit - Grund genug für die Heger Laischaft, das Programm des Köhlerfestes um einen Tag zu erweitern. Zusätzlich soll es auch heute auf dem Festplatz rundgehen: Ab 16 Uhr gibt es einen Dämmerschoppen und ab 19 Uhr einen Streifzug durch 30 Jahre Rock- und Popgeschichte mit der Band " Kruse und Blanke". Am Wochenende locken unter anderem: " Die Vogelhochzeit", aufgeführt von der Heinrich-Schüren-Schule (Freitag, 17 Uhr), und ein Kutschen- und Oldtimerkorso (Samstag, 17 Uhr). Am Sonntag klingt das Köhlerfest dann mit dem Ablöschen des Meilers aus. An allen Tagen ist der Biergarten geöffnet und für Musik gesorgt.
Autor:
dk


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