User Online: 1 | Timeout: 19:25Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Sie verehren den Stadtteil, der gar keiner ist
Zwischenüberschrift:
Nachbarn wohnen in "Limbergen"
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Sie verehren den Stadtteil, der gar keiner ist

Nachbarn wohnen in " Limbergen"

Von Anne Reinert

Wüste
" Bin ich schon aus Osnabrück raus?", könnten sich einige Leute angesichts dieses Ortsschildes fragen. " Limbergen" verkündet es in schwarzen Großbuchstaben. Doch nein, hier ist zwar das Ende der Limberger Straße erreicht, aber nicht das Ende von Osnabrück. Das selbst gemachte Ortsschild haben die Bewohner an diesem Straßenabschnitt scherzeshalber aufgestellt. Sie verstehen sich als kleine, eingeschworene Gemeinschaft.

Das Ortsschild " Limbergen" steht seit drei Jahren neben der Wiese. " Das war ein Gag", erzählt Anwohner Werner Nierychlo. Bei einem Straßenfest sei den Bewohnern dieses Straßenabschnitts die Idee zu dem Schild gekommen - und damit so etwas wie den " Freistaat Limbergen" ähnlich dem Wendland zu gründen. In einer gemeinsamen Aktion stellten die Nachbarn das Schild auf. Sogar eine Bürgermeisterin haben die Limberger ernannt. " Irgendjemand hat zu mir gesagt, du könntest doch die Bürgermeisterin sein", erinnert sich " Amtsinhaberin" Irmtraud Mahlzahn. Ausgeübt habe sie ihr Amt noch nie.

" Die Gegend hier hat Dorfcharakter", sagt Nierychlo. Damit meint er nicht nur, dass es keine Hauptstraßen gibt, dafür aber Ziegen und Pferde auf einer Wiese weiden. " Jeder kennt jeden", freut sich Nierychlo über den Zusammenhalt der 22 Bewohner dieses Straßenabschnittes. Er und seine Lebenspartnerin Dorothee Albers leben in dem Haus, in das sie Mitte der achtziger Jahre als Teil einer Wohngemeinschaft gezogen sind. Kurz nach dem Einzug haben WG-Bewohner mit denAlteingesessenen Freundschaft geschlossen. Die WG habe Einladungen zur Einzugsparty an die Nachbarn verteilt - allerdings eher, um sie vor möglichen Lautstärken zu warnen, gesteht Werner Nierychlo. Um Punkt acht Uhr klingelte es an der Tür. " Da standen vom Kleinkind bis zur 90-Jährigen alle Nachbarn", berichtet Nierychlo schmunzelnd. Die nahmen ganz selbstverständlich auf den herumliegenden Matratzen der WG Platz und feierten mit.

Inzwischen leben Nierychlo und Albers mit ihren beiden Kindern und studentischen Untermietern in ihrem Haus. Seit Mitte der neunziger Jahre haben sie ihre eigene kleine Landwirtschaft mit Ziegen und Pferden. Früher hatten fast alle Anwohner einen landwirtschaftlichen Betrieb. " Außer uns hatten alle Häuser ihre eigenen Ziegen", weiß Elsbeth Wilhelms, die schon in ihrem Haus an der Limberger Straße geboren ist. " Wir gehen nach Limbergen", habe es schon in ihrer Kindheit in den dreißiger und vierziger Jahren geheißen, erinnert sich ihre Schwester Gerda Fricke, die inzwischen einige Straßen weiter lebt.

In der Mitte des 18.Jahrhunderts ist in der ehemaligen Klosterkammergegend die Bahnlinie entstanden. Der Urgroßvater von Irmtraud Mahlzahn war dort Bahnwärter. Als er in den Ruhestand ging und seine Dienstwohnung neben den Schienen aufgeben musste, baute er sich in der Limberger Straße ein Haus. 1949 zog Mahlzahn als Fünfjährige mit ihrer Familie in das Haus. " Wir leben hier ein bisschen hinter der Welt", gesteht sie. Bürgersteige gibt es bis heute nicht, erst in den achtziger Jahren ist diese Gegend an die Gas- und Wasserversorgung der Stadtwerke angeschlossen worden. Das alles findet Irmtraud Mahlzahn nicht schlimm. " Ich finde es hier wunderschön", schwärmt sie.

Zur Sache: Name mit Tradition

" Limbergen" in der Wüste ist keine tatsächliche Ortschaft. Die Bewohner in diesem Straßenabschnitt lehnen sich mit dem Namen an die Limberger Straße an. Doch der Name hat Tradition: Die Kopie einer Landkarte von 1750 weist den Namen für die Gegend im südwestlichen Teil der Wüste aus. Bis ins 14. Jahrhundert gab es dort den Hof Limbergen. Der Legende nach musste der Besitzer sein Gut 1370 an das Kloster Marienfeld verkaufen. Im deutschen Postleitzahlenbuch gibt es unter dem Stichwort Limbergen zwei Einträge: Einer von ihnen ist ein Ortsteil von Neuenkirchen/ Bramsche, der andere gehört zu Dülmen in NRW. (rei)

EINGESCHWORENE NACHBARSCHAFT: Sie reicht sogar so weit, dass diese Anwohner der Limberger Straße ihren eigenen Stadtteil gründeten und dazu das Schild mit der Aufschrift " Limbergen" aufstellten.
Foto: Detlef Heese
Autor:
Anne Reinert


Anfang der Liste Ende der Liste