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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Kanonen auf die Stadt gerichtet
Zwischenüberschrift:
Bürger machten im Jahr 1648 die verhasste Petersburg dem Erdboden gleich
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Fledder
Heute schwer vorstellbar: In unruhiger Zeit waren sich der Bischof und die Bürger der Stadt spinnefeind. Direkt vor den Toren Osnabrücks befand sich zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges die Petersburg, eine waffenstarrende Zitadelle, welche aufmüpfige Bürger in Schach halten sollte. Sie lag wie die " geballte Faust" des Bischofs an der Südostecke der Stadt im heutigen Bereich An der Petersburg, Frankenstraße bis Güterbahnhof.

" Brutstätte des Unrechts und der Tyrannei" nannte während der Verhandlungen des Westfälischen Friedens der Herzog von Braunschweig die starke Festung. Der schwedische Stadtkommandant Graf Gustav Gustavson bezeichnete sie gar als ein " Werk des Teufels". Erbauer der Zwingburg war der herrschsüchtige katholische Bischof Franz Wilhelm von Wartenberg, der erst mit dem vorläufigen Sieg der kaiserlichen Heerführer Tilly und Wallenstein 1628 verspätet in Osnabrück einziehen konnte. Zuvor hatte sich in der Bürgerschaft und damit im Rat die Reformation durchgesetzt, was der Bischof im Zuge der Gegenreformation mit allen Mitteln rückgängig machen wollte.

Bürger wurden zur Arbeit verpflichtet

Daher zog Franz Wilhelm recht ungehalten in die Stadt ein und wurde von den freiheitsliebenden Osnabrückern entsprechend unfreundlich empfangen. Kein Wunder, brachte der Verfechter des katholischen Glaubens doch 1600 Mann des Regiments Tilly mit, die in Privatunterkünften bei freier Kost und Logis einquartiert wurden und übel hausten. Auch sperrte er sofort aufmüpfige Ratsherren in den Iburger Bennoturm. Die Stadt musste wöchentlich 1600 Taler für die Besatzer berappen. Um den wütenden Bürgern klar zu machen, dass es mit der Reformation ein für alle Mal vorbei und Gegenwehr sinnlos sei, begann der Bischof sogleich mit dem Bau der Festung, die an Stelle Iburgs auch seine sichere Wohnresidenz sein sollte. Die Bürger wurden zur Arbeit und Kostenbeteiligung zwangsverpflichtet für ein Bauwerk, dessen Kanonen zur Einschüchterung gegen sie selbst gerichtet waren. Sie wurde nach neuesten militärischen Erkenntnissen konzipiert. Offiziere Tillys berieten den Bischof auch aus Eigennutz, denn der mächtige Feldherr der katholischen Liga war an einer weiteren starken " forteresse" in Norddeutschland interessiert.

Von der Hase gespeist bildete sie eine sternförmige Wasserburg mit fünf spitzen Bastionen, Zugbrücken und zwei Vorwerken. Zwischen Stadtmauer und Festung lag dazu noch der breite Stadtgraben. Um freies Schussfeld auf die Stadt zu haben, ließ der Bischof sogar einen großen und zwei kleine Türme der Stadtbefestigung schleifen.

Die Zitadelle war noch nicht ganz fertig und das bischöfliche Wohnhaus mittendrin noch gar nicht erbaut, als 1633 Tillys Soldateska mitsamt dem Bischof von den Schweden vertrieben wurden. Die " Befreier" enttäuschten die Bürger aber bitter, denn sie nutzten die Petersburg weiterhin und pressten die Stadt zehn Jahre lang genauso aus wie ihre Vorgänger. Großes Aufatmen aber, als der couragierte Bürgermeister Dr. Schepeler bei den Friedensverhandlungen in Münster die Zustimmung der Gesandten zum Abriss der verhassten Zwingburg erreichte. Sofort einen Tag nach Friedensschluss im Oktober 1648 zogen die Osnabrücker mit Trommelklang zur Petersburg und machten sie in Rekordzeit dem Erdboden gleich.

Aus der Festung wird ein Gemüsegarten

In späterer Zeit existierte hier ein bischöflicher Gemüsegarten. Danach legte Ernst August II. einen französischen Barockgarten - größer als der Schlossgarten - mit Landhaus und Kavalierspavillons an. Im 19. Jahrhundert gab es dort ein Ausflugslokal zwischen Gärten, verfallenen Mauern und einem letzten Türmchen, bis sich 1913 mit dem Bau des Güterbahnhofs der vordere Fledder völlig veränderte.

BESCHEIDENE RESTE DER TRUTZIGEN FESTUNG: Die winterliche Petersburg um 1890 mit bischöflichem Landhaus und zugefrorener Gräfte (Bild aus " Alt-Osnabrück", Bd. II, Verlag H. Th. Wenner). Foto: Piepmeyer
Autor:
Ullrich Schärf


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