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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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In diesem Jahr geht der Trend zum Billigbaum
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Weihnachtsbaumverkauf beginnt: Was manche aussortieren, wird noch in Baumärkten angeboten
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Originaltext:
In diesem Jahr geht der Trend zum Billigbaum

Weihnachtsbaumverkauf beginnt: Was manche aussortieren, wird noch in Baumärkten angeboten

Osnabrück

Da ist für jeden Geschmack etwas dabei: groß oder klein, schlank oder voluminös. An den Verkaufsständen für Weihnachtsbäume können die Kunden meist unter mehreren hundert Tannen ihren Favoriten auswählen. Doch der Verkauf für die Händler an den Ständen rechnet sich immer weniger. Denn der Trend geht zum Billigbaum aus dem Blumen- oder Baumarkt.

Weit ausladende Zweige, satte grüne Nadeln, keine abgebrochenen Äste und " bis oben hin schön"- so sollte ein richtiger Tannenbaum nach dem Geschmack von Harry Möller aussehen. Seit 44 Jahren verkauft er am Jahnplatz in den letzten Wochen vor Heilig Abend seine selbst gezogenen Bäume. Vor ihm hat dort sein Vater Weihnachtsbäume verkauft. Harry Möllers Tannenbaumstand ist der älteste in der Stadt.

Der Begriff Tannenbaum darf heute wieder wörtlich genommen werden. Wurden bis vor einigen Jahren vor allem Fichten und gar keine Tannen verkauft, stehen inzwischen in den meisten Wohnzimmern Nordmanntannen. Denn die sehen nicht nur gut aus, sondern pieksen auch nicht. Und so hat auch Norbert Grunert an seinem Stand vor dem E-Center an der Tannenburgstraße inzwischen mehrheitlich " Nordmänner" im Angebot. Die Blaufichten, die aus seinem eigenen Anbau stammen, machen nur noch zehn Prozent seines Verkaufs aus.

" Herr der Tannen" - so nennt Grunert sich scherzhaft. Doch voraussagen, für welchen Baum sich ein Kunde entscheiden wird, kann er nicht. Und manchmal sind sich ganze Familien uneins, welches Exemplar das Wohnzimmer denn nun schmücken soll.

Vor einigen Jahren wollte ein Vater mit seinen zwei Töchtern einen Weihnachtsbaum bei Grunert kaufen. Doch jedes der drei Familienmitglieder hatte eine andere Vorstellung vom idealen Tannenbaum. Und so wurden Bäume hochgehoben und begutachtet, es wurde lange diskutiert, bis die Familie sich endlich entscheiden konnte.

In einem anderen Jahr brachte eine Ehefrau den Baum, den ihr Mann tags zuvor gekauft hatte, zu Grunert zurück. Der erkannte seine eigene Ware und ließ sich auf den Tausch ein.

Die Geschmäcker sind eben verschieden. Das wissen die Händler am Jahnplatz, vor dem E-Center oder auch bei der Arbeitslosenselbsthilfe (ASH). Ganz billig sind sie nicht. 10 Euro kostet ein Meter Nordmanntanne. 20 Euro können es da schnell werden.

Und so greifen immer mehr Leute auf die günstigen Bäume in Bau- und Gartenmärkten zurück, was die Händler draußen zu spüren bekommen.

Erst fünf Stände, jetzt nur noch einer

Fünf Stände hatte Norbert Grunert in der Stadt einmal, heute nur nur noch den einen vor dem E-Center. Auch Harry Möller verkauft weniger Bäume als früher. 2000 Stück hatte er bis 1999 im Angebot, inzwischen verkauft er nur noch die Hälfte. Und Möller weiß auch, woher die billige Ware kommt. Das seien die Bäume, die von den Züchtern früher weggeschmissen wurden, weil sie zu hässlich waren. Auch Möller verkauft seine Ausschussware inzwischen an Großmärkte. Er selbst hält von den Bäumen allerdings nicht viel. " Das ist doch kein Tannenbaum", sagt er über die aussortierten Bäume.

Zur Sache:

Bäume aus heimischer Produktion

Auch in diesem Jahr werden die Deutschen 25 Millionen Weihnachtsbäume in ihren Wohnzimmern aufstellen. Davon stammen ca. 70 Prozent aus Deutschland, der Rest wird meist aus Dänemark und anderen Ländern importiert. Im Landkreis Osnabrück haben sich viele Landwirte mit dem Anbau und Verkauf von Weihnachtsbäurnen ein zweites Standbein aufgebaut", so Constanze Brühl vom Hauptverband des Osnabrücker Landvolkes (HOL). Rund 80 Betriebe im Umkreis von Osnabrück bauen Weihnachtsbäume an. Wer auf heimische Produkte setzt, sollte dies auch beim Weihnachtsbaumkauf beachten. " Wir haben die Weihnachtsbäume am letzten Wochenende geschlagen. Sie bleiben dann drei Tage in den Schonungen liegen, das dient der Haltbarkeit", so Johannes Espel aus Rulle, der schon seit 25 Jahren im Weihnachtsbaumgeschäft ist. Zehn Jahre werde jeder Baum gehegt und gepflegt, bis er zu einem stattlichen Weihnachtsbaum wird, erklärt Espel, und nicht jeder Baum wachse so schön, dass er als Weihnachtsbaum mit Kerzen und Schmuck in die Wohnzimmer gelange. Lediglich jeder dritte Baum habe 1a-Qualität. " Und nur diese verkaufen wir an unsere Kunden." Problematisch sei, dass die großen Blumen- und Baumärkte Weihnachtsbäume zu Dumpingpreisen anböten, um die Kunden in die Läden zu locken.

TANNENBÄUME NACH MASS verkauft Norbert Grunert - wie passend - an der Tannenburgstraße. Foto: Jörn Martens
Autor:
Anne Reinert


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