User Online: 1 | Timeout: 07:30Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Freundliches Lächeln für ärgerliche Huper
Zwischenüberschrift:
Benjamin Nacke fährt für den Deutschen Paket Dienst: Von wegen ruhiger Job im Sitzen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Es ist 7.30 Uhr. Wenn sich andere Leute auf den Weg zur Arbeit machen, hat Benjamin Nacke schon drei Stunden hinter sich. Er hat Pakete sortiert und in seinen Transporter gepackt. Wir begleiten den Fahrer des Deutschen Paket Dienstes (DPD) eine Stunde auf seiner Tour durch Hellern und das Katharinenviertel.

188 Pakete für 88 Kunden hat er heute dabei. Das ist nicht viel, wie er sagt. Nach seiner Schätzung kann er 13.15 Uhr damit durch sein. Er bestimmt seinen Feierabend selbst. Je schneller er ausliefert, desto früher hat er frei. Um Weihnachten sind die Arbeitstage des 25-Jährigen unendlich länger: 199 Kunden musste er schon mal an einem Tag beliefern. Dafür war er bis 20.30 Uhr auf Achse. In den Sommerferien läuft es auch für die Paketzusteller ruhiger. Aber Firmen werden immer beliefert. 25 Pakete wird er sofort bei Novo los, neun weitere im angeschlossenen Gartencenter. Als Adressat steht " Novo" drauf. Woher weiß er, was für den Hauptladen und was für den Ableger bestimmt ist? Benjamin Nacke zuckt mit den Schultern und meint grinsend: " Routine."

Fünf Jahre fährt er schon Pakete aus, weil er in seinem erlernten Beruf Maler und Lackierer keinen Job gefunden hat. Sein Chef ist eine Frau: Karin Stallkamp, deren Transport Service Stallkamp für den DPD in der Stadt ausliefert. Weibliche Fahrer hat sie nicht: " Frauen sind nicht dafür geschaffen, schwere Pakete zu schleppen."

Schwere Brocken sind auch auf dieser Tour dabei, aber Benjamin Nacke hat damit keine Probleme. Zack, auf die Palette und rein ins Lager, schnell noch eine Unterschrift vom Lagerleiter, und weiter geht es. Wer mit dem 2, 10-Meter-Mann mithalten will, muss ganz schön flitzen. Aus Spaß hat er mal einen Schrittzähler am Fuß angebracht. Zwölf Kilometer sind an einem Tag dabei herausgekommen: " Von wegen ruhiger Job im Sitzen."

Auf der Ikea-Baustelle hat er inzwischen weniger zu tun. In den vergangenen Monaten lieferte er Pakete für die Baufirmen in die Container drum herum und musste anfangs suchen, welches Unternehmen in welchem Container sitzt.

Dafür gibt es heute bei Ikea selbst Probleme. Den gewohnten Liefereingang darf er nicht mehr benutzen. Dann eben durch den anderen. Aber auch das Büro ist nicht mehr zuständig. Also den ganzen Weg zurück zum Sicherheitspersonal, das künftig für " Kleinpakete" zuständig ist.

Benjamin Nacke lächelt und wünscht noch einen guten Tag. Auch Autofahrer, die hupen und schimpfen, wenn er an einer Straße kurz anhält (" Meist sind es Ältere ab 50"), grüßt er freundlich. Natürlich weiß er, dass er eigentlich nicht mit Warnblinker kurz halten kann. Nur wenn die nächste Parklücke zu weit entfernt ist, macht er es doch manchmal. Aber: " Ich habe noch kein Knöllchen, keinen Blitzer und keine Punkte bekommen. Ich bin eben ein guter Fahrer."

8.30 Uhr. Das Gewerbegebiet Hellern hat er fast abgeklappert. Die Ladung ist um mehr als die Hälfte reduziert. Jetzt kommen überwiegend Privatkunden. Und die sind die schwierigsten. Wenn jemand nicht zu Hause ist, muss Benjamin Nacke zusehen, dass er einen Nachbarn findet, der das Paket in Empfang nimmt, sonst hat er es morgen wieder auf dem Wagen.

Unter den Privatkunden sind aber auch solche, die sich über ein Paket freuen und schon mal ein Trinkgeld springen lassen. Benjamin Nacke gibt Gas in Richtung Rheiner Landstraße. 13.15 Uhr Feierabend könnte klappen.

Eine Stunde mit... ist der Titel unserer Serie über Menschen, die wir bei der Arbeit oder im Ehrenamt beobachten. Um mehr zu erfahren - über sie und das, was sie tun.

WENN ES HEISS IST, schwitzt Benjamin Nacke zwei T-Shirts und ein Handtuch nass. Die Pakete werden schließlich nicht nur gefahren, sondern auch geschleppt. Foto: Egmont Seiler
Autor:
Ulrike Schmidt


Anfang der Liste Ende der Liste