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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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"Schwarzer Tod" ließ das Volk dahinsiechen
Zwischenüberschrift:
Die Pest hatte Osnabrück im 14. Jahrhundert fest im Griff - 4436 Einwohner starben
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Neustadt

Ein dunkles Kapitel in der mittelalterlichen Geschichte Osnabrücks stellen neben den Kriegswirren, Unwettern, Hungersnöten und Feuersbrünsten vor allem die Seuchen dar. Die Pest, der " Schwarze Tod", war eine schreckliche Geißel der hiesigen Stadt- und Landbevölkerung. Epidemien rafften Junge und Alte, Arme und Reiche dahin. In Folge der letzten großen Seuche, der Cholera, wurde das Marien-Hospital gegründet.

Schuld an dem Ausbruch der Seuche war eine Rattenplage, die durch Abfall und Exkremente auf den Straßen Osnabrücks, die enge Bauart der Häuser und die ungenügenden sanitären Verhältnisse begünstigt wurde. Ackerbau und Viehhaltung waren für viele Hasestädter zumindest ein wichtiger Nebenerwerb, so dass es auf den Straßen vor den Häusern oder später auf Ratsbeschluss nur noch auf den Hinterhöfen überall Dunghaufen in Brunnennähe gab. Regenwasser spülte flüssigen Unrat aus Schweinekoben und offenen Latrinen ins Grundwasser und in die Hase.

Dazu kamen nur wenige und dabei schlecht ausgebildete Ärzte sowie ein tiefer Aberglaube in der Bevölkerung. In den umliegenden Dörfern, wo es um die Hygiene noch schlechter stand, überließ man die Pestkranken entweder hilflos ihrem Schicksal, oder die Bauern liefen den Quacksalbern nach.

Pestprozession erinnerte an Plage

Um die Mitte des 14. Jahrhunderts zog der " Schwarze Tod" von Osten kommend über ganz Europa hin weg. Die abergläubigen Menschen deuteten seltsame Himmelserscheinungen, Missernten, Dürre, Sturm, Hagelschlag und Überschwemmungen als untrügliche Vorboten. Im Jahre 1350 erreichte die Pest erstmals auch Osnabrück. Die Stadt- und Landbevölkerung wurde radikal dezimiert. Ein Dokument belegt, dass im alten " Ossenbrügge" nur sieben Familien nicht durch den Pesttod zerrissen wurden.

Im Herbst 1350 ebbte die Seuche plötzlich wieder ab. Der Nachwelt wurde das Ausmaß der Katastrophe über 200 Jahre lang überliefert, indem jedes Jahr vor Pfingsten die große " Pestprozession" durch die Straßen zog. 1575 starben der Stadtchronik zufolge während einer der schlimmsten Pestlawinen 4436 Einwohner. An manchen Tagen sogar bis zu 50 Menschen. Die öffentliche Ordnung schwand dahin. Ausschweifung, Raub und Mord auch an nahen Verwandten griffen um sich.

Unfreie erhielten das Bürgerrecht

In der mittelalterlichen Ratssate ist zu lesen, dass reichere Bürger durch größere Stiftungen an die Kirche den Zorn Gottes besänftigen und sich Schutz vor dem Pesttod erkaufen wollten. Schnell war das Volk darüber hinaus bereit, Hexen und Juden die Schuld am Unheil zu geben, indem man ihnen Vergiftung der Brunnen unterstellte. Noch nach über 100 Jahren lagen viele eigenbehörige Höfe im Osnabrücker Land verlassen da, weil ganze Bauernfamilien entweder gestorben oder in die Stadt gezogen waren. Manche Landstriche waren komplett entvölkert. Osnabrück nahm wegen der eigenen hohen Menschenverluste viele Freie und Unfreie vom Lande auf, die das Bürgerrecht erhielten.

Die latente Pestgefahr wurde erst wirklich gebannt, als in Folge der Choleraseuche von 1859 eine städtische Kanalisation und ein neues Krankenhaus in der Neustadt, das Marienhospital, errichtet wurden. In alten städtischen Krankenunterkünften gab es gerade mal 20 Betten und 15 Notlager. Das reichte bei weitem nicht aus für 295 Cholerakranke.

Zur Sache: Welche Ursache hatte die Pest

Flöhe der Ratten waren schuld an der Katastrophe

Wie hilflos man dem " Schwarzen Tod" gegenüberstand, zeigt die Tatsache, dass Pulver von gedörrten Kröten besondere Heilkraft nachgesagt wurde. Man nahm es ein oder trug es zum Schutz in kleinen Säckchen auf der Brust. Es wurden sogar in Essig eingeweichte Kröten auf Pestbeulen gelegt. Auch Spinnen und Skorpione verarbeitete man zu " Arznei". Dass die von Unrat und mangelnder Hygiene angelockten Ratten - genauer deren Flöhe - die Verursacher der Pest waren, ahnte damals niemand. Sie trat meist als Beulen- und Lungenpest auf und griff durch Tröpfcheninfektion rasend schnell um sich. Der qualvolle Tod erfolgte innerhalb weniger Tage - manchmal auch schon nach Stunden - durch Blutvergiftung (Pestsepsis). Der Pesterreger hält sichübrigens heute noch in hoch gelegenen Regionen Asiens, Afrikas und Amerikas bei wild lebenden Nagetieren.( uls)

DIE APOKALYPTISCHEN REITER: So hat sich Albrecht Duerer mit der Pest auseinander gesetzt.

DAS ALTE DECHANTENHAUS von St. Johann wurde 1859 nach Ausbruch der letzten großen Choleraseuche auf Initiative des Bischofs zum Marienhospital umgebaut. Es stand unter dem Patronat von Königin Marie von Hannover. (Hist. Abb.: Fundus MHO)
Autor:
Ullrich Schärf


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