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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Butterbauern versorgten nicht nur Wochenmärkte
Zwischenüberschrift:
Im alten Gasthof Hülsmann wurden Pferde ausgespannt
Artikel:
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Originaltext:
Butterbauern versorgten nicht nur Wochenmärkte

Im alten Gasthof Hülsmann wurden Pferde ausgespannt

Neustadt

Erst mit dem Abzug der Napoleonischen Truppen konnte sich 1816 in Osnabrück ein Wochenmarkt fest etablieren. Zuvor waren Versuche gescheitert, da die Bürger hauptsächlich Selbstversorger waren. Die Butterbauern sind ein gutes Beispiel dafür, wie es zwischen Bürgern und ländlicher Bevölkerung zum Vorteil beider Seiten freundschaftliche Kontakte gab.

Viele Osnabrücker Haushalte hatten sogar " ihren Bauern", von dem sie ausschließlich kauften und den sie sogar an manchen Sonntagen auf dem Lande besuchten. Dieser ging vor Marktbeginn häufig direkt zu seinen langjährigen Stammkunden und verkaufte einen Großteil seines Butterkorbes mitsamt frischen Eiern an der Haustür. Der Rest der Eigenprodukte wurde zu Markte getragen. Ein großer Unterschied zu den Wochenmärkten unserer Tage ist, dass man damals kaum feste Preise kannte. Angebot und Nachfrage regelten den Handel.

Die einfache ländliche Bevölkerung litt unter ständigem Geldmangel, daher wurde an die Städter verkauft. Oft kamen Butterbauern auch im Herbst mit den Pferdewagen und lieferten Kartoffeln zum Einkellern. Wenn ein Schwein geschlachtet war, brachten sie auch gleich einen geräucherten Schinken mit. Dieser stand bei den Stadtmenschen derart hoch im Kurs, dass der Bauer ihn nicht selbst aß, sondern lieber in der Stadt versilberte.

In schlechten Zeiten verkaufte er auf dem Wochenmarkt seine gesamten in Pergamentpapier verpackten Butterballen, " Schlagen" genannt, und strich sich selbst Sirup aufs Brot. Kleine Butterbauern liefen mit ihren schweren Butterkörben viele Kilometer zu Fuß zur Stadt.

Wer aber mit dem Pferdegespann nach Osnabrück kam, hatte in bestimmten Gasthöfen seinen " Ausspann". Hier konnte er sein Pferd einstellen, sich stärken, den Markt beschicken und anschließend mit dem Erlös eigene Besorgungen machen. Das lohnte sich, denn der Einkauf in den Kolonialwarenläden der Stadt war damals deutlich günstiger als in den kleinen Dorfläden. Da, wo der Bauer regelmäßig Kunde war, wurde lupenreines Platt gesprochen. Und es gab noch ein Schnäpschen obendrauf.

Auch derbe plattdeutsche Flüche waren auf dem Markt zu hören, wenn die unterschiedlichen Charaktere aus Stadt und Land beim Handeln lauthals aneinander gerieten. Dann konnte ein rotbäckiger Landmann aus Rulle oder Leeden schon mal ausrasten und rufen: " Du wuss die waoll in Buottern sattfriäten, auhne dat et war kosset!"

Da es durch die bäuerliche Eigenproduktion unterschiedliche Butterqualitäten von versalzen bis wässrig gab, hatte es sich eingebürgert, dass das Hausmädchen oder die Frau des Hauses selbst mit dem Fingernagel eine Butterprobe vom Stück kratzte. Dieser unhygienischen Unsitte machte schließlich eine polizeiliche Verordnung ein Ende.

Eine der beliebtesten " Ausspanne" der Butterbauern war das stattliche Gasthaus Joseph Hülsmann an der Johannisstraße nahe dem Neumarkt, der nach St. Johann seit 1896 neuer Wochenmarkt-Standort war, aber schon 1912 dem zunehmenden Verkehr weichen musste. Nun standen die Buden jenseits des Neuen Grabens auf dem Ledenhof. Da somit die Altstadt mit dem Domhof - zuvor war der Wochenmarkt von der Katharinenkir-che dorthin umgezogen - über zwei Standorte verfügte, drängten die Neustädter wieder auf einen eigenen dritten Wochenmarkt. Der fand ab 1924 dienstags auf dem Rosenplatz statt.

IM NEUSTÄDTER GASTHOF HÜLSMANN spannten die Butterbauern an der Johannisstraße (Mitte rechts, Blickrichtung Große Straße) ihre Pferde aus (Ansichtskarte von 1929 entnommen aus " Alt Osnabrück", Bd. II., erschienen im Verlag H. Th. Wenner).
Autor:
Ullrich Schärf


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