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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Vor Trauernden auf der Hut sein
Zwischenüberschrift:
Ein-Euro-Job auf dem Heger Friedhof
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Vor Trauernden auf der Hut sein

Ein-Euro-Job auf dem Heger Friedhof

Weststadt Lucas Hahn macht das, was ihm Spaß macht. Er schneidet Sträucher und kümmert sich um die Wege auf dem Heger Friedhof. Dennoch, der gelernte Fachwerker im Garten- und Landschaftsbau ist nicht ganz zufrieden mit seiner Situation. Denn als Ein-Euro-Jobber wird er für seine 37, 5 Wochenstunden nur mit 200 Euro entlohnt. " Trotzdem: Ich bin froh, dass ich Arbeit habe."

Die hatte der 25-Jährige bis Ende vergangenen Jahres fast Durchgehend. Selten konnte er allerdings eine Stelle länger halten als ein paar Monate. Schon in der Ausbildung zum Garten- und Landschaftsgärtner lief nicht alles wie erhofft. " Eine zu lasche Einstellung" warf man ihm beim Internationalen Bund vor, in dessen Auftrag er die Anlagen der Alten Stadtgärtnerei pflegen sollte. Die Folge: " Nach ein paar Monaten haben sie mich gefeuert."

Doch Hahn hat sich durchgebissen und schließlich seinen Abschluss geschafft. Doch der Arbeitsmarkt hatte nicht gerade auf ihn gewartet. Einem kurzen Engagement auf einem Golfplatz, wo er für die Pflege der Fairways, Grüns und Bunker zuständig war, folgte ein Job in Georgsmarienhütte, den er ebenfalls wegen angeblich fehlender Einstellung verlor. Ob er denn selbst meine, dass die Einschätzungen der Meister stimmten? " Nein, ich sehe das natürlich vollkommen anders." Und bei der Art, wie Hahn von seiner Arbeit spricht (" Abmulchen macht mir richtig Spaß") kann man sich gar nicht vorstellen, dass es ihm an Motivation mangelt. Und so war er auch sofort bereit, als ihm sein Arbeitsvermittler im April die Tätigkeit auf dem Heger Friedhof zuwies. " Es ist auf jeden Fall besser, als zu Hause rumzusitzen." Und sogar besser als auf dem Golfplatz. " Da habe ich immer ganz allein gearbeitet. Hier hat man ein paar Kollegen." So beschaulich und ruhig, wie man vermutet, ist die Arbeit auf der letzten Ruhestätte gar nicht. Laut Anweisung müsse er immer ein Auge auf Beerdigungen haben, erklärt Hahn, damit die Trauernden ihn nicht zu Gesicht bekämen. " Da müssen wir uns in die Büsche schlagen."

Anfang Oktober ist erst mal wieder Schluss damit, denn dann läuft die halbjährig befristete Brückentätigkeit aus. Schon jetzt habe er Bewerbungen laufen, eine auch bei der Müllabfuhr. " Man muss nehmen, was kommt", sagt Hahn ganz ohne Resignation in seiner Stimme. " Ich kenne Leute, die arbeiten nicht, weil sie sagen, 345 Euro Arbeitslosengeld ist viel." Zu denen gehört Lucas Hahn ganz sicher nicht.

GUT ZU TUN hat Lucas Hahn nicht nur mit den Sträuchern auf dem Heger Friedhof, sondern auch damit, sich vor den Trauernden zu verstecken. Foto: Jörn Martens
Autor:
hpet


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