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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
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Der Ton kam von der Stange durchs Pkw-Fenster
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Autokino im Fledder: Nur ein kurzer Flirt mit dem amerikanischen Vorbild - Open-Air-Kino als beliebter Nachfolger
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Der Ton kam von der Stange durchs Pkw-Fenster

Autokino im Fledder: Nur ein kurzer Flirt mit dem amerikanischen Vorbild - Open-Air-Kino als beliebter Nachfolger

Fledder Wo sich heute fabrikneue, blitzende Autos auf dem Gelände der Spedition Egerland tummeln, parkten einst 70er-Jahre-Karossen, deren Fahrer ein Autokino besuchten: Auf dem ehemaligen all-kauf-Gelände am Huxmühlenbach liefen Actionfilme, Pornos und gelegentlich damalige Hits wie " Der weiße Hai", erzählt Reinhard Westendorf, Leiter des Kinospielbetriebs der Lagerhalle, von vergangenen Tagen. Inzwischen hat sich in den Sommermonaten ein nicht verwandter Nachfolger etabliert: das Open-Air-Kino.

Im Herbst 1983 eröffnete das erste und vorerst letzte Autokino Osnabrücks auf dem hinteren Parkplatz des allkauf-SB-Warenhauses im Fledder - und bereits nach wenigen Monaten war das Intermezzo vorbei. Die Umsetzung war unrentabel und mit technischen Problemen behaftet. " Das musste es in Osnabrück natürlich auch geben, weil es im Lauf der Zeit alles einmal gegeben haben muss", kommentiert Anne Paech die nicht über eine Pilotphase hinaus gekommene Autokinozeit am Huxmühlenbach. Die Medienwissenschaftlerin befasst sich in ihrem 1985 erschienenen Buch " Kino zwischen Stadt und Land" mit der Osnabrücker Kinogeschichte.

Westendorf, der damals Super-8-Filmaufnahmen von dem Gelände gemacht hatte, kramt in der Erinnerung: Man zahlte für die Vorführung pro Auto. Um den Ton zu empfangen, griff sich jeder Kunde einen Lautsprecher von der Stange, die zu seinem Stellplatz gehörte, und packte ihn ins Fenster. Die Filme wurden aus einer Baracke nacheinander in zwei abendlichen Vorstellungen gezeigt. Die auf fünf großen Eisenpfeilern befestigte Leinwand stand noch lange nach der Schließung auf dem Parkplatz. Auch ein Kiosk und das Toilettenhäuschen zeugten noch Jahre später vom Freiluftkino.

1933 eröffnete der US-Amerikaner Richard Hollingshead in Camden, New Jersey, mit dem Streifen " Ehefrau, pass auf" das erste Autokino weltweit. Trotz anfangs minderwertiger Technik und zumeist schlüpfriger Inhalte verbreitete sich das Drive-in-Kino schnell. Aber die große Zeit des Autokinos, das in den USA in der Nachkriegszeit seinen Höhepunkt erlebte, ist vorbei.

Neben den enorm gestiegenen Grundstückspreisen und dem geänderten Medien- und Freizeitverhalten - das Komfortbedürfnis der Menschen ist gestiegen: Sie mögen auf einwandfreie Sicht und Dolby-Surround-Qualität nicht mehr verzichten - war es auch das Filmangebot, das dem Zeitgeist nicht mehr entsprach, erklärt Westendorf. Schließlich wurden überwiegend die alten Klassiker gezeigt. Außerdem boten die Autokinobetreiber anfangs nur einen Film zur Zeit an. Man konnte also nicht zwischen verschiedenen Angeboten wählen.

Das Einzugsgebiet war zu klein

Aber warum versagte das Autokino-Konzept speziell in Osnabrück? Westendorf vermutet, dass das Einzugsgebiet zu klein war. In einigen Gegenden Deutschlands, etwa in Ostdeutschland um das Zentrum Berlin, in Köln-Porz oder in München-Aschheim - offensichtlich in Randlagen von Metropolen - wird das amerikanische Vorbild des Drive-in-Kinos noch rege nachgefragt. Die deutschen Betreiber haben die geänderten Ansprüche des Publikums berücksichtigt: Die ein Dutzend Autokinos strahlen inzwischen sogar auf zwei Leinwänden aktuelle Hits aus; der Ton wird über eine bestimmte Frequenz per Autoradio empfangen. Aber vor allem treffen sie dort wohl auf eine größere, unerschrockene Cineasten-Stammgemeinde. Seit Mitte der 90er Jahre liegen in Deutschland die Open-Air-Kinos im Trend. Christian Saßnick, Geschäftsführer des Cinema-Arthouse, betont, diese Entwicklung verlaufe unabhängig von den in geringer Zahl weiter fortbestehenden Autokinos. Das Open-Air-Kino sei aus den mit Luft gefüllten Hüpfburgen für Kinder entstanden: Der Rahmen werde aufgeblasen und mit Luft hoch gehalten. In der Mitte befinde sich die Leinwand.

Zur Sommerzeit seien die Open-Air-Veranstaltungen, vornehmlich in kleineren Orten, inzwischen ein fester Bestandteil des Kulturprogramms. So übrigens auch in Osnabrück, wo sich in den letzten zwei Monaten trotz des bescheidenen Wetters hunderte im Schlossinnenhof versammelten, um Filmhits wie " Der Herr der Ringe 3", " The Day After Tomorrow", " Deep Blue" und " Troja" zu verfolgen.

DAS VERGNÜGEN währte nur ein paar Monate, dann musste das Autokino im Fledder wieder schließen.
Autor:
hedi


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