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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
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Überschrift:
"Die Kapazitätsgrenze ist in Osnabrück erreicht"
Zwischenüberschrift:
Kolkmeyer: Auch am Kamp ist nicht alles vermietet
Artikel:
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Originaltext:
" Die Kapazitätsgrenze ist in Osnabrück erreicht".

Kolkmeyer: Auch am Kamp ist nicht alles vermietet

Von Wilfried Hinrichs

Osnabrück
Das Interview mit Dirk Kolkmeyer, Vorsitzender des Einzelhandelsverbandes der Stadt, im Wortlaut:

Herr Kolkmeyer, was machen die Geschäfte? Kolkmeyer: Die Geschäfte sind im Moment ein kleiner Lichtblick. Wir haben das Gefühl, dass der Konsum leicht anzieht, dass die Kunden wieder motiviert sind und mehr Spaß haben am Einkaufen.

Das sind ja gute Nachrichten. Und in einer Woche eröffnet die Kamp-Promenade. Freuen Sie sich darauf? Kolkmeyer: Ja, natürlich. Wir bekommen damit Zuwachs in Osnabrück in Bereichen, in denen wir Defizite haben. Ich denke zwar, dass wir schon heute einen sehr, sehr guten Branchenmix haben und die Mischung zwischen Filialisten und inhabergeführten Geschäften noch stimmt. Das sagt auch das GfK-Gutach-ten, das vor dem Bau der Kamp-Promenade erstellt worden ist. Aber es gibt natürlich noch Defizite, und die gleicht die Kamp-Promenade aus.

Kamp-Manager Peter Knopf sagte neulich in einem Interview unserer Zeitung, der Einzelhandel habe aufgeschrien, als die Kamp-Pläne bekannt wurden. Haben Sie Ihre Meinung komplett geändert? Kolkmeyer: Also vorab: So impulsiv sind wir nicht, dass wir schreien. Was der Kamp-Manager sagt, ist nicht richtig. Wir haben von Anfang an das Projekt intensiv begleitet. Für uns ist es ein wesentlicher Faktor, ob es eine Integration in die Innenstadt gibt oder ob eine Einheit entsteht, die sich abgrenzt. Wir waren an den Gesprächen und an der Auswahl des Projektentwicklers beteiligt. Uns war ganz wichtig, dass ein so genannter Shopping-Circle entsteht. Das bedeutet, dass die Menschen einen Rundlauf vorfinden und nicht mehr nur die sehr lange Fußgängerzone rauf und wieder runter laufen.

Wir haben jetzt den Kamp. Brauchen wir ein zweites Center?
Kolkmeyer: Nein. In dem GfK-Gutachten kam zum Ausdruck, wie viel Verkaufsfläche für Osnabrück noch verkraftbar ist. Diese Fläche wurde im Kamp realisiert. Nun sieht man an der Vermietungssituation im Kamp: Die Großflächen sind vermietet, aber man hat es nicht geschafft, bis zur Eröffnung alles zu vermieten. Das heißt, wir sind in Osnabrück mit unseren Kapazitäten an der Grenze.

" Die alte Markthalle war sehr beliebt"

Also auch kein Center, wie es L+ T-Chef Dieter Rauschen an der Großen Straße vorschwebt?
Kolkmeyer: Jein! Die Konzeption von Herrn Rauschen ist ganz anders. Wir sprechen bei L+ T von einem kontinuierlichen Wachstum. Wir sprechen nicht von einer Eröffnung von 25000 Quadratmeter an einem Tag. Wir sprechen von langsamem Flächenwachstum und von einem Wachstum in einem Defizitbereich. Ich erinnere daran, dass Herr Rauschen eine Markthalle angedacht hat. Die alte Markthalle war sehr erfolgreich und sehr beliebt. Ein geschlossenes Center, wie von ECE geplant, würde eine Stadt in der Stadt sein, weil es einen kompletten Branchenmix bieten würde.

Sie haben durchaus Sympathie für die Idee ihres geschäftlichen Nachbarn Dieter Rauschen?
Kolkmeyer: Für die Konstruktion von Herrn Rauschen ja. Er ist ein sehr cleverer Geschäftsmann, der für Osnabrück sehr aktiv und engagiert ist.

Politiker und Stadtplaner warnen, ein Einkaufscenter am L+ T-Standort würde das Ende der südlichen Innenstadt bedeuten. Was sagen Sie Ihren Kollegen aus der Johannisstraße?
Kolkmeyer: Es ist sehr schwierig, für die Johannisstraße eine Lösung zu finden, die allen gerecht wird. Aber noch einmal zurück zum Kamp: Der Kamp ist so konzipiert worden, um die lang gestreckte Fußgängerzone aufzubrechen und ein Quartier zu schaffen. Das war die bewusste Entscheidung für eine andere Struktur. Die Johannisstraße wandelt sich langsam zu einem Nahversorgungsbereich. Ich denke, es gibt für die meisten Mieter in anderen Bereichen Flächen - wenn sie denn wechseln wollen. Es macht mehr Sinn, den Besatz auf einen Nachversorgungsbereich umzustellen. Im Prinzip ist der Wechsel schon im Gange. Wir haben dort gar nicht mehr so extrem innenstadtrelevante Bereiche.

Spinnen wir die Idee ein wenig weiter. Wenn L+ T Schritt für Schritt zum Center wird und die Südstadt in eine andere Funktion hineinwächst, was machen wir dann mit dem Neumarkt?
Kolkmeyer: Wir haben mit dem Neumarkt ein schweres Problem. Es gibt Diskussionen, den Platz ruhiger zu machen. Dann gibt es die Diskussion, dort ein ECE-Center zu platzieren, das einen gewaltigen Verkehrsstrom zu sich zieht. Das ist ein Widerspruch. Entweder das eine oder das andere. Wir haben immer gesagt: Wenn am Neumarkt gearbeitet werden soll, stehen wir dahinter, vorausgesetzt, der Autoverkehr hat eine Chance. Man kann nicht erst sagen, wir machen den Neumarkt zu und sehen dann, was passiert.

" Welt der Center schwächt sich ab"

Zurück zu den Perspektiven des Einzelhandels. Zwei Thesen stehen sich gegenüber: Einige sagen, die Zukunft gehört dem sauberen und sicheren Einkauf in Centern. Andere fordern, der Stadt ein Profil zu geben, um sich von den Einheitscentern abzuheben. Wo stehen Sie?
Kolkmeyer: Wir sind selber Mieter in ECE-Centern. Ich kenne die Städte mit ECE-Centern sehr gut. Was wird langfristig Erfolg haben? ECE-Center sind überall gleich aufgebaut, sie sind fast austauschbar. Wenn ein Center gebaut werden soll, dann rufen die Entwickler ihre Filialisten an, und schon sind 75 Prozent vermietet. Dazu holen sie sich den einen oder anderen Mieter aus dem Ort - mehr als Alibi, denn meistens funktioniert das nicht. Center sind zurzeit modern. Ich meine, Osnabrück ist 1200 Jahre alt und sollte keine Lösung wählen, die für die nächsten fünf oder zehn Jahre modern ist. Wir merken jetzt schon, dass sich die Welt der Shopping-Center abschwächt. Deshalb nimmt man sich ja jeden Standort, den man kriegen kann. Mit unserer Altstadt und unserer gewachsenen Struktur haben wir beste Voraussetzungen, etwas Eigenes zu schaffen. Beides wird aber auf keinen Fall gehen: Ein ECE-Center bauen und die traditionelle Struktur erhalten, das geht nicht.
Autor:
Wilfried Hinrichs


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