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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Das neue Ratsgymnasium: Ein Gebäude mit historischen Schmuckelementen
Zwischenüberschrift:
Osnabrück im November 1904: Stadtbaurat Lehmann kann als Architekt endlich loslegen
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Das neue Ratsgymnasium: Ein Gebäude mit historischen Schmuckelementen

Osnabrück im November 1904: Stadtbaurat Lehmann kann als Architekt endlich loslegen

Osnabrück

Einen festen Bestandteil der Wettervorhersage bildeten vor 100 Jahren noch die alten Bauernregeln, die auf lange Jahre der Naturbeobachtungen zurückzuführen waren. Nach Totensonntag fiel der erste Schnee, dem ein starker Sturm folgte, der an Gärten und Dächern manchen Schaden verursachte. Es wurde Winter und blieb bitterkalt.

Für die ungetrübte Feierlaune der Vereine bildete das Wetter keinen ernsten Hinderungsgrund. Kaum waren die Sommer- und Herbstfeste verronnen, standen die " Tannenbaumfeiern" der Vereine bevor. Dazu kamen, quasi außer der Reihe, noch die Jubiläums- und Stiftungsfeiern, die regelmäßig begangen wurden. Der Athletenclub Osnabrück feierte im November sein 7. Stiftungsfest, das aus Konzert- und Theateraufführungen bestand und mit einem Ball festlich ausklang. Die Tageszeitungen entsandten in vielen Fällen auch Reporter zu den Festen, um im Anschluss darüber berichten zu können.

Besonders in Mode waren Grußbotschaften, direkt von der Festtafel an die Adresse der kaiserliche Familie in Berlin, die von den Feiernden per Telegramm abgegeben wurden und denen immer eine freundliche Antwort folgte.

Tischler Gösmann arbeitete " gotisch"

Die Sakristei von St. Marien bekam rechtzeitig vor den Feiertagen neues Mobiliar in gotischem Stile. Im Jahr 1893, zum 350-jährigen Jubiläum der Reformation, hatten die Frauen der Gemeinde dafür eine Summe von 1000 Mark gespendet. Erst elf Jahre später, nach der großen Restaurierung der Kirche, konnte dieses Geld nun zum Wohl der Sakristei eingesetzt werden. In der Möbeltischlerei Gösmann war die Ausstattung fachgerecht gebaut worden.

Der Osnabrücker " Verein für Frauenbildung und Frauenstudium" führte seinen ersten Lateinkursus durch. Ein ganzes Jahr und zweimal wöchentlich konnten nun auch interessierte Frauen Latein pauken.

Auch der Kaufmännische Verein setzte auf Bildung: der Vortrag " Zola, Ibsen und Tolstoi" wurde von einem Professor aus Kiel gehalten. Damen waren dazu herzlich willkommen.

Gaslicht in den Klassenzimmern

Uneins waren sich die Entscheidungsträger im Falle des Ratsgymnasiums. Viele Fragen wurden kontrovers diskutiert. Sollte eine Direktorenwohnung mit eingebaut werden? Zuerst erschien dies zweckmäßig, und vielleicht konnten daraus bei Bedarf, " in 30 bis 50 Jahren" weitere Klassenräume werden. Andere hätten gern die " Verlegung der Lehrsäle zum Hofe hin" gesehen, aber die Pläne konnten auf diese Wünsche keine Rücksicht mehr nehmen. Sicher war, schon jetzt gab es nur drei " Reserveräume" für etwaige Teilungen großer Jahrgangsklassen - und das erschien den Herren Professoren schon zum damaligen Zeitpunkt zu wenig! Die Pläne stammten von Stadtbaurat Friedrich Lehmann und hielten sich äußerlich an die " Alt-Osnabrücker Bauform". Beim Entstehen der Hassaden, so berichtete Lehmann in einer gemeinschaftlichen Sitzung der städtischen Kollegien, habe er verschiedentlich Motive von " abgebrochenen alten Bauwerken" benützt. Niemals dürfe eine Schule monumental ausfallen oder mächtig wirken. Auch im Innern legte Lehmann viel Wert auf verschiedene Baustile, mit deren Hilfe er den Schülern die vergangenen Zeiten nahe bringen wollte.

Auch Fachwerk wurde berücksichtigt. Schon vor 100 Jahren stand der Neubau unter Sparzwang, daher bekamen die Klassen Linoleum auf die Böden, nur im Zeichensaal und dem Gemeinschaftsraum fand sich Parkett. Die Türmchen wurden mit Eisenblech beschlagen statt in Kupfer zu glänzen. Zentral beheizt wurde das Schulgebäude, die Schulwärterwohnung aber erhielt Öfen. Auch das Aborthaus im Hof wurde mit einem Ofen beheizt. Die Säle erhellten Gasglühlampen, nur Turnhalle und Aula bekamen elektrisches Licht.

Die geplanten Kosten wurden dem Erlös des alten Gymnasiums am Domplatz gegenübergestellt, alle Zuschüsse dazugerechnet, und damit fand das ganze Finanzpaket endlich die Anerkennung der Kommission - zu Lehmanns Freude konnten von diesem Zeitpunkt an die Ausschreibungen beginnen.

Ärger rumorte in der Innenstadt. Manche Einzelhändler überlegten laut, " eine Agitation" einzuleiten, denn ein großes Modehaus betrieb ein unübersichtliches Rabattsystem und lockte die Kundinnen mit Scheinausverkäufen - und das zu Beginn des Weihnachtsgeschäfts!

Zugreisen von und nach England waren endlich angenehm modernisiert, denn es gab " durchgehende Korridorwagen" von Osnabrück über Salzbergen, Amersfort, Hoek van Holland nach Harwich und London. Das war damals die modernste Einrichtung im Reiseverkehr. Restaurantwagen warben auf der Strecke Harwich-London mit Frühstücksangeboten, zurück mit Diner. Die Reise dauerte von 18 Uhr abends bis 8 Uhr vormittags.

AM DOMHOF an der Stelle des heutigen Theaters stand im Winter 1904 noch das alte Ratsgymnasium, wegen seiner maroden Bausubstanz auch als " Rattenpenne" bezeichnet. Foto: Rudolf Lichtenberg
Autor:
Christiana Keller


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