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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Mit Wildwest-Methoden zum nächtlichen Nickerchen
Zwischenüberschrift:
Polizei und Brummifahrer beklagen, dass es an den Autobahnen zu wenig Parkplätze für Lastwagen gibt
Artikel:
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Originaltext:
Mit Wildwest-Methoden zum nächtlichen Nickerchen

Polizei und Brummifahrer beklagen, dass es an den Autobahnen zu wenig Parkplätze für Lastwagen gibt

Osnabrück

Auf den Angriff einer Roten Armee ist man zwischen Münster und Osnabrück noch immer besser vorbereitet als auf ein paar Dutzend Brummifahrer, die ein Nickerchen machen müssen.

Auch 15 Jahre nach dem Fall der Mauer ist der Kalte Krieg mitten auf der viel befahrenen A1 noch sichtbar. Dort, wo es keinen bepflanzten Mittelstreifen gibt, sind die Schutzplanken direkt in eine durchgehende Asphaltdecke geschraubt. In null Komma nichts sind die Metallpfosten und - schienen abgeschraubt. Dann können auch große Militärmaschinen fast wie auf einem ganz normalen Flughafen starten und landen. Die Autobahnparkplätze ganz in der Nähe wirken wie betonierte Fußballfelder. Dort könnten - falls uns ein mächtiger Feind überfällt - Kampfjets und Versorgungsflieger geparkt werden oder wenden. Seit den 60er Jahren ist das so.

Autobahnpolizisten und Lkw-Fahrer wollen daran auch nichts ändern. Eigentlich sind Uniformierte und Kontrollierte eher selten einer Meinung. Wenn es aber um Parkplätze speziell für Brummis geht, wird der Mangel fast immer mit demselben Wort beschrieben. Es ist leider nicht stubenrein.

Polizeihauptkommissar Heinz-Jürgen Budke und seine Kollegen von der Autohahnwache Lotte erleben fast jeden Abend dasselbe: Ab 22 Uhr füllen sich die Rasthöfe und Parkplätze an der A1 rasent schnell mit Lastwagen. Das Rennen um den letzten freien Stellplatz ist kurz nach Mitternacht vorbei. Dann wird " Wildwest" geparkt. An und in den Durchfahrten, auf den Grünstreifen, vor und hinter den Tankstellen und manchmal bis in die Auf- und Abfahrten der Rastplätze.

Wendeplätze für Flugzeuge

Ein Auge zudrücken können und dürfen die Polizisten in solchen Situationen nicht mehr. Obwohl sie für die Not der Brummifahrer Verständnis haben. Die maximalen Lenk- und minimalen Ruhezeiten werden ebenso überwacht wie das gefahrene Tempo, die Sicherung der Ladung oder die Tiefe der Reifenprofile. " Von ihren Speditionen werden sie getrieben, und wir müssen sie bremsen", beschreibt Budke das Dilemma der so genannten Landstraßen-Kapitäne.

Holger Iseler, Arslan Necati und Michael Meinen kommen aus Münster, Krefeld und Köln - an der A 1 teilen die Brummifahrer häufig dasselbe Schicksal. Auf der vergeblichen Suche nach legalen Pausenplätzen haben sie die Wahl zwischen Pest und Schwefel. Entweder sie parken " Wildwest" auf einer überfüllten Raststätte, oder sie fahren weiter und riskieren ebenfalls ein Knöllchen - wegen Überschreitung der zulässigen Lenkzeit.

Schuld daran sind nicht die Polizisten. Das sagen sogar die ertappten Lastwagenfahrer. Es sind die Verkehrsplaner, die seit Jahren und Jahrzehnten nicht nur zu wenig Parkplätze für Brummis gebaut haben, sondern manchmal sogar vorhandene Stellplätze in kleine grüne Inseln umwandeln. Das beklagen auch die Autobahnpolizisten aus Lotte, die den Überblick über 18 Rasthöfe und Parkplätze an der A 1 und der A 30 haben. Durch konkrete Zahlen belegen können die Beamten ihre Vermutungen aber nicht.

Die Münsteraner Dienststelle des Landesbetriebs Straßenbau NRW bestätigt zwar den erheblich erhöhten Lkw-Verkehr insbesondere auf der A1, bestreitet aber, unterm Strich die Zahl der Stellplätze reduziert zu haben. Behördensprecher Andreas Roth: Es hat sich bereits einiges gebessert, und es werden noch neue Lkw-Parkplätze hinzukommen.

Zumindest mit den ehemaligen Flugzeug-Wendeplätzen zwischen Münster und Osnabrück haben Budke und die Brummifahrer schon andere Erfahrungen gemacht. Die seien zwar nicht schön, böten aber viel Platz für parkende Lastwagen. Einer dieser Plätze ist schon vor zwei Jahren zurückgebaut worden, und bei dem nächsten, befürchten die Autobahnpolizisten, werde es bestimmt nicht mehr lange dauern.

NICHT ERLAUBT, ABER GEDULDET: Wenn die markierten Plätze belegt sind, parken die Brummifahrer auch auf dem unbefestigten Seitenstreifen eines Rasthofes. Sobald " Wildwest"- Zustände erreicht sind und die Lkw bis in die Auf- und Abfahrten gestellt werden, greift die Autobahnpolizei ein.

DIE TACHOSCHEIBEN im Brummicockpit offenbaren Lenk- und Ruhezeiten der Lastwagenfahrer. Polizeihauptkommissar Heinzjürgen Budke von der Autobahnwache Lotte kennt das Dilemma: Eine Pause ist fällig, aber kein Parkplatz frei.

DREI BRUMMIFAHRER - EINE MEINUNG: " Es gibt zu wenig Autobahnparkplätze für Lastwagen." (Von links: Michael Meinen, Arslan Necati und Holger Iseler.)

GROSS GENUG FÜR FLUGZEUGE: Dieser Autobahnparkplatz an der A1 zwischen Münster und Osnabruck ist vor Jahrzehnten auch für militärische Zwecke geplant worden.
Hermann Pentermann (Fotos)
Autor:
Franz-Josef Raders


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