User Online: 1 | Timeout: 05:36Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Loch an Loch und hält doch - aber wie lange noch?
Zwischenüberschrift:
Weil es an Geld fehlt, kommt die Straßenpflege zu kurz - Das Problem wird einfach in die Zukunft verlagert
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Loch an Loch und hält doch - aber wie lange noch?

Weil es an Geld fehlt, kommt die Straßenpflege zu kurz - Das Problem wird einfach in die Zukunft verlagert

Osnabrück

Schlaglöcher, so scheint es, sind die billigste Form der Verkehrsberuhigung. Sie entstehen von selbst und zwingen Autofahrer zum langsamen Fahren. Zum Beispiel auf der Straße Am Vogelsang.

" Hier ist es extrem", sagt Kurt Santjer von der Abteilung Straßenbau der Stadt und stößt mit der Fußspitze in ein Schlagloch. Die Flickstelle ist noch frisch, vielleicht ein paar Tage alt. Daneben sind ältere Auffüllungen zu erkennen, an den Farbabstufungen ist das Alter ablesbar. Alle zwei Tage rücken Mitarbeiter der Straßenbauabteilung mit Splitt und Bitumen an, um die Löcher am Vogelsang zu stopfen. Mit Fahrkomfort hat das nichts zu tun, hier geht es um die Verkehrssicherungspflicht. Das bedeutet: Die Löcher sind teilweise so tief, dass Zweiradfahrer stürzen könnten. Und dann müsste die Stadt mit saftigen Forderungen nach Schadensersatz und Schmerzensgeld rechnen.

Der Vogelsang soll 2006 oder 2007 grunderneuert werden. Solange bleibt es bei der Flickschusterei - kein Einzelfall in Osnabrück. Bis Anfang der 90er Jahre hatte die Stadt noch genug Geld, um die Straßen ausreichend zu pflegen. " Das war einmal", sagt Jürgen Schmidt, Leiter der Straßenbauabteilung. Es sagt es ganz nüchtern, ohne Seufzer, ohne Lamentieren.

Denn Osnabrück macht , keine Ausnahme. Die Automobilprüforganisation Dekra veröffentlichte in dieser Woche eine Umfrage unter Autofahrern, die eine deutliche Verschlechterung des Straßenzustands in ganz Deutschland beklagen. Die Note " schlecht" erhielten mit 63, 5 Prozent am häufigsten die Stadt- und Gemeindestraßen. Und wie würden Sie als Autofahrer die städtischen Straßen beurteilen?

Die subjektive Wahrnehmung deckt sich wahrscheinlich mit dem Datenmaterial. Um die Straßen in einem Tipptopp-Zustand zu halten, benötigten die Osnabrücker Straßenbauer mindestens den doppelten Etat. Daran ist angesichts der Finanzlage nicht zu denken. Immerhin: In diesem Jahr bewilligte der Rat zusätzlich 200.000 Euro für Ausbesserungsarbeiten. Grundlage aller Berechnungen ist ein Merkblatt der Forschungsstelle für Straßen- und Verkehrswesen über den " Finanzbedarf der Straßenerhaltung in den Gemeinden". Danach kostet, grob gerechnet, die Erhaltung einer Straße 1, 1 Euro pro Quadratmeter. Jürgen Schmidt rechnet weiter: 750 Kilometer Straßen gibt es in Osnabrück, nehmen wir eine durchschnittliche Breite von zehn Metern an, dann sind das 7, 5 Millionen Quadratmeter - also 8, 25 Millionen Euro. Zur Verfügung hat Schmidt 3, 5 Millionen, wobei nur 1, 5 Millionen als " bare Mittel" tatsächlich in den Straßenbau fließen können. Die andere Summe dient zur Deckung fixer Kosten. Die Folgen sindüberall sichtbar: Kurt Santjer vergleicht sie mit Flickschusterei. Die Unebenheiten wären zu verkraften, wenn es nur ums bequeme Vorwärtskommen ginge. Die Autos werden immer komfortabler, Geländewagen immer beliebter.

Aber bei der Straßenunterhaltung geht es um viel Geld und die allseits um sich greifende Neigung, Probleme in die Zukunft zu verlagern.

Eine asphaltierte Straße hat eine Lebenserwartung von 30 Jahren. Spätestens dann müsste sie von Grund auf erneuert werden, um weitere 30 Jahre Ruhe zu haben. Tatsache ist, dass heute immer weiter ausgebessert und geflickt wird, bis nach 45 Jahren nichts mehr geht. Doch dann ist meist der Untergrund so weit in Mitleidenschaft gezogen, dass die Sanierung erheblich teurer wird. Die Forschungsgesellschaft für Straßenwesen rechnet vor, dass die Flickschusterei nach 90 Jahren um ein Viertel teurer ist als eine rechtzeitige Grunderneuerung und kontinuierliche Pflege. Deutlich höhere Zahlen nennt der ADAC: Wer Risse schamhaft übersieht, wird fünf bis zehn Jahre später mit dreimal höheren Kosten rechnen dürfen. Wenn nach 25 bis 30 Jahren ein Neubau fällig ist, liegt nach Angaben des ADAC der Endpreis um ein Fünffaches über den Kosten, die für eine angemessene Unterhaltung nötig gewesen wären.

Jürgen Schmidt leitet daraus keine Extraforderungen für den Straßenbau-Etat ab. Er weiß, dass die Stadt überall sparen muss. " Aber man muss sich der Folgen bewusst sein und darf sich hinterher nicht wundern."

Und was lernen wir aus alledem? Schlaglöcher sind mitnichten ein billiges Mittel zur Verkehrsberuhigung.

Zur Sache

Auch Anlieger müssen zahlen

Straßenunterhaltung ist in einer Kommune auch Sache der Bürger. Die Anlieger werden nach dem Kommunalabgabegesetz zur Beitragszahlung herangezogen. Manchmal - wie in der Lasallestraße in Lüstringen - sind die Bürger mit dem Zustand der Straßen durchaus zufrieden und lehnen Erneuerungen ab. Die Höhe der Anliegerbeiträge variieren je nach Funktion der Straße: Bei Hauptverkehrsstraßen trägt der Steuerzahler die Hauptlast, nur ein Viertel zahlen die Anlieger. Wohnsammelstraßen gehen zu maximal 75 Prozent zu Lasten der Anlieger, reine Wohnstraßen werden zu 90 Prozent von den Anwohnern finanziert.

Diese Straßen werden ausgebessert

Am kommenden Dienstag und Mittwoch wird auf dem Konrad-Adenauer-Ring in Fahrtrichtung Hauptbahnhof die rechte Geradeaus-Spur auf der Hasebrücke gesperrt, da Fahrbahnverwerfungen beseitigt werden müssen. An diesen Tagen wird auch auf der Vehrter Landstraße im Kreuzungsbereich zum Haster Weg (Richtung Belm) eine Fahrbahn ausgebessert. Es kann zu Behinderungen kommen. Die Straßenbauer haben einige stark belastete Straßen permanent im Blick. Dazu gehört die Römererschstraße, die im Sommer oberflächlich saniert worden ist. Auf der Arbeitsliste stehen außerdem: Schlosswall, Martinistraße, Parkstraße, Atterstraße, Meller Straße, Albrechtstraße, Knollstraße, Icker Weg, Am Vogelsang. Darüber hinaus werden Wohnstraßen auf dem Schölerberg, in Widukindland und auf dem Westerberg nach und nach renoviert. Der Neue Graben wird erst grundsaniert, wenn eine Entscheidung über die Zukunft des Neumarktes getroffen ist.

DER VERFALL beginnt mit einem Riss. Wasser, Frost und die Last des Verkehrs vergrößern die Schlaglöcher schnell. Das Foto entstand Am Vogelsang.

TÄGLICH sind die Straßenbauer unterwegs, um Löcher zu stopfen und Risse mit Bitumen zu flicken. Das Foto entstand gestern an der Elbestraße.

KOMMENDE WOCHE wird an der Kreuzung Vehrter Landstraße/ Haster Weg der poröse Asphalt erneuert.

DIE BETONPLATTEN der Vehrter Landstraße geraten untem der Last des Auto- und Lkw-Verkehrs in Bewegung. An manchen Stellen sind die Platten um mehrere Zentimeter verschoben. Hier hilft nur eine teure Grunderneuerung, für die das Geld fehlt.
Autor:
Wilfried Hinrichs, Michael Hehmann


Anfang der Liste Ende der Liste