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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Zum Sedantag ging Vater nur mit Zylinder
Zwischenüberschrift:
Osnabrück im September 1904: Von Brauchtumswahrern und ersten Anzeichen der Moderne
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Zum Sedantag ging Vater nur mit Zylinder

Osnabrück im September 1904: Von Brauchtumswahrern und ersten Anzeichen der Moderne

Osnabrück

Zum ersten niederdeutschen Volkstrachtenfest wurde durch die Lokalzeitungen in ganz Norddeutschland eingeladen. Auch in Osnabrück erschien ein Aufruf. Wer im September in " Original-Tracht" aus dem Osnabrückischen nach Scheeßel zu fahren beabsichtigte, dem wurde die Bahnfahrt stark ermäßigt und " der Aufenthalt in jeder Beziehung so angenehm wie möglich" gestaltet.

Das Trachtenwochenende bot Vorträge über das niedersächsische Bauernhaus, über Kunstgegenstände und Hausgeräte aus alter Zeit sowie plattdeutsche Theaterszenen. Nach einem farbenfrohen Trachtenumzug fanden sich die Teilnehmer und Schaulustigen zu einem großen Fest zusammen. Die Absicht, " das Verständnis für die Trachten neu zu beleben", war sicher ehrenvoll. Der Versuch kam viel zu spät und lief dem Zeitgeist entgegen, denn der Abschied von den Trachten im Alltag war auch in den abseits gelegenen Regionen bereits in vollem Gang.

Wieder begingen die Rückwärtsgewandten am 4. September den " Sedantag", der mittlerweile schon heftig umstritten war, weil er immer wieder jedes politische Tauwetter durchkreuzte. Die zahlreichen Kriegervereine veranstalteten ihre Vortreffen in den Biergärten der Stadt und versammelten sich am Sedangedenktag zum Umzug vor dem Rathaus. " Dunkler Anzug mit Zylinder" musste dazu getragen werden.

In der Osnabrücker Zeitung erschien ein Aufruf des Festkomitees, in dem zu lesen war: " Heute ist es weniger das Gefühl des Triumphes gegenüber dem gedemütigten Feind als vielmehr das Gefühl des Dankes für den Segen, den jener verhängnisvolle Tag für unser teures Vaterland brachte, indem er uns die lang ersehnte Wiedergeburt des geeinten deutschen Reiches schenkte."

Modernisierung und Umbauten veränderten nach und nach das Bild der Alt- und Innenstadt. Das Haus der Familie Henrici, Ecke Hamkenstraße/ Große Straße, dessen Ursprung angeblich in die ältesten Zeiten der Stadt zurückreichte, wurde an der Vorderfront maßgeblich verändert. Architekt Thor hatte den Auftrag, das Haus mit zwei großen Schaufenstern zu versehen. Die Ladenbesitzer wollten ihre Waren den Kunden präsentieren, denn nur was die Kundschaft sehen konnte, wurde auch verkauft.

Am 26. September 1904 erschien die 10.000. Ausgabe der Osnabrücker Zeitung. Zu Recht wurde allerdings daraufhin gewiesen, dass die Vorgänger des Blattes, streng genommen, noch zu den 10.000 dazuzuzählen wären. Der früheste Vorläufer der Osnabrücker Zeitung war ehedem eine der ältesten deutschen Zeitungen überhaupt, die " wöchentlichen Osnabrückischen Anzeigen", die seit 1766 unter der Aegide von Justus Möser erschienen.

Stolz wurde in der Jubiläumsausgabe die Entwicklung der Drucktechnik von der kleinen Handpresse bis zum Rotationsverfahren beschrieben. Konnten einst, zu Mösers Zeit, hundert Exemplare in der Stunde gedruckt werden, so vermochte die Zeitungstechnik 1904 in gleicher Spanne zehntausend Exemplare zu drucken und zu falten.

Ende des Monats bildete das Osnabrücker Turnerfest den sportlichen Höhepunkt der Freizeitaktivitäten in der Stadt. In der Schlosswallhalle fand das große Schauturnen aller Turnvereine statt. Sämtliche Übungen gingen " exakt und musterhaft" vonstatten. Im Anschluss verabschiedeten sich viele der jungen Turner zum Militärdienst.

Auch das findet sich noch: " An einem Sprengwagen brach am Sonnabend am Domhof ein Hinterrad. Der Wagen fiel zur Seite, doch konnte der Kutscher abspringen, ohne dass ihm ein Unfall zustieß."

GROSSE FENSTER UND PLAKATE: Auf diesem Bild von 1926 ist das Haus vor dem Abriss und kaum wiederzuerkennen.

VOR DEM UMBAU: Ein Foto der Eisenhandlung Henrici im Haus Nr. 66 an der Ecke von Hamkenstraße und Großer Straße aus dem Jahr 1900. Fotos: Rudolf Lichtenberg
Autor:
Christiana Keller


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