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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Steinburgen in grünen Oasen?
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Sorgen um " ihre grüne Lunge" machen sich die Bewohner des Häuserkarrees Krelingstraße/ Liebigstraße/ An der Tentenburg (siehe Bericht auf Seite 11). Der Innenbereich, der von den roten Ziegelbauten begrenzt wird, strotzt heute vor gesundem Obst und Gemüse, vor Blumen und Grünpflanzen in etwa 60 Hausgärten. Ein Teil davon soll über kurz oder lang zusammengeschoben worden, wenn es nach dem neuen Besitzer der Wohnanlage geht. Er will die vorhandene U-förmige Bebauung im nördlichen Bereich locker abschließen. Mit Reihenhäusern.

Seit das Osnabrücker Kupfer- und Drahtwerk in den Jahren 1923/ 24 für " seine OKDier" an dieser Stelle Werkswohnungen errichtete, gibt es hier nutzbare Gartenflächen und Wäschebleichen. Heute sind etwa 60 Hausgärten vorhanden das sind für 75 Prozent der Wohneinheiten Oasen der Erholung, Entspannung, Abwechslung.

Der neue Vermieter mit Bauabsichten ist die Osnabrücker Wohnungsbaugesollschaft (OWG). Für 3 Mio. DM erwarb die fast 100prozentige Tochtergesellschaft der Stadt Osnabrück die Wohnanlage von" kabelmetal", das den Komplex zum Verkauf anbot, weil ,, der Wohnungsbestand nach Umfang und Bausubstanz keine selbständige Bewirtschaftung" erlaubt.

Die OWG schließlich hat die Wohnanlage ,, in voller Unterstützung der Stadt und der städtischen Gremien erworben mit dem Ziel, die Werkswohnungen in ihrer Gesamtheit, äußeren Gestalt und vorhandenen Sozial- und Mieterstruktur zu erhalten". Sie tue dies, so Geschäftsführer Dr. Stöckmann auf Anfrage, ,, ausschließlich im städtischen Interesse und in ihrer Verpflichtung als städtische und gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft, nicht aus wirtschaftlichen Erwägungen".

Stockmann weist allerdings auch darauf hin, daß " durch den Erwerbspreis in Verbindung mit den Finanzierungskosten sich Mietpreise ergeben, die von den bisherigen Mieten nicht gedockt sind". Also: Erst einmal Mieterhöhung.

Und Stöckmann weiter: ,. Es ist darauf hinzuweisen, daß auch nach Durchführung von Mieterhöhungen ein wirtschaftlicher Verlust bestehen bleibt. Dabei ist der Einsatz von Finanzmitteln für die notwendige Instandsetzung und Instandhaltung noch nicht berücksichtigt."

Darin liegt also die Begründung für den Bau der Reihenhäuser. Acht bis zehn Einheiten will die OWG in die Gartenflächen pflanzen. Stöckmann: ,, . . . annähernd 15 Prozent der Garten- und Freiflächen (dadurch) in Anspruch genommen." Das muß bezweifelt werden.

Wer sich heute mit Reihenhausern beschäftigt, weiß, daß die Grundstückstiefe (mit Zuwegung) runde 25 Meter beansprucht. Etwa so breit ist der nördliche Gartenstreifen mit rund 30 Parzellen. Eine einfache Rechnung: Zieht man diese Zahl von den 60 vorhandenen Gärten ab, kommt man leicht auf etwa 50 Prozent (!), die bei einer Bebauung wegfallen müssen.

So gut die Übernahme der Wohnanlage durch ein städtisches Wohnbauunternehmen aussieht (weil das Ensemble erhalten bleibt und hoffentlich bald modernisiert wird), so schlecht wäre eine Bebauung. Weil dadurch eine intakte " grüne Lunge" für alle Bewohner zerstört wird. Der Hinweis auf die Grünanlage zwischen Liebigstraße/ Krelingstraße/ Schlachthofstraße dürfte nur von einem Planer kommen, dessen Horizont vom Rand des " grünen Tisches" begrenzt wird. Und auch die Gartlage ist kein vollwertiger Ersatz besonders nicht für die vielen älteren ehemaligen Werksangehörigen bzw. deren Angehörigen. Daß derzeit auch der Aufsichtsrat der städtischen Baugesellschaft OWG offenbar allein Kenntnisse aus Plänen hat, läßt sich an der Aussage eines Mitgliedes ablesen. Doch: " Ich gehe da bestimmt noch hin." Das Aufsichtsratsmitglied sollte nicht allein gehen, es sollte die Kollegen aus diesem Gremium mitnehmen, sollte den gesamten Rat einladen, damit er sich vor Ort ein exaktes Bild machen kann. Vor allen Dingen: Die gewählten Volksvertreter sollten da draußen auch mit den Menschen sprechen.

Man kann der OWG-Geschäftsführung und dem Aufsichtsrat nur raten, sich einmal in der Jubiläumsausstellung (Dominikanerkirche) umzusehen. Dort zeigt Ausstellungsobjekt Nr. 280 die " Ansicht der OKD-Siedlung an der Liebigstraße, einer nach wie vor städtebaulich vorbildlichen und immer noch funktionstüchtigen Arbeiter- und Beamtensiedlung, erbaut in den zwanziger Jahren".

Dazu der Katalog: " Konsequent wurden jedem Haus bzw. jeder Wohnung als notwendige Ergänzung der Lebensgrundlage ein Hausgarten zugeordnet. Den unverzichtbaren Zusammenhang der Gärten mit dem an dieser Stelle realisierten Siedlungskonzept dokumentieren die freistehenden Ställe, die den Wohnungen der Mehrfamilienhäuser quasi als Ausgleich zu den Vorteilen eines Einfamilienhauses auf der Rückseite gebaut wurden und noch heute erhalten sind." Doch wie lange noch?

Die Mitglieder des Rates, die einem Bebauungsplan für dlesen Bereich zustimmen müssen, wollen wohl den siedlungsbauenden Fabrikherren von damals zeigen, was Städtebau heute ist eine profitable Sache?'
Autor:
Harald Preuin


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