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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Mit der Mülldeponie schloss auch das Möwen-Buffet
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Vogelkundler gespannt: Gehen Vögel jetzt aggressiv betteln? Ein Menü so nahrhaft wie Hundefutter
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Mit der Mülldeponie schloss auch das Möwen-Buffet

Vogelkundler gespannt: Gehen Vögel jetzt aggressiv betteln? Ein Menü so nahrhaft wie Hundefutter

Osnabrück

Vor wenigen Wochen feierten die Vögel an der zentralen Mülldeponie Piesberg ahnungslos eine letzte Abschiedsparty: Möwen, Krähen, Elstern und Stare labten sich noch einmal an Wurst- und Käseresten, die mit dem Hausmüll aus Osnabrück und Umgebung jahrzehntelang angekarrt worden waren. Jetzt ist die Deponie geschlossen, und Vogelschützer rätseln, welche Auswirkungen das haben wird.

Fast zeitgleich nämlich sind bundesweit alle Mülldeponien geschlossen worden, weil die neue Gesetzgebung nur noch vorherige Sortierung und anschließende thermische Verwertung zulässt. Der Landkreis Osnabrück setzt dabei auf das wegweisende Herhof-Modell. Die entsprechende Anlage soll bald im Osnabrücker Hafen ihren Betrieb aufnehmen, und bis dahin wird der gesamte Müll übergangsweise in Hamburg, Kremen und Bassum verwertet.

Der Biologieprofessor Wilfried Meyer von der Tierärztlichen Hochschule Hannover hat sich in einem Buch mit der Bedeutung von Müllkippen für Vögel und Säugetiere auseinander gesetzt. Darin kommt er zu dem Schluss, dass mit der bundesweiten Schließung der Deponien den Tieren ihre beste Futterstelle genommen wird. Nirgends habe sich Raben und Möwen, aber auch Greifvögeln ein so abwechslungsreiches Büffet angeboten wie auf den Müllkippen. " Was vom Tisch in den Mülleimer wandert, ergibt häufig ein Menü, das genauso nahrhaft ist wie Hundefutter", so Meyer

Zahlreiche Mäuse lockten Greifvögel

Vogelschützer beobachten nun gespannt, wie sich die Vogelpopulation am Piesberg verändert. Das kann durchaus auch Auswirkungen auf das Umland haben. In die Spannung mischt sich aber auch Sorge. So haben Experten auf der Deponie auch den seltenen Kotmilan beobachtet, der zwischen Dosen und Abfall nach Beute pickte. Der Greifvogel steht auf der roten Liste gefährdeter Arten und wird nach Meyers Ansicht in einigen Gegenden ohne Deponie nicht mehr über die Runden kommen. Milane und Bussarde labten sich dort übrigens nicht nur an Kotelettresten und Co: Auch die zahlreichen Mäusen auf den Deponien waren im wahrsten Sinne des Wortes fette Beute. Für Störche brechen ebenfalls neue Zeiten an. Für sie bildeten die rund 160 deutschen Großkippen eine Art Flughafenrestaurant auf der Durchreise. " Für die Störche wird es härter", prophezeit Prof. Meyer.

Auf die Möwen am Piesberg werden viele Menschen in Osnabrück gerne verzichten, denn die hatten den Unrat von der Deponie mit Vorliebe in angrenzende Gärten fallen lassen. Für die Wasservögel sind die großen Futterplätze übrigens so attraktiv, dass sie teilweise morgens an der Küste starteten, sich an den Deponien den Bauch vollschlugen und abends zurückkehrten. Das hatten Ornithologen anhand der Beringungen festgestellt.

Weichen die jetzt hungrigen Vögel aus oder stellen sie ihre sinnlos gewordenen Flüge ein? Da sind sich die Experten noch nicht ganz sicher. Der Professor aus Hannover meint, zumindest die Möwen würden nun verstärkt auf Campingplätzen an Seen oder auf Autobahnraststätten ihr Glück probieren.

Den Piesberg-Uhu lässt das alles kalt

Urlauber und Autofahrer müssten dort mit selbstbewusst auftretenden Möwen rechnen, die ihren Anteil vom kleinen Snack zwischendurch einforderten.

Entwarnung für eine ganz seltene Großeule, den Uhu, gab Werner Kirchner vom Fachbereich Grün und Umwelt der Stadt Osnabrück. Das Uhu-Pärchen, das seit Jahren am Piesberg brütet, dürfte auch ohne die Deponie überleben. " Ich rechne nicht mit negativen Auswirkungen auf den Uhu, der ist von seinem Beuteverhalten her nicht vom Müll abhängig."

NAHRUNG SATT: Mit dem Hausmüll kamen Wurst, Brot und andere Leckereien, die Möwen schmecken. Auch vom Piesberg wurden sie daher magisch angezogen.

SOLCHE MÖWENSCHWÄRME AUF DEUTSCHEN MÜLLDEPONIEN (wie hier am Osnabrücker Piesberg auf einem Bild von Ende 2004) gehören jetzt der Vergangenheit an: Vogelschützer sind auf die sich daraus ergebenden Veränderungen gespannt. Fotos: Archiv/ Klaus Lindemann
Autor:
Christoph Franken


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