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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
"Dies Fassädchen ist in seiner Umgebung fremd geworden"
Zwischenüberschrift:
Große Straße 62: Erinnerung an Leinen, Tabak und Wein
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Eine der wenigen Barock-Fassaden Osnabrücks hat den Feuersturm vor vierzig Jahren überlebt. Sie konnte beim Wiederaufbau des Hauses Große Straße 62 durch die Architekten W. und U. Nietmann sachgerecht restauriert werden. Bis 1926 hatte das Gebäude jeder Modernisierung getrotzt. Dann wurden von dem neuen Besitzer im Erdgeschoß größere Schaufenster gewünscht.

Auf alten Fotos erkennt man rechts und links neben dem Mitteleingang hohe Fenster, die einen Zwischenstock im Inneren erkennen lassen, so daß Wohn- und Geschäftsräume in diesem Bürgerhaus ineinander übergingen. Hinter dem Wohnhaus lag, wie in Osnabrück üblich, ein Steinwerk mit Saal und Nebenräumen.

Um 1790 hat Hermann Friedrich Gösling das Grundstück von dem Landphysikus Wehrkamp erworben und nicht nur die neue Fassade, sondern wahrscheinlich das ganze vordere Haus zwischen 1792-1793 errichtet. In diesen Zeitraum fällt eine Erhöhung seiner jährlichen Feuerversicherung. Nach einem Verzeichnis aus französischer Zeit war H. F. Gösling damals Großhändler in Leinen und Wein.

Im frühen 19. Jahrhundert ging das Haus an die Familie Dütting über und war 1845 Sitz der " Zigarrenfabrik Rosenhagen und Dütting", bis sich in den zwanziger Jahren unseres Jahrhunderts dort ein Schuhgeschäft niederließ. Damals war in der Innenstadt eine Umbaueuphorie entstanden, vergleichbar nur dem Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg.

Der Bauunternehmer Robert Thor hatte bereits die anschließenden Häuser bis zur Großen Hamkenstraße erworben und plante den Durchbruch einer neuen Straße bis zur Katharinenkirche. Er baute am Eingang der " Jürgensort" genannten neuen Verbindung (die erst nach dem letzten Krieg endgültig fertiggestellt wurde) zwei große Geschäftshäuser, wie sie noch heute deutlich zu erkennen sind. Der Architekt Fritz Hammersen stand vor der schwierigen und ausdrücklichen Auflage, beim Einbau der Schaufenster die Eigenart des alten Hauses zu bewahren, denn die Fassade stand bereits unter Denkmalschutz.

Doch der Charakter der " alten" Großen Straße war nicht zu retten, und besonders die damals recht großspurig wirkenden Eckbauten kündeten eine Wandlung zur Hauptgeschäftsstraße an. Man sagte, " dies kleine zopfige Fassädchen ist in seiner Umgebung fremd geworden" und erwog seine Umsetzung in die Altstadt.

Die Stadt bewilligte 1925/ 1926 dem Besitzer nach langen Debatten in den Magistratssitzungen einen Zuschuß von 2000 Mark, aber die Realisierung des Projektes war schließlich nur dadurch möglich, daß Robert Thor als Nachbar einen Geländestreifen seines Grundstücks für einen neuen Hauseingang abtrat. Nur dadurch wurde uns ein Beispiel der Bauperiode des ausgehenden 18. Jahrhunderts erhalten.

Ein Kranzgesims folgt dem Schwung des Giebels und hat zum Schutz der Fassede eine Tropfleiste, eine sogenannte " Wassernase", die hervorragend geeignet ist, den Regen abzuleiten.

Dadurch sind die vom Bildhauer Gerhard Wessel (1744 1811) geschaffenen Sandsteingehänge über zweihundert Jahre hinweg erhalten geblieben.

Wessel war damals zur gleichen Zeit mit Arbeiten an dem Neubau der Bischöflichen Kanzlei beschäftigt. In der Form seiner Vasen, oben auf dem Giebel, erkennt man, wie sehr er noch der englischen Architektur verhaftet war, die er bei seinem langjährigen Aufenthalt in London studieren konnte. Der Obergangsstil zum Klassizismus, in dem die antike Form wieder auflebte, dokumentiert sich besonders in der mittleren Fensterumrahmung.

Die sauber aneinander gefügten Steinplatten des Erdgeschosses sind zwar durch die Schaufenster ihrer einst monumentalen Wirkung beraubt, lassen aber noch immer die Absicht erkennen, das Material ohne Verputz voll zur Geltung zu bringen.

TROTZ DES UMBAUS mit großflächigen Schaufenstern blieb der Charakter des Hauses gewahrt.

DIE " WASSERNASE" hat die Sandsteinfassade des Geschäftshauses Große Straße 62 wirksam vor Schäden bewahrt.

Fotos:
I. Lindemann
Autor:
Ilsetraut Lindemann


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