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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Derzeit keine Wolken am Entsorgungshimmel
Zwischenüberschrift:
Müllbehandlungsanlage im Osnabrücker Hafen nimmt Mittwoch offiziell den Betrieb auf - "Hausaufgaben gemacht"
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Originaltext:
Von Wolfgang Elbers (Text) und Gert Westdörp (Fotos)

Chronologie

April 2000: Beschluss von Kreistag und Stadtrat, die Ausschreibung für die gemeinsame Vergabe der Restmüllentsorgung (rund 85 000 Tonnen) vorzubereiten

Juli 2000: Gründung der " Entsorgungsgesellschaft Stadt und Undkreis Osnabrück GbR" August 2000: Veröffentlichung der europaweiten Ausschreibung in den amtlichen Veröffentlichungen der EG - Start des Vergabeverfahrens

Februar 2001: Vergabebeschluss durch Kreistag und Stadtrat - Das mittelständische hessische Unternehmen Herhof erhält aufgrund der innovativen Stabilattechnik und des günstigsten Preises (rund 75 Euro pro Tonne zuzüglich Preissteigerungsanpassung während der 18-jährigen Vertragslaufzeit) den Entsorgungszuschlag bis 2022

März 2001: Abschluss des Vertrages zwischen der Entsorgungsgesellschaft Stadt und Landkreis GbR und der Firma Herhof Umwelttechnik - Herhof hinterlegt eine Hermes-Bürgschaft in Höhe von 6, 7Millonen Euro als Sicherheit

Mitte 2003: Herhof gerät in die finanzielle Schieflage. Der irische Investor Treasury übernimmt den hessischen Entsorger

November 2003: Baubeginn der rund 24 Millionen Euro teuren Müllbehandlungsanlage im Osnabrücker Hafen

Dezember 2004: Die Anlage ist zu über 75 Prozent fertig gestellt - der biologisch-mechanische Teil geht in Probebetrieb

Januar 2005: Die Herhof Umwelttechnik GmbH meldet überraschend Insolvenz an

März 2005: Eröffnung des Insolvenzverfahrens

Mai 2005: Angebot eines griechischen Konsortiums, an dem Elliniki Technodomiki (50 Prozent), Bilfinger Berger( 25, 2), Helector (12, 4) und Herhof Services GmbH (12, 4) beteiligt sind, zur Übernahme des Entsorgungsvertrages mit der GbR und der Osnabrücker Anlage

Ende Mai 2005: Schließung der Deponie Piesberg, an der Annahmestelle können Bürger aber weiter Stoffe entsorgen, die nicht in die Mülltonne passen. Der Restmüll aus Stadt und Landkreis wird bis zur Fertigstellung der Anlage im Osnabrücker Hafen in Bassum sowie Müllverbrennungsanlagen in Bremen und Hamburg entsorgt - Die Mehrkosten für die acht Monate bis zum Anlagenstart am 1. Februar 2006 bewegen sich in einer Höhe von rund drei Millionen Euro und sind über die Hermes-Bürgschaft abgedeckt, die Herhof bei Vertragsabschluss hinterlegt hat

2. Juli 2005: Erwerb der Osnabrücker Anlage durch die neugegründete Herhof Recyclingcenter GmbH - Das griechische Konsortium hinterlegt zehn Millionen Euro für die Fertigstellung der Müllbehandlungsanlage und eine neue Hermes-Bürgschaft über 6, 7 Millionen Euro

26./ 27. Juli 2005: Kreisausschuss und Verwaltungsausschuss der Stadt stimmen der Vertragsübernahme zu

August 2005: Wiederaufnahme der Bauarbeiten an der Müllbehandlungsanlage

November 2005: Start der Warminbetriebnahme

Februar 2006: Die Anlage wird unter Volllast gefahren - Entsorgung der 85000 Restmülltonnen aus dem Osnabrücker Raum

Osnabrück

Das hätte sich vor einem Jahr niemand träumen lassen: Mit deutschem Know-how und griechischer Wirtschaftskraft des " Ellinicki Technodomiki"- Konzerns werden ab Mittwoch kommender Woche die 85 000 Tonnen Haushaltsmüll aus Stadt und Landkreis in der modernen Müllbehandlungsanlage im Osnabrücker Hafen entsorgt.

Griechischer Wein ist in doppelter Hinsicht ein Schlager - aber Müll-Technologie " Made in Greece" für die Entsorgung unseres Hausmülls? Nicht nur Politiker, sondern auch viele Bürger hatten ihre Zweifel, ob dieses Modell wirklich Entsorgungssicherheit bietet. Doch seit die anfangs belächelten Griechen im Boot sind, läuft auf der Müllbehandlungsbaustelle am Fürstenauer Weg alles exakt nach Plan. Christian Niehaves, Geschäftsführer der Abfallwirtschaft GmbH (Awigo) und einer der beiden Kreisvertreter in der gemeinsamen Entsorgungsgesellschaft Stadt und Landkreis Osnabrück GbR: " Das sind unglaublich zuverlässige Vertragspartner. Alle Termine und Absprachen wurden punktgenau eingehalten. Die Anlagentechnik ist im Probebetrieb auch im Volllastbereich ohne Probleme gelaufen."

Von der üblichen Countdown-Hektik ist fünf Tage vor der offiziellen Eröffnung am Mittwoch rund um die Müllbehandlungsanlage nichts zu spüren: Letzte Feinjustierungen, Wartung der Maschinen und Reinigungsarbeiten bestimmen das Bild. Baustellenleiter Dimitris Grammatas von " Elliniki Technodomiki" flog am Freitagabend auch wie gewohnt übers Wochenende in die griechische Heimat: " Die Hausaufgaben sind gemacht." Zu den Hintergründen des überraschenden Engagements der Griechen in Osnabrück bemüht der 41-jährige Ingenieur eine legendäre Songzeile von Frank Sinatra. " Wenn wir es hier schaffen, können wir überall auf der Welt mit dieser Technologie Erfolg haben." Seine einleuchtende Erklärung: In Deutschland gebe es strikte Umweltauflagen und eine große Sensibilität in Müllfragen. Grammatas: " Wenn wir hier überzeugen, ist das eine optimale Basis für die internationale Vermarktung des Trockenstabilatverfahrens, denn die Deutschen sind besonders kritisch."

Aus Müll wird ein Ersatzbrennstoff

Die Stufen vom Abfall bis zum Stabilat - " Lara" erhitzt Abluft auf 850 Grad

Die Anlieferung: Im Durchschnitt werden täglich 350 Tonnen Müll in der Osnabrücker Anlage verarbeitet - eine Menge, die dem Inhalt von rund 35 Müllfahrzeugen entspricht. Die Laster fahren rückwärts an die Tiefbunker heran, die durch Rolltore und eine Luftschleuse " abgesichert" ist, um zum Beispiel Geruchsbelastungen zu vermeiden.

Die Vorzerkleinerung: Staub wirbelt auf, wenn der Polygreifer in den Müll eintaucht und bei jedem Einsatz rund drei Tonnen Abfall aus dem Bunker in den Vorzerkleinerer hievt. Von dort gelangt das Material über zwei Förderbänder in einen Zwischenbunker. Die Rottebox: Per automatisch gesteuertem Zweischalengreifer gelangt der zerkleinerte Müll aus dem Zwischenbunker in die 30 Meter langen und 5 Meter breiten Rotteboxen, dem Herzstück der biomechanischen Müllbehandlung. In einem 6 bis 7 Tage dauernden, geschlossenen Intensivprozess wird dem Müll durch Eigenerhitzung auf rund 50 Grad Wasser entzogen. Die Müllmasse schrumpft um rund ein Drittel. Beeinträchtigungen der Umwelt durch üble Gerüche oder belastetes Wasser werden durch geschlossene Kreisläufe und weitere Behandlungsschritte wie Kläranlage und Abluftreinigung ausgeschlossen. In den beiden Lara-Türmen (Luft-und-Abgas-Reinigungsanlage) wird die Abluft auf 850 Grad erhitzt und gereinigt " entlassen".

Die stoffliche Trennung: Das trockenstabilisierte Material wird in mehreren Schritten getrennt, um eine möglichst einheitliche Stabilatqualität zu erreichen. Durch Luftströme, Rüttler, Magnete und Nichteisen-Metallabscheider werden Leichtgut und Schwerfraktion separiert und dabei noch einmal Wertstoffe sowie Störelemente wie Batterien oder Inertstoffe (nicht brennbare Materialien) herausgefiltert. Ergebnis: Am Ende bleiben rund 50 Prozent des ursprünglichen Mülls als Trockenstabilat übrig. Die aussortierten Fraktionen werden weiterverwertet. Die Pelletlerpresse: In der rund eine Million Euro teuren Maschine erfolgt die Aufbereitung des Stabilats gemäß den Kundenwünschen - durch Pressen zu Softpallets. Für den Ersatzbrennstoff-Einsatz im Holcim-Zementwert bei Hamburg, das 30 000 der in Osnabrück produzierten rund 45 000 Tonnen Stabilat

(...)

ALLES IM ZEITPLAN für den Volllastbetrieb: Am Mittwoch, 1. Februar, nehmen Landrat Manfred Hugo und Osnabrücks Oberbürgermeister Hans-Jürgen Fip den symbolischen Start-Knopfdruck vor. Baustellenleiter Dimitris Crammatas (links) und Betreibsleiter Ralf Tuminski mit dem Endprodukt Stabilat, zu dem die 85 000 Tonnen Restmüll verarbeitet werden.

DER GREIFER hievt den Abfall aus dem Bunker in den Vorzerkleinerer.

Die lange Zeit offene und letztlich entscheidende Entsorgungsfrage " Wo bleibt das Stabilat?" ist mittelfristig gelöst. Die 45000 Tonnen Ersatzbrennstoff, die in Osnabrück jährlich produziert werden, nehmen in den nächsten sieben Jahren das Holz im Zementwerk bei Hamburg (30 000 Tonnen) sowie ein regionales Entsorgungsunternehmen ab. Bei rund 30 Euro pro Tonne (plus Transport) soll der Preis liegen, den Anlagenbetreiber Herhof Recyclingcenter Osnabrück GmbH (HRO) den Abnehmern zahlt.

Herhof-Betriebsleiter Ralf Tuminski lässt allerdings keinen Zweifel, dass aus Unternehmenssicht eine Entsorgungsmöglichkeit in Nähe Osnabrücks weitaus sinnvoller wäre: " Wenn in der Region ein Kraftwerk gebaut würde, wäre das ideal für den Stabilateinsatz." Im Stadtgebiet ist die Verbrennung von Stabilat per Ratsbeschluss ausgeschlossen, Aber HRO hofft, dass sich mittelfristig vielleicht etwas bewegt. Interesse von lokalen Firmen am Stabilat gebe es jedenfalls. Noch in einem zweiten Punkt stieße ein Sinneswandel der Stadt-Politik bei den Griechen auf Gegenliebe: Die Ära läge könnte problemlos so aufgerüstet werden, dass auch die 30 000 Tonnen Gewerbemüll, die in der Region anfallen, hier zusätzlich entsorgt werden könnten. Dafür müsste aber die vom Rat festgeschriebene Kapazitätsbegrenzung falleen, so Bauleiter Grammatas mit einem Lächeln: " Wir haben gezeigt, dass wir zuverlässig sind und könnten auch bei diesem Problem helfen."

Zunächst zählen aber die aktuellen Fakten. Awigo Chef Niehaves: " Wir habe mit derzeit rund 80 Euro einen konkurrenzlos günstigen Entsorgungspreis, um den wir bundesweit beneidet werden, und eine Vorzeigeanlage bekommen." Eine Art vorläufiges; Happy End nach langer Zitterpartie. Aus Müll wird ein Ersatzbrennstoff.

Die Stufen vom Abfall bis zum Stabilat - " Lara" erhitzt Abluft auf 850 Grad

Die Anlieferung: Im Durchschnitt werden täglich 350 Tonnen Müll in der Osnabrücker Anlage verarbeitet - eine Menge, die dem Inhalt von rund 35 Müllfahrzeugen entspricht. Die Laster fahren rückwärts an die Tiefbunker heran, die durch Rolltore und eine Luftschleuse " abgesichert" ist, um zum Beispiel Geruchsbelastungen zu vermeiden.

Die Vorzerkleinerung: Staub wirbelt auf, wenn der Polygreifer in den Müll eintaucht und bei jedem Einsatz rund drei Tonnen Abfall aus dem Bunker

in den Vorzerkleinerer hievt. Von dort gelangt das Material über zwei Förderbänder in einen Zwischenbunker. Die Rottebox: Per automatisch gesteuertem Zweischalengreifer gelangt der zerkleinerte Müll aus dem Zwischenbunker in die 30 Meter langen und 5 Meter breiten Rotteboxen, dem Herzstück der biome-chanischen Müllbehandlung. In einem 6 bis 7 Tage dauernden, geschlossenen Intensivprozess wird dem Müll durch Eigenerhitzung auf rund 50 Grad Wasser entzogen. Die Müllmasse schrumpft um rund ein Drittel. Beeinträchtigungen der Umwelt durch üble Gerüche oder belastetes Wasser werden durch geschlossene Kreisläufe und weitere Behandlungsschritte wie Kläranlage und Abluftreinigung ausgeschlossen. In den beiden Lara-Türmen (Luft-und-Abgas-Reinigungsanlage) wird die Abluft auf 850 Grad erhitzt und gereinigt " entlassen".

Die stoffliche Trennung: Das trockenstabilisierte Material wird in mehreren Schritten getrennt, um eine möglichst einheitliche Stabilatqualität zu erreichen. Durch Luftströme, Rüttler, Magnete und Nichteisen-Metallabscheider werden Leichtgut und Schwerfraktion separiert und dabei noch einmal Wertstoffe sowie Störelemente wie Batterien oder Inertstoffe (nicht brennbare Materialien) herausgefiltert. Ergebnis: Am Ende bleiben rund 50 Prozent des ursprünglichen Mülls als Trockenstabilat übrig. Die aussortierten Fraktionen werden weiterverwertet. Die Pelletierpresse: In der rund eine Million Euro teuren Maschine erfolgt die Aufbereitung des Stabilats gemäß den Kundenwünschen durch Pressen zu Softpallets. Für den Ersatzbrennstoff-Einsatz im Holcim-Zementwert bei Hamburg, das 30 000 der in Osnabrück produzierten rund 45 000 Tonnen Stabilat abnimmt, muss eine bestimmte Pelletqualität zum Einsatz in der dortigen Vorkalzinierung produziert werden. Herhof-Betriebsleiter Tuminski: " Stabilat ist nicht gleich Stabilat. Wir gewährleisten durch die Feinabstimmung die Heizwert- und Produktqualität, die unser Kunde in seiner Anlage braucht."

Die Aufbereitung: Die gesamte Technik der Anlage ist " eingehaust". Die staubangereicherte Luft wird an festgelegten Stellen abgesaugt und durch die Entstaubungsanlage geführt. Die im Abfall enthaltene Feuchte wird über ein Wärmetauschersystem kondensiert. Das abgesonderte Kondensat geht durch eine Reinigungsanlage, wird danach für den Kühlkreislauf der Rotteboxen genutzt und verdunstet am Ende über offene Kühler, ein abwasserfreies Verfahren.

SAUBERE INNENWELT: Die komplette Technik ist abgekapselt.

DER GREIFER hievt den Abfall aus dem Bunker in den Vorzerkleinerer.


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