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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Die umgeknickten Bäume gar nicht mehr gezählt
 
Baum krachte auf fahrenden Pkw
Zwischenüberschrift:
Mit Spitzengeschwindigkeiten von 110 km/h fegt seit Sonntagmittag ein schwerer Orkan
 
Feuerwehr bereitet sich auf noch schlimmere Nacht vor
 
Autofahrerin blieb unverletzt
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Mit Spitzengeschwindigkeiten von 110 km/ h fegt seit Sonntagmittag ein schwerer Orkan

Stadt und das Umland

SELBST DICKE BÄUME hielten m Stadt und Land dem schweren Sturm nicht stand, krachten auf Fahrzeuge (das Foto links entstand im Schinkel in Osnabrück) oder legten sich quer über Fahrbahnen, die zeitweise gesperrt werden mussten (Foto rechts die Venner Straße in Belm).

Fotos: Hermann Pentermann (3), Achim Köpp, Hendrik Seeger.

Die umgeknickten Bäume gar nicht mehr gezählt

Feuerwehr bereitet sich auf noch schlimmere Nacht vor

Von Beate Dammermann

Osnabrück

Die Unwetterwarnungen hatten nicht übertrieben: Was seit Sonntagmittag über Osnabrück hinwegfegte, war kein kurzer und heftiger Gewittersturm, sondern ein über viele Stunden andauernder Orkan, der mit Geschwindigkeiten über 100 km/ h große Schäden anrichtete, aber zum Glück keine Menschen verletzte.

Kurz nach 13 Uhr ging der Sturm über der Stadt richtig los - und hielt die Einsätzkräfte von Polizei, Berufs- und freiwilliger Feuerwehr, Technischem Hilfswerk und Notdienst der Stadtwerke stundenlang in Atem. Bäume lagen quer über den Fahrbahnen, krachten auf sieben geparkte Autos, Dachziegel wirbelten durch die Luft, Zäune wurden umgeworfen, Strommasten und - leitungen, Reklameschilder und Gerüste wurden beschädigt bzw. stürzten um.

Gegen 13.30 Uhr hatte die Berufsfeuerwehr die Freiwilligen Wehren Schinkel, Voxtrup, Stadtmitte und Eversburg alarmiert, Mitglieder der Berufsfeuerwehr aus den Freischichten geholt, die Einsatzzentrale personell verstärkt und schließlich auch die Freiwilligen des Technischen Hilfswerks losgeschickt. Später am Nachmittag kamen noch ihre städtischen Kollegen vom Fachbereich Grün und Umwelt zur Hilfe: 20 Mann, ausgerüstet mit drei Hubsteigern und Motorsägen, halfen mit, die unzähligen umgestürzten Bäume beiseite zu räumen.

Überall im Stadtgebiet richtete der Sturm Verwüstungen an. Am Uhlenfluchtweg knickte eine alte Weide um und versperrte einen Hauseingang, in der Straße Im Fange wurden drei Autos von einem umgestürzten Baum beschädigt, am Pottgraben kippte ein Bauzaun auf den Fußweg. Der Baum, der den Fürstenauer Weg versperrte, beschädigte auch eine Telefonleitung, andernorts hielten 15 Meter hohe Bäume mit einem Durchmesser von 45 cm dem Orkan nicht stand. " Wir haben Kleinholz gemacht und sind jetzt bereit für den nächsten Einsatz", war einer der häufigsten Sätze im Feuerwehrfunk.

Hatten Fußgänger keine Angst?

Denn mehr als Straßen vorübergehend zu sperren, Gefahrenstellen zu beseitigen und zersägte Baumstämme schnell wegzuschieben, war nicht drin: Schon wieder der nächste Einsatz. An der Bergkirche wirbelten Dachziegel durch die Luft, die Feuerwehr sperrte die Straße. " Mehr können wir jetzt nicht tun. Außerdem sind wir bei jedem Sturm an der Bergkirche", sagte Einsatzleiter Klaus Fiening.

" Wir haben eine unglaubliche Zahl von Einsätzen, es ist unmöglich, einen Überblick zu geben", hieß es am späten Nachmittag aus der Polizei-Einsatzzentrale. Gegen 18 Uhr schätzte die Feuerwehr die Zahl ihrer " zählenswerten" Einsätze auf weit über 50.

Und als hätte der Sturm noch nicht genug Unheil angerichtet, kamen noch mehrere Feuermeldungen hinzu; jedesmal musste der komplette Löschzug ausrücken. Gegen 15.30 Uhr löste die Brandmeldeanlage eines Autohauses aus. Eine dreiviertel Stunde später, als wegen umherfliegender Dachziegel eine Drehleiter gebraucht wurde, war dieses Fahrzeug gerade auf dem Weg in den Bereich Am Funkturm: Wieder eine Feuermeldung. Wie sich herausstellte, hatte nur ein Fernseher gekokelt, die Besatzung der Drehleiter konnte umkehren und wieder Dächer sichern.

Alle drei Drehleiterfahrzeuge der Feuerwehr waren " heiß begehrt".

Zwischendurch wehte der Wind einige Minuten " nur" noch böig. Das Sturmende? Keiner wusste es. " Die Unwetterwarnung gilt die ganze Nacht hindurch", sagte Feuerwehrchef Jürgen Knabenschuh. " Nachts ist es meist noch schlimmer. Wir wissen nicht, wann es zu Ende ist." Seine Nachfragen beim Deutschen Wetterdienst ergaben: Am Nachmittag lag der Spitzenwert des Windes bei 107 km/ h über Osnabrück, für die Nacht wurden 130 km/ h vorhergesagt. Deshalb waren am Nachmittag auch nicht alle freiwilligen Feuerwehrleute alarmiert worden: " Wir halten die Kameraden von Haste, Neustadt und Sutthausen für die Nacht bereit. Eine derartige Unwetterwarnung hat Knabenschuh noch nicht erlebt.

Kein Ende des Sturms. Immer neue Hilferufe ließen die Telefondrähte in den Einsatzzentralen glühen. Da wurde die Besatzung eines Feuerwehrfahrzeuges gegen 18 Uhr zu einer kaputten Schaufensterscheibe an der Johannis-straße geschickt, musste aber den Einsatz an Kollegen abgeben: Auf der Fahrt " stolperten" sie über einen Baum, der die Atterstraße versperrte. Zeitgleich für andere ein neuer Alarm: Auf die Kreuzung Laischaftsstraße / Lange Straße krachen die Dachziegel eines Hauses, an der Belmer Straße stürzte ein Baum auf einen Schuppen. Kein Ende, keine Ruhepause in Sicht.

Der starke Sturm hielt viele Osnabrücker allerdings nicht davon ab, mit dem Wagen durch die Stadt zu fahren. Am Nachmittag waren sogar etliche Spaziergänger unterwegs - stemmten sich gegen den Sturm, ließen sich richtig " durchpusten", dachten wohl nicht an die Gefahren durch umherfliegende Äste und Dachziegel.

VIELE HAUSBESITZER bekamen nasse Räume: Unzählige Dächer in Stadt und Land wurden vom Sturm abgedeckt.

FAST BEI JEDEM STURM, so auch gestern, muss die Osnabrücker Feuerwehr zur Bergkirche ausrücken, weil dort die Dachpfannen herunterfallen.
Autor:
Beate Dammermann, Angelika Mitzke


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