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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Das Tor ist zu: Feierabend im alten Busdepot
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Die Stadtwerke sind pannenfrei zum neuen Standort gezogen - "Komisch ist das, ganz komisch"
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Originaltext:
Das Tor ist zu: Feierabend im alten Busdepot

Die Stadtwerke sind pannenfrei zum neuen Standort gezogen - " Komisch ist das, ganz komisch"

Von Wilfried Hinrichs

Osnabrück
Thomas Witte (48) stellt sich in Position für ein Foto, das einmal stadtgeschichtlichen Rang erreichen könnte. Der Werkstattmeister ist der Letzte im alten Busdepot an der Lotter Straße. Er dreht den Schlüssel, das Rolltor senkt sich. Da kommen zwei Kollegen um die Ecke: " Halt, wir brauchen noch was."

Wenn ein Unternehmen dieser Größenordnung umzieht, bleibt schon mal etwas auf der Strecke zwischen der Wüste und dem neuen Standort an der Sandbachstraße unmittelbar hinter der Stadtwerke-Zentrale. Die Busse von A nach B zu bringen ist ein Kinderspiel. Sie sind am Mlttwochmorgen von der Lotter Straße gestartet und wurden nach Fahrtende in der neuen, supermodernen Halle geparkt. Fertig.

Die Werkstatt stand dagegen eine Woche still. Aussortieren, einpacken, transportieren, auspacken, einräumen. Wer schon einmal mit seinem Hausstand umgezogen ist, kann sich davon ein Bild machen. Den letzten normalen Arbeitstag am Freitag voriger Woche haben die 30 Werkstattmitarbeiter mit einem Grillfest in der " Bude" beschlossen. " Ein komisches Gefühl, ganz komisch", sagt Thomas Witte. 33 Jahre hat er im alten Depot gearbeitet. Seine Kollegen haben inzwischen ihren Kram geholt. Jetzt noch einmal: Schlüssel rein, Tor schließen - und Feierabend. Morgen dann im neuen Depot.

Dort herrscht zur selben Zeit reger Betrieb. Ein Gelenkbus rollt in die neue Waschhalle. Vor dem Waschen wird er entladen. Werkstattmitarbeiter bringen Staubsauger, Kanister, Maschinen, Werkzeugkisten, Kabeltrommeln vom Bus ins Lager. Sie eilen an vier Männern vorüber, die etwas ratlos eine nagelneue Drehmaschine begutachten. " Die Schilder sind auf Englisch", sagt einer. Sein Kollege traut dem Neuen noch nicht so ganz. Vieles vom alten Werkzeug ist aussortiert und entsorgt worden. " Man trennt sich ja ungern von solchen Sachen", meint er. Und bis man wisse, wo die Dinge stünden und wo der Kollege sein selbst gebautes Spezialwerkzeug lagere, " tja, das wird wohl ' ne ganze Zeit dauern".

Helmut Alheit und Rainer Hofhaus sind die Ersten. Die beiden Busfahrer streben der größten Garage der Stadt entgegen, wo sie ihre Busse für ihre Touren übernehmen sollen. Sie freuen sich auf das Neue, wissen aber auch schon, wo es haken wird: " Der Parkplatz ist zu klein", sagt Hofhaus. 250 Busfahrer und 100 Mitarbeiter in Verwaltung und Werkstatt kommen als potenzielle Nutzer des Personalparkplatzes infrage.

Der Umzug ist in die Herbstferien gelegt worden, weil dann weniger Busse unterwegs sind, erklärt Wolfgang Strünkmann, Leiter des Geschäftsbereichs Verkehrsbetrieb. Er beobachtet das Einräumen mit großer Gelassenheit: " Bis jetzt hat alles super geklappt." Zum Beispiel der Umzug der Leitstelle: Die Computer waren binnen eines Tages wieder voll einsatzbereit, so dass die Buskunden nur einen Tag auf die gewohnte Anzeige der Busankunft an den Haltestellen verzichten mussten.

Für die Werkstatt sei der Umzug ein " Riesengewinn" und " längst überfällig" gewesen. Weil jahrelang über den Standortwechsel diskutiert worden sei, seien Investitionen verschoben worden. " Jetzt arbeiten wir mit den modernsten Geräten", versichert Strünkmann und öffnet die Tür zum Prüfstand. Die Wände der Halle sind zentimeterdick mit Dämmstoff gepolstert. Hier werden die Busmotoren beim Test der Bremsen und Abgaswerte aufheulen. In der alten Werkstatt wurden die Daten handschriftlich in Listen eingetragen. Jetzt schickt der Rechner die Werte direkt ins System. Ein kleines Beispiel, wie die Stadtwerke durch den Umzug Geld sparen.

Zahlen

25 Millionen Euro wurden investiert. Das Land zahlt einen Zuschuss von neun Millionen.
250000 Euro sparen die Stadtwerke jährlich durch die kürzere Distanz zum Neumarkt. Die Leerfahrten sind kürzer.
140 Meter lang und 43 Meter breit ist die Garage für 100 Busse.
200000 Liter Diesel lagern in zwei Tanks im Erdreich. Die Stadtwerke verbrauchen 2, 7 Mio. Liter im Jahr.
125 Quadratmeter Boden kauften die Stadtwerke der Bahn AG entlang der Gleise ab. Die " Entbehrlichkeitsprüfung" der Bahn soll länger gedauert haben als der Bau des Depots.
7, 50 Meter hoch ist die Wand, die die Bewohner der Sandbachstraße vor Lärm schützen soll.
80 Prozent des Wassers in der Waschanlage werden aufbereitet und erneut genutzt, die restlichen 20 Prozent aus der Regenwasserzisterne geschöpft.
80 Zentimeter tiefer gelegt wurde die Zufahrtsstraße, damit die Busse die Eisenbrücke passieren können.

DAS WAR' S: Meister Thomas Witte ist der Letzte im alten Busdepot an der Lotter Straße und schließt das Tor - endgültig. Fotos: Jörn Martens

NEHMEN ALS ERSTE die größte Garage der Stadt in Besitz: die Busfahrer Helmut Alheit und Rainer Hofhaus.
Autor:
Wilfried Hinrichs


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