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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Wollte Sportschütze Druckluft für sein Hobby haben?
 
Spurensuche, Gerüchte und besorgte Anrufe
Zwischenüberschrift:
62-Jähriger Belmer trug den Feuerlöscher unter dem Arm - Polizie: Es gibt keinen Hinweis auf einem Bombenanschlag
 
Erst ab 23.16 Uhr fuhren die Busse wieder im Zeitplan
Artikel:
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Originaltext:
Wollte Sportschütze Druckluft für sein Hobby haben?

62-jähriger Belmer trug den Feuerlöscher unter dem Arm - Polizei: Es gibt keinen Hinweis auf einen Bomben-Anschlag

Von Beate Dammermann

Osnabrück

Die Erleichterung war dem Osnabrücker Polizeichef Hermann Niermann anzumerken. " Osnabrück war nicht das Zentrum eines Anschlages. Die Explosion am Neumarkt scheint ein Unglück gewesen zu sein", sagte er gestern Morgen auf einer Pressekonferenz.

Nicht einmal 18 Stunden nach der Explosion hat die Polizei es geschafft, den Terrorverdacht auszuräumen. Was am Mittwoch, am Tag, an dem auch der Prozess gegen den Diktator Saddam Hussein begann, noch ein extremistischer Anschlag hätte sein können, entwickelte sich durch die Puzzle-Arbeit zu einem tragischen Unglücksfall.

Der 62-jährige Mann aus Belm (verheiratet, ein erwachsener Sohn), der auf dem Bussteig D2 durch die Explosion eines Feuerlöschers ums Leben gekommen ist, war Schlosser im Fachbereich Physik der Universität. Nach Polizeiangaben war er dort auch für den Aufbau von Versuchsanordnungen und das Befüllen von Gasflaschen zuständig.

Ein erster Anhaltspunkt, dass es sich nicht um einen Anschlag handelt, ergab am Mittwochabend die Obduktion in Hannover. Dabei wurde festgestellt, dass der Sprengsatz direkt am Körper des Mannes explodiert war, wie Polizei und Staatsanwaltschaft auf der Pressekonferenz mitteilten.

" Zeugen, die von einem durch die Luft fliegenden Gegenstand berichteten, von flüchtenden Männern und einem Knall haben durch die Aufregung und den Schock zunächst die zeitliche Reihenfolge durcheinander gebracht", erläuterte Berndt Klose, Leiter der 30-köpfigen Ermittlungskommission.

Der Bus nach Belm war gerade vorgefahren, als der Feuerlöscher, den der 62-Jährige wahrscheinlich im Arm hielt, explodierte. " Es war großes Glück, dass niemand in seiner Nähe stand und die umherfliegenden Teile keinen anderen Menschen schwer verletzten", so die Polizei. Bekannt ist, dass ein Passant ein Knalltrauma erlitt, andere einen Schock. Nicht auszudenken, wenn die Explosion zwei Minuten später passiert wäre, im Bus.

Herstellerfehler oder Manipulation?

Im Landeskriminalamt in Hannover und im Fachbereich Physik hat die Ursachensuche begonnen, warum der alte Gloria-Feuerlöscher zerborsten ist und wann er wo gefüllt wurde. " Das Gerät gehört zu den Feuerlöschern, die aussortiert wurden", so Klose. Vielleicht habe der Belmer ein mittlerweile defektes Gerät mitgenommen.

Die Polizei ermittelt auch in eine andere Richtung. Der 62-Jährige war Sportschütze, der neben Feuerwaffen auch Druckluftwaffen besaß. Hat er vielleicht Gas für neue Treibladungen gebraucht, in den Feuerlöscher gefüllt und dabei den zulässigen Drucküberschritten? Oder Manipulationen an dem Gerät vorgenommen? Die Wolke, die von Zeugen nach der Explosion beobachtet wurde, entsteht laut Gutachtern beim schlagartigen Entweichen von Kohlendioxid, das sowohl für Feuerlöscher benutzt wird als auch als Treibgas. Herstellerfehler oder eine Manipulation durch den Sportschützen? Mindestens vier Wochen, so schätzt die Polizei, wird die Untersuchung des Gutachters dauern. Fest stehe zumindest, dass kein Sprengstoff in der Flasche gewesen sei. " Der Spürhund hat wahrscheinlich Schmauchspuren, die der Schütze durch Berührung auf das Gerät übertragen hatte, angezeigt", so die Polizei.

Mitglieder aus dem Schützenverein des Belmers bezeichneten ihn gestern als " sehr umsichtig".

Die Polizei kümmert sich psychologisch um die Familie des Opfers.

Spurensuche, Gerüchte und besorgte Anrufe

Erst ab 23.16 Uhr fuhren die Busse wieder im Zeitplan

Osnabrück d.

Noch Stunden nach der Explosion bietet der Neumarkt am Mittwochabend ein fast gespenstisches Bild. Polizeibeamte der Spurensicherung in weißen Schutzanzügen arbeiten neben Helfern von Feuerwehr und Technischem Hllfswerk auf dem grell ausgeleuchteten Platz.

Zehn Helfer gehen nebeneinander, Augen auf den Boden gerichtet. Jedes Fitzelchen, das auf dem Asphalt liegt, wird in Tüten gesteckt. Für die Polizei ist es wichtig, jedes auch noch so kleine Teil des zerborstenen Feuerlöschers zu finden, um die Ursache der Explosion rekonstruieren zu können. " Klasse Unterstützung durch die Kollegen der Feuerwehr und des THW", lobt Arnold Treusch von Buttlar von der Polizei die Hilfe von Menschen und Gerät.

Bis 23.16 Uhr ist der Bereich zwischen Berliner Platz und Neuem Graben gesperrt, so lange werden alle Busse über den Wall umgeleitet, und manch ein Fahrgast macht auf dem Heimweg eine Odyssee durch. Immerhin haben sich am frühen Abend die Staus in der Stadt aufgelöst.

Die Nachricht von der Explosion auf dem Neumarkt hat sich in Windeseile herumgesprochen. Gerüchte schwirren durch die Stadt, ein mit Dynamit behängter Mann habe sich in die Luft gesprengt. Urlauber rufen daheim an, fragen, was passiert ist.

Am Bussteig D2 vor dem Landgericht gibt es gestern keine Spur mehr von dem Drama. Nur ein Teil der Dachabdeckung fehlt, ist zur Spurensicherung zur Polizei gebracht worden. Wie eh und je warten Fahrgäste auf ihren Bus. Doch manch einen beschleicht ein etwas mulmiges Gefühl. Die Nachricht von der Explosion mitten auf dem belebten Platz hat viele berührt.

Erleichterung ist zu spüren, als bekannt wird, dass es kein Terrorakt war. Und immer wieder der Gedanke, die Explosion hätte auch im Bus passieren können, mit schlimmeren Folgen.

Achselzucken bei der Polizei auf die Frage, ob vielleicht häufiger Menschen (oder Sportschützen) Kohlendioxid umfüllen und, ohne an Folgen zu denken, arglos transportieren. " Hoffentlich nicht", so die Antwort.

TEILE DES FEUERLÖSCHERS schossen nach der Explosion nach oben, bohrten sich in das Dach der Haltestelle vor dem Landgericht, das Gehäuse wurde anschließend quer über den Neumarkt geschleudert. Fotos: Jörn Martens

ZAHLREICHE KAMERATEAMS waren gestern Vormittag zur Pressekonferenz von Polizei und Staatsanwaltschaft nach Osnabrück gekommen.

NÄCHTLICHE SPURENSUCHE auf dem Neumarkt. Für die Ausleuchtung sorgte das THW.
Autor:
Beate Dammermann


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