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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Tatort Neumarkt: Wer warf die Bombe?
 
Schlagartig bricht auf dem Wall das Chaos aus
 
Augenzeugen geschockt
Zwischenüberschrift:
Nach der Explosion: Neumarkt stundenlang für die Spurensuche gesperrt - Verkehrschaos in der Stadt
 
Experten sicher: Es hätte auch viele Tote geben können - Polizei sucht dringend Augenzeugen
 
150 Busse umgeleitet - Bis zu 30 Minuten Verspätung
 
Anke Tralles hörte den Knall in der Imbissbude
Artikel:
Kleinbild
 
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Originaltext:
Nach der Explosion: Neumarkt stundenlang für die Spurensuche gesperrt - Verkehrschaos in der Stadt

Tatort Neumarkt: Wer warf die Bombe?

Experten sicher: Es hätte auch viele Tote geben können - Polizei sucht dringend Augenzeugen

Osnabrück

" Ich fuhr über den Neumarkt, als ich die Explosion hörte. Eine Rauchsäule stieg in die Luft - direkt auf dem Bussteig D2 vor dem Landgericht. Irgend etwas flog quer über alle vier Fahrbahnen. Der Wagen neben mir konnte gerade noch bremsen, sonst wäre er über das Ding gefahren", berichtet Augenzeugin Eva Hummel. Das Ding, das die 27-jährige sah, entpuppte sich später als Feuerlöscher.

Es ist 16.30 Uhr, als sich die Explosion auf dem zu dieser Zeit überfüllten Neumarkt ereignete, die einen 62-jährigen Mann aus Belm das Leben kostete. Menschen rennen auseinander, manche schreien. Mehrere von ihnen kümmern sich sofort um den am Boden liegenden Mann. " Die Verletzungen waren sehr schlimm", sagt später die Notärztin leise. Viele Minuten später sickert durch: Der Belmer ist tot, jede Hilfe kam bei diesen schweren Verletzungen zu spät.

Unterdessen ist der Ort des Geschehens leer - abgesperrt. Hinter roten Flatterbändern stauen sich viele Neugierige, die Polizei versucht, Ordnung in das Chaos zu bringen. Niemand weiß, was genau passiert ist. Angst, es könnte sich um einen Terroranschlag handeln, ist bei den Menschen ringsum aber nicht zu spüren. Alle Experten sprechen von einem Wunder, von großem Glück, dass kein anderer Mensch verletzt wurde. Auch Oberbürgermeister Fip, der am frühen Abend zum Tatort kommt, denkt so.

" Es hätte Dutzende Verletzte geben können", sagt ein Polizeibeamter.

Der Regen wird stärker. Rote Hütchen stehen auf den Stellen, an denen Fetzen von Kleidung und Alufolie liegen. Der Feuerlöscher, der quer über die Straße wie eine Rakete geflogen ist, ist notdürftig mit einer Warnweste bedeckt.

Polizeibeamte ziehen von Geschäft zu Geschäft, fragen nach Zeugen, loten die Umwelt des Getöteten aus, dessen Ausweis zerfetzt auf der Straße liegt.

" Wir wissen überhaupt nichts", sagt Arnold Treusch von Buttlar, Leiter Einsatz der Polizei, eine Stunde später. Ist es ein Anschlag, ist " aus Versehen" ein selbst gebastelter Sprengsatz in die Luft geflogen, war es Selbstmord? Am frühen Abend entscheidende Zeugenaussagen. Entgegen ersten Gerüchten, das Opfer habe den Feuerlöscher bei sich gehabt, nun Hinweise, ein " Gegenstand" (der Feuerlöscher?) sei von jemandem geworfen worden, habe den Belmer getroffen. Sekunden später die Explosion.

" Ein Feuerlöscher kann nicht explodieren. Allenfalls strömt Pulver heraus. Garantiert", sagt Feuerwehrmann Benno Brinkschröder. Dass Sprengstoff in dem Zwei-Kilo-Löscher war, wird gegen 19 Uhr durch den Spürhund der Polizei bestätigt: Er schlägt an.

Es wird dunkel, der Regen hört etwas auf, ein Hubschrauber der Polizei kreist über dem Neumarkt. Er soll den Tatort fotografieren. Das Technische Hilfswerk rückt an, leuchtet von allen Seiten die Kreuzung aus. Niemand darf durch, für die nächsten Stunden nicht.

Verzweifelt darüber eine junge Frau, die fristgerecht einen Brief im Nachbriefkasten des Landgerichts einwerfen muss. Ein Polizist ist so nett, fungiert als Briefträger für die letzten Meter. Über Funk kommt die Meldung: Im Bus der Linie 71 ist eine Frau zusammengebrochen. Sie hat einen Schock, war wahrscheinlich Augenzeugin. Zeugen sucht die Polizei dringend. An alle Kliniken die Bitte: Sie sollen Verletzte oder unter Schock stehende Patienten melden.

Die Polizei, die sofort eine große Ermittlungskommission ins Leben rief, sucht dringend weitere Augenzeugen. Sie werden gebeten, sich unter Tel. 327-2114 zu melden.

Schlagartig bricht auf dem Wall das Chaos aus

150 Busse umgeleitet - Bis zu 30 Minuten Verspätung

Osnabrück hin

Schlagartig brach auf dem Wall das Chaos aus. Nach Sperrung des Verkehrsknotenpunktes der Stadt bildeten sich auf dem Innenstadtring lange Staus. Stark beeinträchtigt war auch der Nahverkehr.

Die Stadtwerke stellten sofort auf ihren bewährten Notplan um. " Wir fahren die Ausweichhaltestellen an, die wir immer benutzen, wenn auf dem Neumarkt Großereignisse stattfinden", sagte Stadtwerkesprecher Ulf Middelberg. Die Mitarbeiter hätten " alles Menschenmögliche getan", um den Nahverkehr in Gang zu halten. Bis zu fünf Mitarbeiter standen auf den noch zugänglichen Bussteigen am Neumarkt und wiesen die Fahrgäste auf die Ausweichhaltestellen hin. Über eine zentrale Durchsage der Leitstelle wurden die Fahrgäste in allen 150 Bussen informiert, die während der Neumarkt-Sperrung in der Stadt oder im Umland unterwegs waren und den Knotenpunkt nicht ansteuern konnten. Die Fahrgäste hätten durchweg verständnisvoll reagiert, so Middelberg.

Zusätzliche Busse wurden eingesetzt, mehrere Mitarbeiter legten eine Extraschicht ein. Maximal 30 Minuten hätten die Busse Verspätung gehabt, so Ulf Middelberg. Im Laufe des Abends normalisierte sich der Fahrbetrieb. Nach Ende des Feierabendverkehrs gegen 19 Uhr fuhren die Busse im Schnitt mit fünf bis zehn Minuten Verspätung.

Viele Busse verspäteten sich, weil sie auf dem Wall im Stau stecken blieben, zum Unglückszeitpunkt herrschte überall in der Stadt reger Feierabendverkehr. Besonders viel Geduld brauchten die Autofahrer, die aus der inneren City auf den Ring auffahren wollten. Immerhin: Der Verkehr kam nicht zum Erliegen, die Autos rollten, wenn auch langsam.

Augenzeugen geschockt

Anke Tralles hörte den Knall in der Imbissbude

Osnabrück d.

In der Dönerbude am Neumarkt sitzt eine Frau, sie hat einen Schock. Wahrscheinlich hat sie ganz in der Nähe der Explosion gestanden. " Sie will gesehen haben, wie der Mann den Feuerlöscher in einer Tasche am Körper getragen hat", behauptet jemand. Sie wird von Sanitätern und Polizisten versorgt.

Terrorangst, Angst vor einem zweiten London, ist bei den Menschen, die den Neumarkt umlagern, kaum zu spüren. Die Polizei verscheucht immer wieder Gaffer. Sie sucht Zeugen wie Nael AI Shayyah, der in der Imbissbude sitzt, allerdings nur einen Knall gehört hat.

Dort brät Anke Tralles die Würstchen. " Vor kurzem haben mich Freunde gefragt, wie ich denn nach Ägypten in Urlaub fahren könnte. Und da habe ich geantwortet, dass ein Anschlag auch bei uns auf dem Neumarkt passieren kann." Etwas zittrig ist sie bei diesen Worten dann doch.

Die Augenzeugen sind längst 100 Meter weiter bei der Polizei, werden von Beamten der Mordkommission vernommen. Von ihnen kommt der Hinweis, ein " Gegenstand" sei geworfen worden.

" Was ist hier passiert", fragen neue Schaulustige. " Ein Mann ist gestorben" - kaum Reaktionen. Einige Jugendliche lachen. Polizist Dieter Leefers wird sauer, schnauzt sie an, scheucht sie weg. Gaffer haben an einem so traurigen Ort nichts zu suchen.

KURZ NACH DER EXPLOSION am Busbahnsteig D2 gestern Nachmittag: Notärzte versuchen, das Leben des 62-| ährigen zu retten. Die Polizei hat den Neumarkt abgesperrt.

SCHLAGARTIG stockte der Verkehr, als die Polizei den Neumarkt sperrte. Das Foto entstand um 17 Uhr am Berliner Platz.

NEUGIERIGE, Ohrenzeugen der Explosion und Sensationslustige bevölkern den Neumarkt.

SPURENSICHERUNG: Einsatzleiter Arnold Treusch von Buttlar (links) deckt Reste des Feuerlöschers provisorisch ab, eine Polizistin fotografiert Teile des Sprengsatzes. Am Abend bestätigt sich der Verdacht: Ein Spürhund (rechtes Foto) wittert Sprengstoff an den Trümmerteilen. Fotos: Jöm Martens
Autor:
Beate Dammermann


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