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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Mit Salatöl den Multis ein Schnippchen schlagen
Zwischenüberschrift:
"Pöler" fahren ihren Diesel mit Pflanzenöl - Etwas für Fahrer mit Pioniergeist: Denn es gibt keine Standardlösungen
Artikel:
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Originaltext:
Salatöl und Biodiesel

Biodiesel ist kein Pflanzenöl. Damit Rapsöl als Kraftstoff verwendet werden kann, wird es in Raffinerien zu Rapsölfettsäure-Methyl-Ester (RME) umgewandelt. RME ist dünnflüssig wie Mineraldiesel. Weil er von der Mineralölsteuer befreit ist, ist er derzeit deutlich billiger. Biodiesel greift bestimmte Kunststoffe an, zum Beispiel Kraftstoffschläuche und Dichtungen an der Einspritzpumpe. Wenn an diesen Bauteilen Schäden auftreten, kann der Hersteller unter Umständen Garantie- oder Kulanzleistungen verweigern. Bevor man Biodiesel tankt, sollte man vom Hersteller die Freigabe einholen. Für die meisten Neuwagen gibt es keine Freigaben. Einige Hersteller bieten Bio-Versionen gegen Aufpreis an. Derzeit gibt es keine RME-Herstellerfreigaben für Dieselrußfilter. Der ADAC rät außerdem bei Jahresfahrleistungen von unter 10 000 Kilometern von Biodiesel ab, da sich die Kraftstoffqualität bei langen Standzeiten verschlechtert. Während Biodiesel in Deutschland an rund 2000 Tankstellen angeboten wird, ist das Netz der Pflanzenöl-Tankstellen noch sehr dünn. Der Umwelt-Vorteil beider Treibstoffe: Bei der Verbrennung entsteht nur so viel CO2, wie die Pflanze beim Wachstum aufgenommen hat. Derzeit benötigte Diesel-Mengen können aber nicht durch Pflanzenöl oder RME ersetzt werden. swa

Mit Salatöl den Multis ein Schnippchen schlagen

" Pöler" fahren ihren Diesel mit Pflanzenöl - Etwas für Fahrer mit Pioniergeist: Denn es gibt keine Standardlösungen

Von Michael Schwager

Osnabrück

Michael Dom und Thomas Greiser kommen derzeit kaum noch zum Arbeiten. Die Betreiber der Kfz-Meisterwerkstatt " Profi-Tabelmobil" in Vehrte beantworten derzeit jede Menge Anfragen von Fahrern, die ihren Diesel mit Frittenfett fahren wollen. Die Vorstellung hat ja auch was: den Mineralöl-Spekulanten mit den Resten aus der Pommesbude von nebenan ein Schnippchen zu schlagen. Doch ganz so einfach ist die Sache nicht.

" Grundsätzlich kann man jedes Dieselfahrzeug so umrüsten, dass man es mit reinem Pflanzenöl fahren kann", sagt Dom. Es gebe sogar " Pöler", so nennen sich die Salatöl-Automobilisten, die ganz ohne Eingriff ins Kraftstoffsystem einfach das Sonnenblumenöl vom Discounter für 59 Cent in den Tank kippen. So einen hatte Dom auch schon mal in der Werkstatt. Der Wagen von dem Mann habe aber Geräusche gemacht, als würde er ihm jeden Moment um die Ohren fliegen. Eine ordentliche Umrüstung beginne bei 1000 Euro Materialkosten, sagen Dom und Greiser.

Wichtig: Das Pflanzenöl muss erwärmt und damit dünnflüssiger gemacht werden, damit es Kraftstoffleitungen nicht verstopft und die Einspritzpumpe nicht beschädigt. Die Einspritzpumpen moderner Dieselfahrzeuge arbeiten mit hohem Druck und würden bei zu zähem Öl im Extremfall auseinander fliegen. Ältere Motorkonstruktionen sind da weniger empfindlich.

In Pölerkreisen werden die unterschiedlichen Verfahren diskutiert, wie das Salat- oder Frittenöl die richtige Fließfähigkeit bekommt. Dom, der sich regelmäßig auf Pölertreffen umschaut, erinnern die Diskussionen ein bisschen an Glaubenskriege. Im Internet kann man die Debatte verfolgen unter www.fmso.de. Viele schwören auf ein Zweitanksystem. Dabei wird der Motor mit herkömmlichem Mineraldiesel auf Betriebstemperatur gebracht. Dann schaltet eine Automatik auf Salatöl um, das mit dem Kühlwasser in einem simplen Schlauch-in-Schlauch-System erwärmt wurde. Nachteil: Wer überwiegend Kurzstrecken fährt, braucht mehr Diesel als Salatöl.

Ein anderes System erwärmt das Öl erst kurz vor der Einspritzpumpe elektrisch. Man braucht hier nur einen Tank fürs Salatöl, dafür aber größere Kraftstoffleitungen. Denn bei kaltem Wetter kann Pflanzenöl die serienmäßigen Leitungen verstopfen.

Ein Pölerkunde der Vehrter Werkstatt ist Tüftler. Mit einem Heizungsbauer hat er einen Minimalumbau für seinen VW Vento entwickelt, mit einem Tank und Wärmetauscher. Damit und mit einer Spezialmischung aus viel Pflanzenöl sowie etwas Diesel und Benzin legte der Fahrer inzwischen 80 000 Kilometer zurück - störungsfrei.

Eines müssen die beiden Dieselexperten aus Vehrte einräumen: Wer mit Frittenfett fährt, verliert jeden Anspruch auf Garantie- und Kulanzleistungen der Hersteller. Einige Anbieter von Umrüstbausätzen geben eigene Garantien. Man muss also gutüberlegen, ob man einen Umbau riskiert. Und noch eines sagen Dom und Greiser jedem Anrufer in diesen Tagen: " Es gibt keine Standard-Lösung."

PÖLER Wolfgang Potratz betankt seinen umgerüsteten Kleinwagen mit Salatöl aus dem Supermarkt. Er gehört zu der eingeschworenen Gemeinde, die aus Kosten- und aus Umweltgründen ihren Diesel mit Pflanzenöl fährt. Foto: Jörn Martern
Autor:
Michael Schwager


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