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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Ein jüdischer Toast auf den Kaiser
Zwischenüberschrift:
September 1906: Neue Synagoge
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Vor 100 Jahren wurde in Osnabrück die prächtige neue Synagoge in der Rolandstraße eingeweiht. Bei der großen Feier am 13. September ließen es die jüdischen Repräsentanten nicht an patriotischen Bekundungen fehlen.

Innerhalb eines Jahres war das Gebäude fertig gestellt worden. Baumeister Münchhausen aus Köln hatte im " modern-romanischen Stil" gebaut. Traditionell war der Mittelraum für die Männer der Gemeinde vorgesehen, die Emporen links und rechts den Frauen vorbehalten.

Im Osten des Gebäudes befand sich das " Allerheiligste", der Altar mit vier siebenarmigen Leuchtern. Im Westen stand die Orgel. Die Synagoge war schon mit elektrischem Licht ausgestattet: " Der prachtvolle Kronleuchter in der Mitte überflutet den Innenraum mit seinem hellen Schein", hieß es im Zeitungsbericht.

Die nur 500 Seelen der Gemeinde hatten den Bau unter großen Opfern allein finanziert, sämtliche Gewerke waren durch Osnabrücker Firmen ausgeführt worden. Reden zur Eröffnung hielten der Gemeindevorsteher Bankier Blumenfeld, Syndikus Reimerdes als Vertreter der Stadt und der Landrabbiner Dr. Lob aus Emden.

Vor 100 Jahren

Nicht für weltliche Zwecke sei das Haus erbaut worden, sondern zur Einkehr bei Gott, sagte Lob. Die Predigt, die im Osnabrücker Tageblatt abgedruckt wurde, hatte neben großem Dank die Bitte um Frieden und Toleranz zum Inhalt.

Beim festlichen Empfang am Abend fehlte ein Toast auf den Kaiser ebenso wenig wie der Hinweis von Dr. Lob, die Gemeinde bestehe aus Juden, die deutsche Staatsbürger seien. " Ein Stamm im Staate, der aus vielen Stämmen und Nationalitäten besteht." Er verglich das Deutsche Reich mit einem Schiff, dessen Matrosen sich aus allen Himmelsrichtungen zusammengefunden haben, das aber gesteuert wird von einem Kapitän: von Kaiser Wilhelm.

Weitere Themen machten im September 1906 Schlagzeilen. Seit 1904 schon verhandelten die Osnabrücker Stadtväter mit der Eisenbahndirektion Münster um die Hochlegung der Nord-Süd-Trasse, damals hieß die Strecke " Wanne-Bremen". 1906 war man sich zwar einig, wer die Kosten tragen würde, aber noch nicht, wie die Überführungen der Meller Straße, der Iburger Straße, der Sutthauser Straße und der Parkstraße gestaltet werden sollten.

Im September einigten sich die städtischen Kollegien in ihrer Sitzung auf horizontale Brückenbedeckung mit 4, 20 bis 4, 40 m Höhe. Nach erster Planung sollte nur die lburger Straße eine bogenförmige Überdeckung bekommen.

" Dem weiblichen Geschlecht nicht die Bäder vorenthalten" (Ein Zeitungsreporter im September 1906)

In der Herminenstraße besichtigte der Magistrat die Neubauten des Gemeinnützigen Bauvereins. Hier waren vier Ein- und vier Zweifamilienhäuser entstanden. Die Einfamilienhäuser waren sechs Meter breit und acht Meter tief. Im Hochkeller befanden sich Waschküche und Kohlenkammer, im Erdgeschoss Wohnzimmer, Küche, Speisekammer und Spülklosett.

Im Obergeschoss gab es zwei Schlafzimmer und darüber einen Trockenboden. Insgesamt zählte das Haus knapp 50 qm. Der Preis samt Garten betrug 5200 Mark, die von den Besitzern nach einer Anzahlung von 300 Mark in kleinen Schritten jährlich abbezahlt werden konnten. Das Zweifamilienhaus war etwas geräumiger und kostete 7400 Mark.

Der September 1906 bescherte den Osnabrückern schöne, heiße Hochsommertage, die Badeanstalt an der Hase profitierte besonders davon. Alle gesundheitlichen Vorteile wurden im Osnabrücker Tageblatt herausgestellt, aber: " Warum man nicht auch Frauen und Mädchen die örtliche Gegebenheit der Benutzung der Flussbäder gewährt, ist eine Frage, die wohl der Erörterung wert ist. Es liegt eigentlich gar kein Grund vor, dem weiblichen Geschlecht die Bäder vorzuenthalten", schrieb der fortschrittliche Reporter.

Bis zum Kaffeehaus Schumla wurden im September 1906 die Gasrohre gelegt. Die Straßenbeleuchtung reichte bis zum Bröckerweg. Alle Anwohner wurden aufgefordert ihre Anträge zu stellen, damit auch sie in den Genuss von Gaslicht und Kochgas kommen konnten.

Die Osnabrücker Synagoge, als Selbstporträt von Felix Nussbaum (rechts) inszeniert. Neben ihm Kantor Elias Abraham Gittelsohn. Das Bild " Die beiden Juden" ist 1926 entstanden.

Waschmaschine von anno dazumal: eine Zeitungsanzeige aus dem September 1907.
Autor:
Christiana Keller


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