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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Der Bocksturm zu Osnabrück Teil 5
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Originaltext:
Nachdem Johann von Hoha am Montag nach Trinitatis seinen Fedebrief gen Osnabrück gesandt, erschien er mit 600 Pferden auf dem Schlagvörderberge vor der Stadt, legte sich in einen Hinterhalt, und machte großen Raub an Vieh, das er nach Wittlage treiben ließ. Der neue Domprobst Konrad von Diepholz, aber vom Bischof nicht anerkannt, stellte sich an die Spitze einiger Bürger, und gedachte die Räuber zu verfolgen, hielt es jedoch halt für rathsam, wieder umzukehren, da er die Uebermacht des Grafen zu bedeutend fand.
Der glückliche Anfang dieser Räubereien ermuthigte den Hohaer, er zog außer den Bischöfen Erich und Albert, seinen Brüdern, auch zwei braunschweigische Herzoge und viele andere Herren in den Bund wider Osnabrück; dagegen verbanden sich de Domprobst und der Domsenior destoenger mit dem Rathe der Stadt, sparten des Geltes nicht, nahmen den Grafen Moriz von Spiegelberg und viele edle Ritter und Knappen aus Münsterland und Mark in ihren Sold und warben Friedrich von Hörde als Stadtobersten an. Gleichwohl konnten die Bürger ihren Bischof beim ersten Einfall, den er von Iburg aus in das Gebiet der Stadt unternahm, nicht züchtigen; denn als er mit dem geraubten Vieh seiner eigenen Unterthanen nach Iburg zurückkehrte, und viele Bürger mit ihren Söldnern, den Fahnenträger Johann von Holtorpe an der Spitze, ihm nacheilten, hinderte sie die einbrechende Nacht, ihn weiter als bis zum Steinigerturm zu verfolgen.
Vergebens suchten der Erzbischof von Köln und der Bischof von Münster zu vermitteln; die Räubereien wollten nicht aufhören, und die Bürger, die sich vorsichtig in die Mauern ihrer Stadt einschlossen, waren niemals glücklich in der Verfolgung der Räuber. Da beschlossen sie, von der bloßen Verteidigung zum Angriff überzugehen, und dem Bischof, der nun einmal ihr Feind sein wollte, eins seiner Schlösser wegzunehmen. Von Wittlage und Iburg glaubten sie, daß sie dort zu viel Mannschaft vorfinden würden; aber Fürstenau hielten sie für schwach genug besetzt, um es überrumpeln zu können. Das ward denn beschlossen, und viele freie Bauern des Landes, gleichfalls durch so manche Raubzüge belästigt, verhießen den Osnabrückern Beistand mit starker Hand.
Es war im Juni 1441, da zog aus dem Thore von Osnabrück eine gerüstete Mannschaft, mit Geschütz versehen, und von freien Bauern unterstützt, gen Fürstenau; allein dort angekommen, erfuhren sie, daß Graf Johann selbst sich im Schloß befinde, mit ihm zwei Herzöge von Braunschweig und 500 Reiter. Das führte sehr den Muth der Streitlustigen ab. Sie fanden Fürstenau wohl befestigt, und hinter den Wällen lauerten geübte Schützen, die mit ihren Büchsen schwere Wunden verursachten. Unter andern erzählt Ertmann, der als ein Knabe von 15 Jahren sein mochte, ein Ritter aus der Grafschaft Mark sei so heftig geschossen worden, daß man ihm das Herz im Leib habe liegen sehen können. Da wurden sie kleinmüthig, fürchteten sich vor einem Ausfall aus dem Schlosse, beschlossen den Rückzug, und gaben das verbündete Landvolk der blutigen Rache des Feindes preis.
So kamen sie in Osnabrück an, aber ohne den Ruhm vollbrachter Thaten, und verfolgt von der gerechten Beschwerde der Bauern. Deshalb wurden sie übel empfangen; die Sage will, daß Weiber sie auf der Straße verhöhnt und beschimpft haben sollen, bis sie versprachen, einen zweiten Zug zu wagen, und größeren Muth zu beweisen. Da haben sie tapfer und ehrlich ihr Wort gelöset.
Am Sonntag nach Johannis, verließen sie die Stadt, an der Spitze die beiden Pröbste Konrad von Diepholz und Johann von Varendorf, auch die beiden Bürgermeister Hermann von Melle und Erdwin von Dumstorp, jeder begleitet von zwei Berittenen, ingleichen der ganze Rath der Stadt, alle in ritterlichen Waffen; die Bürgerschaft stellte 36 Pferde, und nahm mit sich eine große Anzahl Söldner: denn damals hatte zwar noch jeder Bürger das Recht und die Pflicht, ein Held zu sein für Haus und Vaterstadt, und scharfe Waffen im ehrlichen Kampfe ritterlich zu führen; allein eine Verschärfung durch Söldner mochte oftmals notwendig erscheinen. Nun belagerten und beschossen sie Fürstenau, erstürmten den Flecken in der Nacht vom 27. auf den 28. Juni, und waren so rasch in ihrer That, daß Graf Johann nicht mehr aus dem Flecken in das Schoß gelangen konnte. Sich fürchtend vor der Wuth der Bürger, flüchtete er sich in des Pastors Bockhaus, und kletterte, ganz sicher zu sein, in den Schornstein hinauf. Aber Reiner Schele, ein Diener Friedrichs von der Hörde, entdeckte ihn dort, zog ihn herunter, nahm ihn gefangen, und überlieferte ihn den Pröbsten, Bürgermeistern und dem Rath der Stadt, zum großen Jubel der städtischen Mannschaft.
Es war der Tag der h. Regina, an welchem Graf Johann gefangen ward; und da der Dom die Reliquien dieser Heiligen bewahrte, so ward beschlossen, daß dieser in einem vergoldeten Kästlein bewahrten Reste alljährlich in Gegenwart der Bürgermeister und des Rathes in feierlicher Procession um den Kirchhof getragen werden sollten. Der Graf aber wurde gebunden und wohl bewacht, während man mit aller Macht das Schloß beschoß. Hier befehligte Hermann von dem Wolde aus Ravensberg, des Bischofs Schloßhauptmann; aber er erkannte bald, sich gegen der Bürger Uebermacht nicht halten zu können, und übergab sich unter der Bedingung freien Abzugs. Da vertraute der Rath von Osnabrück die Verwahrung der gewonnenen Burg zwei Biedermännern, Buntemouwe und Kenneweg, und zog nun siegreich heim mit dem gefangenen Grafen gen Osnabrück, wo der edle Herr in unsern Bocksturm gesperrt ward auf lange Zeit. Erdmann erzählt uns, der Rath habe damals den Kasten, in welchem Simon von der Lippe 138 Jahr zuvor gesessen, " wedder upruften laten;" in deisem Kasten hat der Graf von Hoha sechs Jahre lang sitzen müssen, bis im Sommer 1447 die Stadt gezwungen Ward, ihn freizulassen und an seinen Schwager, den Grafen von Tecklenburg, zu überliefern. Ob er in dieser langen HAft nicht hat stehen und gehen können wollen wir dahin gestellt sein lassen; aber bitter beklagte er sich über die Winterkälte im Turme, der nur Schießlöcher, keine Fenster hat. Auch wird dem Grafen kein anderes Lager zu Gebot gestanden haben als Stroh. Daß den Gefangenen, die dort im Stock lagen, nicht selten die Füße abgefroren, ist aus den Acten des Rathhauses zu erweisen, läßt sich auch sehr leicht erklären, wenn man die innern Räume des Turmes besteht.
Was aber die Roth Johanns ganz besonders vermehrte, das waren die von bestochenen Hütern ihm zugebrachten bösen Nachrichten aus seinem eigenen Lande, wo seine Widersacher ihm großen Schaden zufügten. Er fühlte daher eine große Sehnsucht, frei zu werden, und es ist interessant, aus dem Rathsarchiv zu ersehen, in wie lebhaftem Verkehr er trotz dem Kasten mit seinen Brüdern und Verwandten gestanden, und welche Mittel er ausgedacht hat, sich zu befreien. Es sind noch fünf Briefe vorhanden, die er im Kasten geschrieben, die aber der Rath aufgefangen und bewahrt hat; zwei davon finden sich in den Mittheilungen des historischen Vereins Band 4 S. 404 abgedruckt. Aus jenen Mittheilungen erlauben wir uns, nachstehendes über die Ansichten des Gefangenen hier folgend zu lassen:
" Nun denkt er sich selbst mit Gewalt und List zu befreien, und schreibt darüber an sein Brüder, den Probst zu Heiligenrode und andre. Sein Bruder Erich meint einen Zauberer gefunden zu haben, der ihn mit Hülfe seines Geistes wegbringen soll. Er selbst ist das zufrieden; es genügt ihm aber auch, wenn der Geist nur Geräth in den Kasten bringt; das, meint er, sei leicht zu thun, und in Köln fände man solche Leute wohl. Nur dürfe es ihm nicht schaden an Leib und Gesundheit, und müsse ohne Schrecken zugehen. Aber er hat auch sichere Wege ausgedacht, um Sägen, Feilen, Messer und Brecheisen in den Kasten zu bringen. Er beschreibt auf das sorgfältigste, wie man diese mit Wachs umgehen und in Friesland in Käse verbergen lassen soll. Er beschreibt die Stärke des Holzes von seinem Kasten, das er durchschneiden muß, gibt an, wie viele Daumen die Oeffnung, durch welche man ihm die Speisen reicht, lang und breit sei, gibt an, wie man es machen solle, daß der Käse längs neben der Säge durchgeschnitten werde, wie man die friefische Magt, die den Käse machen werde, über den Zweck täuschen, Pferde zu seinem Gebrauch bereit halten solle u. s. w. Aber die Urfede (d. h. Ausfede, Angelobung des Friedens) soll er nun nicht mehr leisten. Dafür will er lieber sitzen."
Diese Bestrebung fallen hauptsächlich in das Jahr 1443, waren indessen vergeblich, und er mußte bis zu seiner Befreiung noch vier Jahre harren. Der Kasten aber erhielt zum Andenken an den Grafen auf ewige Zeiten den NAmen des " Johanneskastens."
So haben denn zwei vornehme Grafen, Simon von der Lippe und Johann von Hoha, in dem merkwürdigen Kasten sitzend, Zeit gefunden, über die Kraft und den Trotz des Bürgerstandes nachzudenken. VOn anderen Gefangenen des Bocksturmes, deren es viele gegeben, meldet die Geschichte nicht, daß je wieder den Kasten bewohnt habe,
Autor:
Für die Redaction verantworlich R. Meyer


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