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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Knorriger Eigensinn, repräsentative Pracht
Zwischenüberschrift:
Einblicke, die es sonst nicht gibt: Am Tag des offenen Denkmals öffnen sich Gartentore
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Knorriger Eigensinn, repräsentative Pracht

Einblicke, die es sonst nicht gibt: Am Tag des offenen Denkmals öffnen sich Gartentore

OSNABRÜCK. Wir wollen ja nicht indiskret sein, aber er reizt ja doch, der Blick durchs Schlüsselloch. Oder, noch besser, in den Garten. Am Sonntag ist wieder Tag des offenen Denkmals. Die Schwestern vom Gut Nette öffnen das Tor, Bischof Bode, Baron Ostman von der Leye und etliche private Gartenfreunde gestatten Einblicke, die es sonst nicht gibt.

Am Gut Honeburg steht schon mal ein Reh im Garten und kaut auf dem trockenen Gras herum. Einmal im Jahr lässt Dominik Freiherr Ostman von der Leye die große Wiese mähen. Als er noch ein kleiner Junge war, so erinnert ersich, zogen sich feine Schottenwege durch den ganzen Park, und die Anlagen sahen wie geleckt aus. Damals lebte sein Großvater auf Gut Honeburg. Heute ist die Pflege extensiver, das von wildem Wein bewachsene Herrenhaus steht in einer wildromantischen Oase am Fuße des Piesberges.

An die Vorfahren des Barons erinnern ein paar eindrucksvolle Bäume. Zum Beispiel ein Tulpenbaum von 1900 und eine Blutbuche von 1890. Aber das knorrigste Andenken ist die Süntelbuche, die wahrscheinlich um 1890 gepflanzt wurde. Unglaublich, zu welchen akrobatischen Leistungen die Natur imstande ist. Da gabelt sich ein Ast, die beiden Zweige suchen sich eigene Wege. Und dann wächst wieder zusammen, was zusammengehört. Immer und immer wieder, so als hätte es die urwüchsige Rotbuche auf eine Meisterschaft abgesehen.

Naturgemäß geht es am Tag des offenen Denkmals weniger um botanische Eigenheiten, sondern um kulturgeschichtliche Einblicke. Doch wer in Osnabrück nach barocker Gartenkultur sucht, muss seine Ansprüche ein wenig herunterschrauben, wie Dr. Caroline Bäßler vom Ortskuratorium der Stiftung Denkmalschutz bemerkt. Immerhin gibt es in Osnabrück den Schlossgarten, der noch Fragmente repräsentativer Pracht erkennen lässt. Das Ortskuratorium der Stiftung Denkmalschutz hilft bei der Spurensuche, mit Führungen zu jeder vollen Stunde. Das ganze Programm ist ehrenamtlich organisiert.

Nicht nur der Adel hat sich mit Parks geschmückt, auch der Geldadel entdeckte diese Art der Repräsentation. Das Gelände der Deutschen Bundesstiftung Umwelt lässt die Reste einer Garteneinfassung aus dem 19. Jahrhundert erkennen, angelegt um 1830 vom Fabrikanten Eilers. Die Villa war das erste Wohnhaus außerhalb der Stadt.

Auch innerhalb der Stadtmauer sind schöne Gärten entstanden, wenngleich die Enge stets zu Kompromissen zwang. Aber schon immer haben es die Menschen verstanden, zwischen hohen Mauern auf wenigen Quadratmetern kleine Paradiese entstehen zu lassen. Wer Gelegenheit hat, am Bocksturm einen Blick hinter die Kulissen zu werfen, staunt über die Vielfalt auf kleinem Raum. Und über die himmlische Ruhe, die niemand so wenige Meter entfernt vom viel befahrenen Wall erwartet.

Repräsentativ: Ein Fabrikant hat um 1830 den Park angelegt, der heute zur Deutschen Bundesstiftung Umwelt gehört.

Vielfalt auf kleinem Raum: In der Altstadt war es schon immer sehr eng. Aber die Menschen haben es verstanden, auf wenig Raum kleine Paradiese entstehen zu lassen. Auch dieser Garten gleich neben dem Bocksturm wird am Sonntag gezeigt.

Die Süntelbuche am Gut Honeburg: Am Tag des offenen Denkmals können Besucher einen Blick unter ihren Schleier werfen. Fotos: Jörn Martens
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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