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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Immer den Ohren nach zum Fröschezählen
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Naturschutzbund schließt seine Laubfrosch-Kartierung ab - Immer weniger Tiere präsent
Artikel:
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Originaltext:
Immer den Ohren nach zum Fröschezählen

Naturschutzbund schließt seine Laubfrosch-Kartierung ab - Immer weniger Tiere präsent

Von Dorte Eilers

Osnabrück
Es ist Nacht in Kloster Oesede. Der Mond scheint, und eine Ente quakt verschlafen ein Rebhuhn an. " Komisch", sagt Andreas Peters und zückt sein Handy. Aus dem Telefon ertönt plötzlich ein lautes " Äpp-äpp-äpp". Peters lauscht, doch der Laubfrosch schweigt. Bedenklich.

Eigentlich müssten Andreas Peters und die Mitarbeiter des Naturschutzbundes (Nabu) Osnabrück jubeln: In diesem Sommer wird der Nabu seine Laubfrosch-Kartierung in Stadt und Landkreis Osnabrück abgeschlossen haben. Seit 2003 wurden auf einer Fläche, die größer ist als das Saarland, Tümpel und Teiche abgegrast, um auch noch den letzten Laubfrosch, bestens bekannt aus Märchen und Meteorologie als Froschkönig oder Wetterfrosch, zu entdecken. Ein arbeitsaufwändiges Projekt mit einem jedoch erschreckenden Ergebnis.

Wo in den 50er Jahren noch in fast jedem Tümpel der Laubfrosch seine Bahnen zog, hat sich das Vorkommen des grünen Artgenossen heute auf ein Drittel reduziert. Im Stadtgebiet gibt es sogar nur noch ein einziges Laubfroschvorkommen: in Atter an der Kuhlbreite. " Alarmierend", findet Andreas Peters. Großflächige Landschaftsveränderungen, wie zum Beispiel Zerstörung von Wasser- und Landlebensräumen, hätten das Vorkommen so minimiert, dass der Laubfrosch jetzt auf der roten Liste der gefährdeten Arten stehe.

Der Nabu wollte deshalb mit dem Projekt schauen, wo es überhaupt noch Laubfrösche gibt, um nach Auswertung der Daten Schutzmaßnahmen erarbeiten zu können, die den Laubfrosch vor dem Verschwinden bewahren. " Das ist schon eine Leistung, diese Arbeit allein mit Ehrenamtlichen zu bewältigen", sagt Peters.

Seit drei Jahren bildet der Diplom-Biologc Freiwillige aus, die beim Kartieren helfen wollen. Als Einführung organisiert er meist eine Exkursion zu ehemaligen Fischteichen nach Kloster Oesede. " Zu sehen bekommt man die nur sechs Zentimeter großen Frösche eher selten", so Peters. " Aber hören kann man sie meist schon kilometerweit."

Die Frösche werden anhand ihres charakteristischen Quakens während der Paarungszeit gezählt. Der Ruf des Männchens klingt wie ein hartes " Äpp-äpp-äpp" mit vier bis sechs Rufen pro Sekunde. " Ein beeindruckendes Schauspiel", wie Andreas Peters findet. Nach der Exkursion nach Kloster Oesede bekommen die freiwilligen Helfer dann einen Erfassungsbogen in die Hand gedrückt und ein fünf mal fünf Kilometer großes Gebiet zugewiesen, in dem an den dort vorhandenen Laichgewässern gezählt wird.

" Natürlich können Laien nicht auf Anhieb abschätzen, ob da nun zwei Frösche oder 20 quaken", weiß Peters, " doch uns geht es im Grunde auch erst einmal darum, ob überhaupt noch Laubfrösche an dieser Stelle leben." Der Biologe findet es sowieso wichtig, ein allgemein öffentliches Interesse für den Laubfrosch zu wecken, da er einfach ein Sympathieträger sei.

Obwohl die Kartierung jetzt abgeschlossen ist, freut sich der Nabu natürlich über jeden Anrufer, der einen Laubfrosch gehört haben will. Wer sich dabei nicht sicher ist, kann sich den Ruf aus dem Internet unter www.nabu-os.de herunterladen. Oder ihn, wie Andreas Peters, gleich auf sein Handy spielen. " Jedem das seine", sagt der Biologe und lacht.

MIT DEN OHREN " erlauschen" Andreas Peters und die Mitarbeiter des Naturschutzbundes Laubfrösche in und um Osnabrück. Foto: Uwe Lewandowski

NUR SELTEN ZU SEHEN: Einen solchen Laubfrosch in seiner typischen Umgebung am Rande eines Gewässers bekommen Naturfreunde in Osnabrück nur noch selten zu Gesicht. Foto: dpa

Zur Sache: Schutz von Laubfröschen

Als die Gebrüder Grimm 1812 ihr Märchen von dem " Froschkönig" veröffentlichten, bewiesen sie nicht gerade biologische Kenntnisse. Der nur sechs Zentimeter große und neun Gramm schwere Laubfrosch, der als Vorbild für diese Märchenfigur galt, wäre wahrscheinlich eher von der goldenen Kugel der Prinzessin erschlagen worden, als dass er sie hätte aus dem Brunnen fischen können. Dennoch wählte der Naturschutzbund Nordrhein-Westfalen den Titel " Ein König sucht sein Reich" für sein Laubfrosch-Schutz-Projekt. Dieses Projekt galt dem Nabu Osnabrück als Vorbild. Zusammen mit dem Nabu Altkreis Lingen, Grafschaft Bentheim und dem BUND Osnabrück wollen sie den Schutz des Laubfrosches im niedersächsischen Teil des Euregio-Gebietes vorantreiben. Dazu gehört auch der Schutz der Lebensräume. Laubfrösche halten sich zur Nahrungssuche und zum Sonnen in den Blättern von Sträuchern (z. B. Brombeeren), Büschen und Bäumen auf. Für ihre Vermehrung suchen sie im Frühjahr (April bis Juni) sonnige, sich schnell erwärmende, flache Gewässer auf. Dort beginnen die Männchen an warmen Abenden mit ihren lauten Paarungsrufen, indem sie ihre kehlständige Schallblase aufpusten wie einen Luftballon. In 50 Zentimeter Entfernung können die kleinen Frösche so eine Lautstärke von bis zu 90 Dezibel erreichen - so viel wie ein vorbeifahrender Lkw. Um diesen lauten Artgenossen vor dem Aussterben zu schützen, können zum Beispiel Laubfroschgewässer angelegt werden, zugewachsene Teiche frei geschlagen und nicht mehr genutzte Fischteiche abgefischt werden. (de)
Autor:
Dorte Eilers


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